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BVerfG·1 BvR 1179/08·28.09.2010

Verwerfung eines Antrags auf Gegenstandswertfestsetzung: Kein Rechtsschutzbedürfnis für Gegenstandswertfestsetzung bei Nichtannahme einer Verfassungsbeschwerde ohne nähere Begründung

Öffentliches RechtVerfassungsrechtVerfahrensrechtVerworfen

KI-Zusammenfassung

Die Beschwerdeführer beantragten die Festsetzung des Gegenstandswerts ihrer Verfassungsbeschwerde entsprechend dem Streitwert des Ausgangsverfahrens. Das BVerfG verwirft den Antrag als unzulässig. Bei Nichtannahme der Verfassungsbeschwerde besteht im Regelfall kein Rechtsschutzbedürfnis für einen über den gesetzlichen Mindestwert (§37 Abs.2 Satz2 RVG) hinausgehenden Gegenstandswert. Eine Abweichung erfordert substantiiert dargetane besondere Umstände.

Ausgang: Antrag auf Festsetzung des Gegenstandswerts mangels dargetanen Rechtsschutzbedürfnisses bei Nichtannahme der Verfassungsbeschwerde als unzulässig verworfen

Abstrakte Rechtssätze

1

Der Gegenstandswert für ein Verfahren der Verfassungsbeschwerde richtet sich nach § 37 Abs. 2 Satz 2 i.V.m. § 14 Abs. 1 RVG und ist unter Berücksichtigung aller Umstände, jedoch nicht unter 4.000 €, festzusetzen.

2

Wird die Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen, besteht im Regelfall kein Rechtsschutzbedürfnis für die Festsetzung eines über den gesetzlichen Mindestwert hinausgehenden Gegenstandswerts.

3

Für die Festsetzung eines über den gesetzlichen Mindestwert hinausgehenden Gegenstandswerts muss der Antragsteller besondere, substantiiert dargelegte Umstände vortragen, die eine höhere Bemessung rechtfertigen (z. B. Bedeutung der Angelegenheit, Umfang oder Schwierigkeit der anwaltlichen Tätigkeit, Erfolgsaussichten).

4

Fehlt ein substantiiert vorgetragener Grund, ist der Antrag auf Gegenstandswertfestsetzung unzulässig bzw. als verworfen zurückzuweisen.

Relevante Normen
§ 93d Abs 1 S 3 BVerfGG§ 14 Abs 1 RVG§ 37 Abs 2 S 2 RVG§ 37 Abs. 2 Satz 2 RVG§ 37 Abs. 2 Satz 2 RVG in Verbindung mit § 14 Abs. 1 RVG

Vorinstanzen

vorgehend BVerfG, 5. Juli 2010, Az: 1 BvR 1179/08, Kammerbeschluss ohne Begründung

vorgehend BGH, 26. März 2008, Az: XI ZR 16/06, Beschluss

vorgehend BGH, 22. Januar 2008, Az: XI ZR 16/06, Urteil

vorgehend OLG Stuttgart, 21. Dezember 2005, Az: 9 U 26/05, Urteil

vorgehend LG Tübingen, 17. Dezember 2004, Az: 3 O 59/04, Urteil

Gründe

I.

1

Die anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer wandten sich mit einer Verfassungsbeschwerde gegen Entscheidungen in einem zivilgerichtlichen Verfahren. Der Streitwert des Ausgangsverfahrens betrug 38.569,29 €. Die Verfassungsbeschwerde wurde nicht zur Entscheidung angenommen.

2

Der Bevollmächtigte der Beschwerdeführer beantragt im eigenen Namen und aus eigenem Recht, den Gegenstandswert entsprechend dem Streitwert des Ausgangsverfahrens festzusetzen.

II.

3

Der Antrag auf Festsetzung des Gegenstandswerts ist unzulässig. Für die Berechnung der Rechtsanwaltsgebühren ist hier der gesetzliche Mindestwert nach § 37 Abs. 2 Satz 2 RVG in Höhe von 4.000 € maßgebend. Für die Festsetzung eines darüber hinausgehenden Wertes ist ein Rechtsschutzbedürfnis weder dargetan noch sonst erkennbar.

4

1. Der Gegenstandswert für das Verfassungsbeschwerdeverfahren wird nach § 37 Abs. 2 Satz 2 RVG in Verbindung mit § 14 Abs. 1 RVG festgesetzt. Danach ist der Gegenstandswert unter Berücksichtigung aller Umstände, insbesondere der Bedeutung der Angelegenheit, des Umfangs und der Schwierigkeit der anwaltlichen Tätigkeit sowie der Vermögens- und Einkommensverhältnisse des Auftraggebers nach billigem Ermessen zu bestimmen, jedoch nicht unter 4.000 €. In objektiver Hinsicht kommt auch dem Erfolg der Verfassungsbeschwerde für die Bemessung des Gegenstandswerts Bedeutung zu. Wird die Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen, über sie also nicht inhaltlich befunden, ist es deshalb im Regelfall nicht gerechtfertigt, über den gesetzlichen Mindestwert hinauszugehen. In diesen Fällen besteht kein Rechtsschutzbedürfnis für die Festsetzung des Gegenstandswerts (vgl. BVerfGE 79, 365 <369>; BVerfG, Beschluss des Zweiten Senats vom 25. Mai 1999 - 2 BvR 1790/94 -, NJW 2000, S. 1399; Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 24. April 2008 - 1 BvR 206/08 -, juris <Rn. 7>; Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 7. Januar 2009 - 1 BvR 2523/08 -, juris <Rn. 4>; Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 13. Januar 2010 - 2 BvR 2552/08 -, juris <Rn. 2>).

5

2. Der vorliegende Fall bietet keinen Anlass, von dieser Regel abzuweichen. Die Verfassungsbeschwerde, die besondere rechtliche Schwierigkeiten nicht aufwies, wurde nicht zur Entscheidung angenommen, ohne dass es einer näheren Begründung bedurfte. Anhaltspunkte, die es gleichwohl rechtfertigen könnten, für das Verfassungsbeschwerdeverfahren einen über den gesetzlichen Mindestbetrag hinausgehenden Gegenstandswert festzusetzen, sind mit der Antragsbegründung nicht dargetan und auch sonst nicht ersichtlich.