Revision verworfen – Keine Beschwer bei Nichtanordnung der Unterbringung nach § 64 StGB
KI-Zusammenfassung
Der Angeklagte war wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln verurteilt; nach Aufhebung der Unterbringungsanordnung durch den BGH wurde die Sache zurückverwiesen. Die neu berufene Kammer sah von einer Unterbringung nach § 64 StGB ab; der Angeklagte erhob Revision mit Sachrüge. Der BGH verwirft die Revision als unzulässig mangels Beschwer, da ein Urteil nicht allein wegen der Nichtanordnung einer Maßregel angefochten werden kann; dies gelte auch nach der Neufassung des § 64 StGB.
Ausgang: Revision des Angeklagten wegen fehlender Beschwer als unzulässig verworfen; Kosten des Rechtsmittels trägt der Beschwerdeführer
Abstrakte Rechtssätze
Ein Angeklagter kann ein gegen ihn ergangenes Urteil nicht allein deswegen mit der Revision angreifen, weil keine Maßregel nach § 64 StGB angeordnet worden ist.
Die Unzulässigkeit des Revisionsrechtsmittels wegen fehlender Beschwer gilt auch, wenn nach Aufhebung und Zurückverweisung durch das Revisionsgericht lediglich noch über die Anordnung der Maßregel zu entscheiden ist.
Die Anordnung einer Maßregel nach § 64 StGB stellt auch nach der Neufassung durch das Gesetz zur Überarbeitung des Sanktionenrechts vom 26. Juni 2023 eine belastende Maßnahme dar.
Zitiert von (8)
8 zustimmend
Vorinstanzen
vorgehend LG Hannover, 12. Dezember 2024, Az: 99 KLs 18/24
vorgehend BGH, 28. Mai 2024, Az: 6 StR 144/24, Beschluss
vorgehend LG Hannover, 6. Dezember 2023, Az: 63 KLs 16/23
Tenor
Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Hannover vom 12. Dezember 2024 wird verworfen.
Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.
Gründe
Das Landgericht hatte den Angeklagten im ersten Rechtsgang mit Urteil vom 6. Dezember 2023 wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in 18 Fällen unter Einbeziehung von Strafen aus einem anderen Urteil zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren und elf Monaten verurteilt, die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet und bestimmt, dass drei Jahre und drei Monate der Strafe vor der Maßregel zu vollziehen sind. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hob der Senat mit Beschluss vom 28. Mai 2024 (6 StR 144/24) das vorbenannte Urteil mit den zugehörigen Feststellungen auf, soweit die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt angeordnet worden war, und verwies die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurück. Die nunmehr zur Entscheidung berufene Strafkammer hat von der Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt abgesehen. Hiergegen wendet sich der Angeklagte mit seiner auf die Sachrüge gestützten Revision.
Das Rechtsmittel ist mangels Beschwer unzulässig. Ein Angeklagter kann ein gegen ihn ergangenes Urteil nicht allein deswegen anfechten, weil gegen ihn neben der Strafe keine Maßregel nach § 64 StGB angeordnet worden ist (st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüsse vom 23. Januar 2024 – 6 StR 1/24; vom 15. Juli 2024 – 2 StR 217/24; vom 24. September 2024 – 5 StR 387/24, jeweils mwN). Dies gilt auch, wenn nach Aufhebung und Zurückverweisung durch das Revisionsgericht nur noch über die Frage zu entscheiden war, ob diese Maßregel anzuordnen ist (vgl. BGH, Beschluss vom 1. August 2023 – 5 StR 279/23). Entgegen der Auffassung der Revision handelt es sich auch nach der Neufassung des § 64 StGB durch das Gesetz zur Überarbeitung des Sanktionenrechts vom 26. Juni 2023 (BGBl. I Nr. 203) bei der Anordnung der Maßregel um eine belastende Maßnahme (vgl. BT-Drucks. 20/5913 S. 49).
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