Ablehnung offensichtlich unzulässiger isolierter Eilanträge in Klageerzwingungssachen - Auferlegung einer Missbrauchsgebühr bei wiederholter, völlig substanzloser Antragstellung trotz Nichtannahme- bzw Ablehnungsentscheidungen in ähnlich gelagerten Fällen
KI-Zusammenfassung
Der Antragsteller stellte wiederholt isolierte Anträge auf Erlass einstweiliger Anordnungen nach § 32 Abs. 1 BVerfGG. Das BVerfG verband die Verfahren und lehnte die Anträge ab, weil die in der Hauptsache noch zu erhebenden Verfassungsbeschwerden offensichtlich unzulässig wären. Eine Missbrauchsgebühr von 1.000 Euro wurde nach § 34 Abs. 2 BVerfGG auferlegt, da die Eingaben völlig substanzlos und wiederholt waren.
Ausgang: Anträge auf Erlass einstweiliger Anordnungen als offensichtlich unzulässig verworfen; Missbrauchsgebühr von 1.000 Euro auferlegt.
Abstrakte Rechtssätze
Ein Antrag auf Erlass einstweiliger Anordnungen nach § 32 Abs. 1 BVerfGG ist abzulehnen, wenn die zu erhebliche Verfassungsbeschwerde offensichtlich unzulässig ist und keine Anhaltspunkte für eine Verletzung von Rechten im Sinne des § 90 Abs. 1 BVerfGG vorliegen.
Eine Missbrauchsgebühr nach § 34 Abs. 2 BVerfGG kann auferlegt werden, wenn die Verfassungsbeschwerde offensichtlich unzulässig oder unbegründet ist und deshalb als für jeden Einsichtigen völlig aussichtslos gilt.
Von Missbrauch ist insbesondere dann auszugehen, wenn trotz mehrerer Nichtannahme- oder Ablehnungsentscheidungen in ähnlich gelagerten Fällen weiterhin völlig substanzlose Verfassungsbeschwerden ohne wesentliche neue Gesichtspunkte eingereicht werden.
Das Bundesverfassungsgericht darf substanzlose wiederholte Eingaben abweisen und Gebühren verhängen, um die Erfüllung seiner Aufgaben und den effektiven Grundrechtsschutz anderer Verfahrensbeteiligter nicht zu beeinträchtigen.
Vorinstanzen
vorgehend Generalstaatsanwaltschaft beim Oberlandesgericht München, 12. Januar 2023, Az: 202 Zs 2181/22 c, Entscheidung
vorgehend Generalstaatsanwaltschaft beim Oberlandesgericht Nürnberg, 18. Januar 2023, Az: 4 Zs 54/23, Entscheidung
vorgehend Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe, 20. Januar 2023, Az: 32 Zs 57/23, Entscheidung
vorgehend Generalstaatsanwaltschaft beim Oberlandesgericht München, 23. August 2022, Az: 201 Zs 1003/22 c, Entscheidung
Tenor
Die Verfahren werden zur gemeinsamen Entscheidung verbunden.
Die Anträge auf Erlass einstweiliger Anordnungen werden abgelehnt.
Dem Antragsteller wird eine Missbrauchsgebühr in Höhe von 1.000 Euro (in Worten: eintausend Euro) auferlegt.
Gründe
I.
Die isolierten Anträge auf Erlass einstweiliger Anordnungen (§ 32 Abs. 1 BVerfGG) sind abzulehnen, weil in der Hauptsache noch zu erhebende Verfassungsbeschwerden nach derzeitigem Stand offensichtlich unzulässig wären; diese würden den Anforderungen der § 23 Abs. 1 Satz 2 Halbsatz 1, § 92 BVerfGG offensichtlich nicht genügen. Eine Verletzung von Rechten im Sinne des § 90 Abs. 1 BVerfGG ist nach dem Vortrag des Antragstellers nicht ansatzweise zu erkennen.
Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.
II.
Die Auferlegung einer Missbrauchsgebühr in der hier angemessenen Höhe von 1.000 Euro beruht auf § 34 Abs. 2 BVerfGG.
Ein Missbrauch liegt vor, wenn die Verfassungsbeschwerde offensichtlich unzulässig oder unbegründet ist und ihre Einlegung deshalb von jedem Einsichtigen als völlig aussichtslos angesehen werden muss (vgl. BVerfGK 6, 219 <219>; 10, 94 <97>). Das Bundesverfassungsgericht muss es nicht hinnehmen, durch erkennbar substanzlose Verfassungsbeschwerden an der Erfüllung seiner Aufgaben gehindert zu werden, mit der Folge, dass anderen Bürgern der ihnen zukommende Grundrechtsschutz nur verzögert gewährt werden kann (vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 24. Mai 2019 - 2 BvR 2710/18 -, Rn. 4; Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 7. Mai 2020 - 1 BvR 275/20 -, Rn. 8; Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 13. Januar 2021 - 2 BvR 2115/20 -, Rn. 4; stRspr). Von einem Missbrauch ist unter anderem dann auszugehen, wenn trotz mehrerer Nichtannahme- oder Ablehnungsentscheidungen in ähnlich gelagerten Fällen weiterhin völlig substanzlose Verfassungsbeschwerden ohne wesentliche neue Gesichtspunkte anhängig gemacht werden (vgl. BVerfGK 6, 219 <219>; 10, 94 <97>; BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 13. Januar 2021 - 2 BvR 2115/20 -, Rn. 4; Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 8. März 2022 - 2 BvR 302/22 -, Rn. 4; stRspr).
Die Anträge auf Erlass einstweiliger Anordnungen des Antragstellers, der das Bundesverfassungsgericht wiederholt mit gleich gelagerten, völlig aussichtslosen Eingaben befasst hat und dem bereits eine Missbrauchsgebühr auferlegt worden ist, haben keinen Erfolg, da in der Hauptsache noch zu erhebende Verfassungsbeschwerden offensichtlich unzulässig wären. Seinen Ausführungen ist schon kein nachvollziehbarer subsumtionsfähiger Sachverhalt zu entnehmen, der eine sachgerechte verfassungsrechtliche Prüfung zulassen würde. Damit genügt der Beschwerdevortrag den Begründungs- und Substantiierungsanforderungen der § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG ersichtlich nicht.
Diese Entscheidung ist unanfechtbar. Dies gilt auch hinsichtlich des Ausspruchs über die Missbrauchsgebühr (vgl. BVerfGE 133, 163 <167 Rn. 10>).