Nichtannahme mehrerer offensichtlich unsubstantiierter Verfassungsbeschwerden (§§ 23 Abs 1 S 2, 92 BVerfGG) - Auferlegung einer Missbrauchsgebühr
KI-Zusammenfassung
Mehrere Verfassungsbeschwerden des Beschwerdeführers wurden vom Bundesverfassungsgericht zur gemeinsamen Entscheidung nicht zur Entscheidung angenommen. Die Kammer stellte fest, dass die Annahmevoraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht erfüllt und die Beschwerden offensichtlich unzulässig waren. Wegen wiederholter Einreichung substanzloser Beschwerden wurde eine Missbrauchsgebühr von 2.000 € auferlegt.
Ausgang: Verfassungsbeschwerden nicht zur Entscheidung angenommen; Missbrauchsgebühr von 2.000 € wegen wiederholter substanzloser Einreichungen auferlegt
Abstrakte Rechtssätze
Die Annahme von Verfassungsbeschwerden setzt die Erfüllung der Voraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG voraus; fehlende Anforderungen nach § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG rechtfertigen die Nichtannahme.
Eine Missbrauchsgebühr nach § 34 Abs. 2 BVerfGG kann auferlegt werden, wenn eine Verfassungsbeschwerde offensichtlich unzulässig oder unbegründet ist und deren Einlegung von jedem Einsichtigen als völlig aussichtslos angesehen werden muss.
Wiederholte Einreichung substanzloser Verfassungsbeschwerden in ähnlich gelagerten Fällen ohne wesentliche neue Gesichtspunkte begründet Missbrauch, insbesondere wenn dem Beschwerdeführer bereits eine Gebührenauferlegung ergangen ist.
Das Bundesverfassungsgericht muss substanzlose Verfassungsbeschwerden abwehren, wenn deren Behandlung die Erfüllung seiner Aufgaben behindert und damit den Rechtsschutz anderer Verfahrensbeteiligter unverhältnismäßig verzögern würde.
Vorinstanzen
vorgehend BGH, 3. März 2021, Az: 2 ARs 362/20, Beschluss
vorgehend BGH, 15. April 2021, Az: 2 ARs 85/20, Beschluss
vorgehend BGH, 28. April 2021, Az: 2 ARs 95/21, Beschluss
vorgehend KG Berlin, 15. November 2021, Az: 6 Ws 221/21 - 161 Zs 1157/21, Beschluss
vorgehend KG Berlin, 9. März 2021, Az: 6 Ws 23/21 - 161 Zs 1222/20, Beschluss
vorgehend OLG Frankfurt, 28. Oktober 2021, Az: 7 Ws 99/21, Schiedsgerichtsentscheidung
vorgehend OLG Frankfurt, 18. Oktober 2021, Az: 7 Ws 99/21, Beschluss
Tenor
Die Verfassungsbeschwerden werden zur gemeinsamen Entscheidung verbunden.
Die Verfassungsbeschwerden werden nicht zur Entscheidung angenommen.
Dem Beschwerdeführer wird eine Missbrauchsgebühr in Höhe von 2.000 Euro (in Worten: zweitausend Euro) auferlegt.
Gründe
I.
Die Verfassungsbeschwerden sind nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die Annahmevoraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegen. Die Verfassungsbeschwerden genügen offensichtlich nicht den Anforderungen der § 23 Abs. 1 Satz 2 Halbsatz 1, § 92 BVerfGG.
Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.
II.
Die Auferlegung der Missbrauchsgebühr beruht auf § 34 Abs. 2 BVerfGG. Die Verfassungsbeschwerden wurden missbräuchlich erhoben.
Ein Missbrauch liegt vor, wenn eine Verfassungsbeschwerde offensichtlich unzulässig oder unbegründet ist und ihre Einlegung von jedem Einsichtigen als völlig aussichtslos angesehen werden muss. Das Bundesverfassungsgericht muss es nicht hinnehmen, durch erkennbar substanzlose Verfassungsbeschwerden an der Erfüllung seiner Aufgaben gehindert zu werden, mit der Folge, dass anderen Bürgern der ihnen zukommende Grundrechtsschutz nur verzögert gewährt werden kann (vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 19. Dezember 2018 - 2 BvR 2459/18 -, juris, Rn. 5; Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 24. Mai 2019 - 2 BvR 2710/18 -, Rn. 4; Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 7. Mai 2020 - 1 BvR 275/20 -, Rn. 8; stRspr). Ein Missbrauch ist unter anderem dann gegeben, wenn trotz mehrerer Nichtannahme- oder Ablehnungsentscheidungen in ähnlich gelagerten Fällen weiterhin völlig substanzlose Verfassungsbeschwerden ohne wesentliche neue Gesichtspunkte anhängig gemacht werden (vgl. BVerfGK 6, 219 <219>; 10, 94 <97>; BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 4. Juni 2019 - 1 BvR 1011/19 -, Rn. 5; Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 5. Oktober 2020 - 2 BvR 1490/20 -, juris, Rn. 4; stRspr).
So liegt es hier. Obwohl dem Beschwerdeführer bereits mit Beschluss der Kammer vom 13. Januar 2021 im Verfahren 2 BvR 2115/20 eine Missbrauchsgebühr in Höhe von 1.500 Euro auferlegt wurde (vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 13. Januar 2021 - 2 BvR 2115/20 -, Rn. 3 ff.), hat er weitere völlig aussichtslose Verfassungsbeschwerden in ähnlich gelagerten Fällen erhoben. Wie bereits bei seinen vorangegangenen Verfassungsbeschwerden beschränkt sich der Beschwerdeführer dabei auf zusammenhang- und substanzlose Ausführungen sowie die bloße Vorlage zahlreicher, in der Mehrzahl keinen Bezug zum konkreten Verfahren aufweisender Schriftstücke. Im Hinblick darauf ist es angezeigt, dem Beschwerdeführer nunmehr eine Missbrauchsgebühr in Höhe von 2.000 Euro aufzuerlegen.
III.
Diese Entscheidung ist unanfechtbar. Dies gilt auch hinsichtlich des Ausspruchs über die Missbrauchsgebühr (vgl. BVerfGE 133, 163 <167>).