Beschwerde gegen Kostenfestsetzungsbeschluss wegen Geschäftsgebühr bei Abmahnung zurückgewiesen
KI-Zusammenfassung
Die Antragsgegnerin legte sofortige Beschwerde gegen einen Kostenfestsetzungsbeschluss ein, nachdem ihr Teilbeträge für Verfahrens- und Geschäftsgebühren versagt worden waren. Streitpunkt ist, ob vorprozessuale Geschäftsgebühren für die Reaktion auf eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung erstattungsfähig sind und wie eine Anrechnung zu erfolgen hat. Das OLG bestätigt die Nichtberücksichtigung der Geschäftsgebühr und die Verminderung allein der Verfahrensgebühr. Die Rechtsbeschwerde wurde zur Klärung abweichender Rechtsprechung zugelassen.
Ausgang: Die sofortige Beschwerde gegen den Kostenfestsetzungsbeschluss wird in der Sache abgewiesen; die Rechtsbeschwerde wird zugelassen.
Abstrakte Rechtssätze
Bei Anrechnung einer Geschäftsgebühr auf die Verfahrensgebühr nach Vorbemerkung 3 Abs. 4 VV zum RVG vermindert sich die Verfahrensgebühr, nicht die Geschäftsgebühr; festsetzungsfähig ist daher nur der um die Anrechnung reduzierte Verfahrensgebührenbetrag.
Vorprozessuale Geschäftsgebühren, die für die Reaktion auf eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung entstanden sind, gehören nicht zu den erstattungsfähigen Kosten des Rechtsstreits im Sinne des § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO und sind im Kostenfestsetzungsverfahren nicht zu ersetzen.
Die Tätigkeit des Prozessbevollmächtigten zur Abwehr einer Abmahnung dient nicht der Prozessvorbereitung in einem Maße, das eine Erstattungsfähigkeit der hierfür entstandenen Geschäftsgebühr als Kosten des Rechtsstreits rechtfertigt.
Die Zulassung der Rechtsbeschwerde kann zu erfolgen haben, wenn die angefochtene Entscheidung von der Rechtsprechung eines anderen Oberlandesgerichts abweicht (vgl. § 574 Abs. 2 Nr. 2 ZPO).
Tenor
Die sofortige Beschwerde der Antragsgegnerin gegen den Kostenfest-setzungsbeschluss der Rechtspflegerin des Landgerichts Duisburg vom 30. Juli 2007 wird auf Kosten der Antragsgegnerin zurückgewiesen.
Die Rechtsbeschwerde wird zugelassen.
Gründe
I.
Der Antragstellerin sind im Urteil des Landgerichts Duisburg vom 2.3.2007 die Kosten des vorliegenden wettbewerbsrechtlichen Verfahrens auf Erlass einer einstweiligen Verfügung auferlegt worden. Dem nachfolgenden Antrag der Antragsgegnerin auf Festsetzung der ihr entstanden Kosten hat die Rechtspflegerin nur teilweise stattgegeben. Nicht als erstattungsfähig angesehen hat die Rechtspflegerin die Hälfte einer Verfahrensgebühr sowie die Geschäftsgebühr für die vorprozessuale Tätigkeit des Verfahrensbevollmächtigten zur Abwehr der wettbewerbsrechtlichen Abmahnung. Im Umfang der Zurückweisung verfolgt die Antragsgegnerin ihr Begehren auf Kostenfestsetzung weiter.
II.
Die zulässige sofortige Beschwerde der Antragsgegnerin gegen den Kostenfestsetzungsbeschluss des Landgerichts bleibt in der Sache ohne Erfolg. Das Landgericht hat zu Recht die Hälfte einer Verfahrensgebühr und die vorprozessual entstandene Geschäftsgebühr unberücksichtigt gelassen.
1. Der Bundesgerichtshof hat bereits entschieden, dass sich bei der hier gegebenen Anrechnung einer Geschäftsgebühr auf die Verfahrensgebühr nach Vorbemerkung 3 Abs. 4 VV zum RVG letztere, nicht erstere vermindert (BGH NJW 2007, 2049). Das bedeutet, dass als Verfahrensgebühr festsetzungsfähig allein der um die anteilige Anrechnung der Geschäftsgebühr verminderte Betrag ist.
2. Die Geschäftsgebühr selbst ist entgegen der Ansicht der Antragsgegnerin nicht im Kostenfestsetzungsverfahren als erstattungsfähig festzusetzen. Sie ist vorprozessual entstanden für eine Tätigkeit des Verfahrensbevollmächtigten der Antragsgegnerin zur Abwehr einer Abmahnung.
Der Bundesgerichtshof hat bereits entschieden, dass die nicht anrechenbare Geschäftsgebühr für eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung nicht zu den Kosten des Rechtsstreits im Sinne des § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO gehört (BGH WRP 2006, 237 = GRUR 2006, 439). Nichts anderes kann erst recht für die Kosten gelten, die dem Abgemahnten für seine Reaktion auf die Abmahnung entstehen. Der Senat schließt sich der gegenteiligen Auffassung des OLG Hamburg (OLGR Hamburg 2006, 691 = MDR 2006, 57) nicht an. Ob generell eine Geschäftsgebühr nicht zu den erstattungsfähigen Prozesskosten gezählt werden muss (so OLG Frankfurt GRUR 2005, 360; JurBüro 2003, 201), kann dahin stehen. Die im vorliegenden Zusammenhang mit ihr abgegoltene Tätigkeit eines Rechtsanwalts, nämlich die Reaktion auf die Abmahnung, dient jedenfalls noch weniger der Prozessvorbereitung als die Abmahnung selbst. Das hat der Senat bereits entschieden (Beschluss vom 3.9.2007 – I-20 W 70/07). Das von der Antragsgegnerin angeführte Gerechtigkeitsargument, es fehle an einem materiellrechtlichen Kostenerstattungsanspruch, überzeugt nicht. Zum einen ist es nicht Aufgabe des Prozessrechts, materiellrechtlich nicht bestehende Erstattungsansprüche zu schaffen. Zum anderen mögen nach materiellem Recht durchaus Ansprüche in Betracht kommen (vgl. z. B. OLG Düsseldorf – 16. Zivilsenat – NJW-RR 2003, 566), ohne dass diese Frage im vorliegenden wettbewerbsrechtlichen Fall abschließend entschieden werden müsste. Davon geht ersichtlich auch die von der Antragsgegnerin angeführte Kommentierung (Bornkamm, in: Hefermehl/Köhler/Bornkamm, Wettbewerbsrecht, 25. Aufl. 2007, § 12 UWG, Rn. 1.73), die derartige Ansprüche und nicht den prozessualen Kostenerstattungsanspruch erörtert, aus.
Die Kostenentscheidung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO.
Der Senat lässt die Rechtsbeschwerde wegen der Abweichung von der Entscheidung des OLG Hamburg gemäß § 574 Abs. 2 Nr. 2 ZPO zu.
Wert für das Beschwerdeverfahren: 1.359,80 €.