Anfechtungsklage gegen §26a‑Bescheid wegen Einreise aus sicherem Drittstaat abgewiesen
KI-Zusammenfassung
Der Kläger verlangt die Aufhebung eines BAMF‑Bescheids (20.11.2014), wonach ihm wegen Einreise aus einem sicheren Drittstaat kein Asylrecht zusteht. Streitpunkt ist die Anwendung des verkürzten Verfahrens nach §26a i.V.m. §31 Abs.4 AsylVfG und die Anordnung der Rückführung nach Bulgarien. Das VG Düsseldorf weist die Klage ab und schließt sich den tragenden Feststellungen des Bundesamtes an; beachtliche Änderungen der Sach- oder Rechtslage sind nicht dargetan. Das Urteil ist kostenbelastend und vorläufig vollstreckbar.
Ausgang: Klage gegen BAMF‑Bescheid nach §26a AsylVfG wegen Einreise aus sicherem Drittstaat als unbegründet abgewiesen
Abstrakte Rechtssätze
Die Feststellung nach § 26a AsylVfG, dass einem Ausländer aufgrund der Einreise aus einem sicheren Drittstaat kein Asylrecht zusteht, ist ein belastender Verwaltungsakt, der isoliert mit einer Anfechtungsklage angegriffen werden kann, weil ihre Aufhebung ein weiteres Prüfprogramm des Bundesamtes auslöst.
Bei Einreise aus einem sicheren Drittstaat ist das verkürzte Prüfverfahren nach § 26a i.V.m. § 31 Abs. 4 AsylVfG anzuwenden, sofern eine Rückführung in den Drittstaat möglich ist.
Das Verwaltungsgericht kann im Hauptsacheverfahren den Feststellungen und der Begründung eines vorangegangenen unanfechtbaren vorläufigen Rechtsschutzverfahrens folgen, wenn keine beachtlichen Änderungen der Sach‑ oder Rechtslage ersichtlich sind.
Die Anordnung der Abschiebung nach § 34a Abs. 1 AsylVfG ist gerechtfertigt, wenn das Bundesamt die Voraussetzungen der Unzuständigkeit wegen Einreise aus einem sicheren Drittstaat festgestellt hat.
Tenor
Die Klage wird abgewiesen.
Der Kläger trägt die Kosten des Verfahrens, für das Gerichtskosten nicht erhoben werden.
Das Urteil ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar. Der Kläger darf die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des aufgrund des Urteils vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn nicht die Beklagte vor der Vollstreckung Sicherheit in Höhe von 110 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages leistet.
Rubrum
Tatbestand und Entscheidungsgründe:
Das Gericht konnte mit Einverständnis der Beteiligten, für die Beklagte erteilt aufgrund der allgemeinen Prozesserklärung vom 8. November 2012, Nr. 1 und vom 26. Januar 2015 ohne mündliche Verhandlung entscheiden (§ 101 Abs. 2 Verwaltungsgerichtsordnung ‑ VwGO ‑).
Die Klage mit dem sinngemäß gestellten Antrag,
den Bescheid des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bundesamt) vom 20. November 2014 aufzuheben,
ist zulässig (A.), jedoch unbegründet (B.).
A. Gegen den angefochtenen Bescheid ist zutreffende Klageart die (isolierte) Anfechtungsklage, entsprechend war das Klagebegehren zugunsten des Klägers auszulegen (§ 88 VwGO). Rechtsgrundlage für die angefochtene Entscheidung in Ziff. 1 des vorzitierten Bescheides ist § 26a Asylverfahrensgesetz (AsylVfG), wonach bei einem in der Bundesrepublik Deutschland gestellten Asylantrag, sofern der Antragsteller aus einem sicheren Drittstaat eingereist ist, nur festzustellen ist, dass dem Ausländer auf Grund dieser Einreise kein Asylrecht zusteht (vgl. § 31 Abs. 4 AsylVfG). Die Entscheidung nach § 26a AsylVfG stellt einen belastenden Verwaltungsakt im Sinne des § 35 Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG) dar, dessen isolierte Aufhebung – anders als in sonstigen Fällen eines Verpflichtungsbegehrens – ausnahmsweise zulässig ist, weil schon ihre Beseitigung grundsätzlich ein weiteres (nationales) Prüfprogramm des Bundesamtes von Gesetzes wegen auslöst,
vgl. OVG NRW, Urteil vom 30. September 1996 - 25 A 790/96.A -, juris, Rn. 11: sofern eine Rückführung in den sicheren Drittstaat nicht möglich sei, komme § 31 Abs. 4 AsylVfG nicht zum Zuge mit der Folge, dass nicht nach dem reduzierten, sondern gemäß § 31 Abs. 2, 3 AsylVfG nach dem üblichen Entscheidungsprogramm über das Asylbegehren zu befinden sei; ebenso Marx, AsylVfG, 7. Aufl., § 31 Rn. 45.
B. Der angefochtene Bescheid des Bundesamtes vom 20. November 2014 ist zu dem für die rechtliche Beurteilung maßgeblichen Zeitpunkt der Entscheidung des Gerichts (vgl. § 77 Abs. 1 Satz 1 Asylverfahrensgesetz -AsylVfG-) rechtmäßig und verletzt den Kläger nicht in seinen Rechten, § 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO.
Das Gericht folgt den tragenden Feststellungen und der im Wesentlichen zutreffenden Begründung des angegriffenen Bescheides und sieht daher von einer weiteren Darstellung des Tatbestandes und der Entscheidungsgründe ab (§ 77 Abs. 2 AsylVfG). Das Bundesamt hat zu Recht gemäß §§ 26a, 31 Abs. 4 Satz 1 AsylVfG festgestellt, dass dem in Bulgarien die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt erhaltenen Kläger aufgrund seiner Einreise aus einem sicheren Drittstaat kein Asylrecht zusteht und die Abschiebung nach Bulgarien gemäß § 34a Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 AsylVfG angeordnet. Insoweit wird auf die auch unter dem Prüfungsmaßstab des Hauptsacheverfahrens fortgeltenden Erwägungen des vorgelagerten unanfechtbaren Verfahrens des vorläufigen Rechtsschutzes verwiesen, die sich das erkennende Gericht uneingeschränkt zu eigen macht (vgl. VG Düsseldorf, Beschluss vom 7. Januar 2015 - 17 L 3014/14.A).
Beachtliche Änderungen der Sach- oder Rechtslage sind weder danach vorgetragen worden noch sonst ersichtlich,
vgl. auch inzwischen zu Bulgarien OVG NRW, Beschluss vom 29. Januar 2015 - 14 A 134/15.A, juris.
C. Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1 VwGO, § 83b AsylVfG. Der Gegenstandswert richtet sich nach § 30 Abs. 1 Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit beruht auf § 167 VwGO i.V.m. §§ 708 Nr. 11, 711 Zivilprozessordnung.