Zulässigkeit der Revision des Angeklagten bei Nichtanordnung einer Maßregel
KI-Zusammenfassung
Der Angeklagte rügt die Nichtanordnung einer Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nach § 64 StGB und legt Revision ein. Der BGH verwirft die Revision als unzulässig, da das Unterlassen einer Maßregel allein keine rechtsmittelrechtliche Beschwer begründet. Soweit relevant, hätte die Revision in der Sache ebenfalls keinen Erfolg gehabt, weil das Landgericht die Voraussetzungen sachverständig und ohne Rechtsfehler verneint hat.
Ausgang: Revision des Angeklagten als unzulässig verworfen; Beschwer wegen Nichtanordnung der Unterbringung nicht gegeben
Abstrakte Rechtssätze
Ein Angeklagter kann ein Urteil nicht allein mit der Revision angreifen, weil neben der verhängten Strafe keine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nach § 64 StGB angeordnet worden ist.
Die Unzulässigkeit der Revision wegen fehlender Beschwer folgt auch, wenn nach Aufhebung und Zurückverweisung nur noch über die Anordnung der Maßregel zu entscheiden ist.
Die Revision ist materiell unbegründet, wenn das Tatgericht die Voraussetzungen der Unterbringung nach § 64 StGB unter sachverständiger Beratung ohne Rechtsfehler verneint hat.
Die bloße Unzufriedenheit über das Nichtergehen einer Maßregel begründet keine rechtsmittelrechtliche Beschwer und rechtfertigt daher keine Zulassung der Revision.
Zitiert von (2)
2 zustimmend
Vorinstanzen
vorgehend LG Dresden, 10. April 2024, Az: 17 KLs 305 Js 47440/21 (2)
vorgehend BGH, 2. Januar 2024, Az: 5 StR 512/23, Beschluss
vorgehend LG Dresden, 11. Juli 2023, Az: 15 KLs 305 Js 47440/21
Tenor
Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Dresden vom 10. April 2024 wird als unzulässig verworfen.
Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.
Gründe
Das Landgericht hatte den Angeklagten im ersten Rechtsgang mit Urteil vom 11. Juli 2023 wegen Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie wegen versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung unter Einbeziehung der Einzelstrafen aus einem rechtskräftigen früheren Urteil zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt und die in diesem Urteil getroffene Einziehungsentscheidung aufrechterhalten. Darüber hinaus hatte es den Angeklagten wegen besonders schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie Erpressung zu einer weiteren Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren und acht Monaten verurteilt und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet sowie bestimmt, dass drei Jahre und zehn Monate der Strafe vor der Maßregel zu vollziehen sind.
Auf die Revision des Angeklagten hat der Senat mit Beschluss vom 2. Januar 2024 (5 StR 512/23) das vorbenannte Urteil mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben, soweit die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt angeordnet worden ist, die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen und festgestellt, dass der Ausspruch über die Aufrechterhaltung der Einziehungsentscheidung entfällt.
Die nunmehr zur Entscheidung berufene Strafkammer hat von der Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt abgesehen. Hiergegen wendet sich der Angeklagte mit seiner auf die Sachrüge gestützten Revision.
Das Rechtsmittel ist mangels Beschwer unzulässig. Ein Angeklagter kann ein gegen ihn ergangenes Urteil nicht allein deswegen anfechten, weil gegen ihn neben der Strafe keine Maßregel nach § 64 StGB angeordnet worden ist (st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüsse vom 15. Juli 2024 – 2 StR 217/24; vom 27. April 2021 – 5 StR 102/21, jeweils mwN). Dies gilt auch, wenn nach Aufhebung und Zurückverweisung durch das Revisionsgericht nur noch über die Frage zu entscheiden war, ob diese Maßregel anzuordnen ist (vgl. BGH, Beschluss vom 1. August 2023 – 5 StR 279/23). Wie der Generalbundesanwalt zutreffend ausgeführt hat, hätte die Revision aber auch in der Sache keinen Erfolg, weil das Landgericht die Voraussetzungen einer Unterbringung in einer Entziehungsanstalt – sachverständig beraten – ohne Rechtsfehler verneint hat.
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