Beschwerde: Vergütung des Sachverständigen auf Auslagenvorschuss nach § 8a JVEG begrenzt
KI-Zusammenfassung
Die Landeskasse rügte einen zu hohen Vergütungsanspruch eines Sachverständigen. Das OLG Düsseldorf wendet § 8a Abs. 4 JVEG an und setzt die Vergütung auf den Auslagenvorschuss von 1.500 € fest, weil die beantragte Vergütung den Vorschuss erheblich (›20 %) überstieg und der Sachverständige nicht rechtzeitig nach § 407a Abs. 3 ZPO auf die Überschreitung hingewiesen hat. Ein mangelndes Verschulden wurde nicht dargelegt.
Ausgang: Beschwerde der Landeskasse gegen den höheren Vergütungsanspruch des Sachverständigen wird stattgegeben; Vergütung auf den Vorschuss von 1.500 € beschränkt
Abstrakte Rechtssätze
§ 8a Abs. 4 JVEG begrenzt die Vergütung des Sachverständigen auf den geleisteten Auslagenvorschuss, wenn die beantragte Vergütung den Vorschuss erheblich übersteigt und der Sachverständige den Berechtigten nicht rechtzeitig nach § 407a Abs. 3 Satz 2 ZPO darauf hingewiesen hat.
Eine Kostenüberschreitung gilt als erheblich im Sinne des § 8a Abs. 4 JVEG, wenn die beantragte Vergütung den Auslagenvorschuss um mehr als 20 % übersteigt.
Der Sachverständige hat vor Fortführung der Begutachtung das Gericht bzw. den Berechtigten auf eine notwendige Erhöhung des Kostenvorschusses hinzuweisen; unterbleibt diese Mitteilung, rechtfertigt dies die Kürzung der Vergütung auf den Vorschussbetrag.
Das bloße Vorbringen unvorhergesehener Mehraufwendungen entbindet den Sachverständigen nicht von seiner Mitteilungspflicht und genügt nicht zur Vermeidung der Kürzung, sofern kein substantiiertes Fehlen eines Verschuldens dargelegt wird.
Tenor
Auf die Beschwerde der Landeskasse wird der Beschluss der 4. Zivilkammer des Landgerichts Duisburg – Einzelrichter – vom 29. April 2016 abgeändert. Die Vergütung des Sachverständigen B. für seine Gutachtertätigkeit wird auf insgesamt 1.500 € festgesetzt. Der weitergehende Vergütungsantrag des Sachverständigen wird zurückgewiesen.
Das Verfahren ist gebührenfrei. Kosten werden nicht erstattet.
Rubrum
I.
Die Beschwerde der Landeskasse ist gemäß § 4 Abs. 3 JVEG zulässig und hat in der Sache Erfolg.
Der Vergütungsanspruch des Sachverständigen besteht gemäß § 8a Abs. 4 JVEG insgesamt nur in Höhe des Auslagenvorschusses von 1.500 €. Nach dieser Vorschrift erhält der Sachverständige eine Vergütung nur in Höhe des Auslagenvorschusses, wenn die Vergütung den angeforderten Auslagenvorschuss erheblich übersteigt und der Berechtigte nicht rechtzeitig nach § 407a Abs. 3 Satz 2 ZPO auf diesen Umstand hingewiesen hat. Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt. Die vom Sachverständigen begehrte Vergütung übersteigt den Auslagenvorschuss um mehr als 20 % und damit erheblich im Sinne des § 8a Abs. 4 JVEG (vgl. BT-Drucks. 17/11471 (neu), S. 260). Auf die Überschreitung hat der Sachverständige nicht rechtzeitig hingewiesen und damit gegen seine Mitteilungspflicht nach § 407a Abs. 3 Satz 2 ZPO verstoßen. Mangelndes Verschulden (§ 8a Abs. 5 JVEG) hat der Sachverständige nicht dargelegt. Insbesondere gibt das Vorbringen des Sachverständigen, es seien wider Erwarten drei (statt einer) Wasserproben erforderlich geworden und die Untersuchung habe innerhalb von 5 Stunden erfolgen müssen, hierfür nichts her. Zutreffend verweist die Beschwerde darauf, dass die Kostenüberschreitung erst durch die nachfolgende Weiterbearbeitung realisiert worden ist. Es hätte dem Sachverständigen oblegen, das Gericht vor der weiteren Bearbeitung des Gutachtens auf die notwendige Erhöhung des Kostenvorschusses hinzuweisen. Die Beurteilung, inwieweit bereits angefallene Kosten bei einem Abbruch der Begutachtung vergeblich aufgewendet worden wären, obliegt nicht dem Sachverständigen.
Nach dem eindeutigen Wortlaut des § 8a Abs. 4 JVEG ist die Vergütung des Sachverständigen somit entsprechend dem ausdrücklichen Hinweis in den Gesetzesmaterialien (BT-Drucks. 17/11471 (neu), S. 260) „mit dem Betrag des Vorschusses zu kappen (vgl. Senat, I-10 W 137/15, Beschluss vom 20. Oktober 2015; OLG Hamm, I-24 U 220/12, Beschluss vom 24. Juli 2014). Die frühere Rechtsprechung, nach der die Kürzung der Vergütung des Sachverständigen unterblieb, wenn davon auszugehen war, dass es auch bei pflichtgemäßer Anzeige zu einer Fortsetzung seiner Tätigkeit gekommen wäre, ist durch die gesetzliche Neuregelung des § 8a Abs. 4 JVEG überholt. Der klare und eindeutige Wortlaut der gesetzlichen Bestimmung lässt keinen Spielraum für eine einschränkende Auslegung.
II.
Der Kostenausspruch folgt aus §§ 4 Abs. 8 JVEG.