Revision: Schuldspruch auf Handeltreiben mit Cannabis (KCanG) geändert, Strafausspruch aufgehoben
KI-Zusammenfassung
Der Angeklagte legte Revision gegen Verurteilung wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln ein. Der BGH stellte fest, dass die Tathandlung Marihuana/Haschisch dem seit 1.4.2024 geltenden KCanG unterfällt, das mildere Strafdrohungen enthält, und berücksichtigte dies nach §2 Abs. 3 StGB. Daraufhin wurde der Schuldspruch entsprechend geändert und der Strafausspruch aufgehoben; die Sache wurde zur neuen Verhandlung zurückverwiesen. Die Feststellungen bleiben unberührt.
Ausgang: Revision teilweise stattgegeben: Schuldspruch auf Handeltreiben mit Cannabis geändert, Strafausspruch aufgehoben und zur neuen Verhandlung zurückverwiesen; übrige Revision verworfen.
Abstrakte Rechtssätze
Bei einer Gesetzesänderung, die mildere Strafdrohungen vorsieht, ist die nachteilige frühere Einordnung zugunsten der milderen Vorschrift im Revisionsverfahren zu berücksichtigen (lex mitior, § 2 Abs. 3 StGB).
Ändert die Anwendbarkeit einer späteren, milderen Norm die maßgebliche Strafdrohung, ist der Schuldspruch gegebenenfalls zu berichtigen; die Änderung kann gemäß §§ 354 Abs. 1, 354a StPO im Revisionsverfahren herbeigeführt werden.
Die Vorschrift des § 265 Abs. 1 StPO steht der Berücksichtigung einer milderen gesetzlichen Regelung im Revisionsverfahren nicht entgegen, sofern sich der Angeklagte nicht wirksamer hätte verteidigen können.
Feststellungen der Vorinstanz bleiben gemäß § 353 Abs. 2 StPO bestehen, soweit die Aufhebung oder Änderung des Strafausspruchs allein auf einer Gesetzesänderung beruht und die tatrichterlichen Feststellungen nicht betroffen sind.
Zitiert von (1)
1 neutral
Vorinstanzen
vorgehend LG Bremen, 20. Dezember 2023, Az: 3 KLs 14/20
nachgehend BGH, 5. November 2025, Az: 5 StR 546/25, Beschluss
Tenor
Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Bremen vom 20. Dezember 2023 im Schuldspruch dahin geändert, dass der Angeklagte des Handeltreibens mit Cannabis schuldig ist, und im Strafausspruch aufgehoben.
Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.
Die weitergehende Revision wird verworfen.
Gründe
Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge unter Einbeziehung einer Strafe aus einem Strafbefehl zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt, von der drei Monate wegen einer rechtsstaatswidrigen Verfahrensverzögerung als vollstreckt gelten, und eine Einziehungsentscheidung getroffen. Dagegen wendet sich der Beschwerdeführer mit seiner auf Verfahrensbeanstandungen und die ausgeführte Sachrüge gestützten Revision. Das Rechtsmittel hat den aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Erfolg; im Übrigen ist es unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO.
1. Den Verfahrensrügen bleibt aus den in der Antragsschrift des Generalbundesanwalts genannten Gründen der Erfolg versagt.
2. Der Schuldspruch bedarf der Korrektur, weil sich die Handelstätigkeit des Angeklagten auf Marihuana und Haschisch und damit auf Cannabis im Sinne von § 1 Nr. 8 des am 1. April 2024 in Kraft getretenen Konsumcannabisgesetzes (KCanG, BGBl. I 2024 Nr. 109) bezog, das den Umgang mit zum Konsum bestimmten Cannabis nunmehr abschließend regelt. Da sich die hier in Betracht kommenden Strafdrohungen von § 34 Abs. 1, Abs. 3 KCanG in jedem Fall als milder erweisen, als diejenige des vom Landgericht zur Anwendung gebrachten § 29a Abs. 1 BtMG, hat der Senat dies nach § 2 Abs. 3 StGB auch im Revisionsverfahren zu berücksichtigen. Dies führt entsprechend § 354 Abs. 1 iVm § 354a StPO zur Änderung des Schuldspruchs. Die Vorschrift des § 265 Abs. 1 StPO steht dem nicht entgegen, weil sich der Angeklagte nicht wirksamer als geschehen hätte verteidigen können.
3. Die aus dem Strafrahmen des § 29a Abs. 1 BtMG zugemessene Strafe kann angesichts der deutlich milderen Strafdrohung nach § 34 Abs. 1, 3 KCanG keinen Bestand haben. Die Aufhebung der Einzelstrafe entzieht auch der Gesamtstrafe die Grundlage. Die Feststellungen sind von der durch die Gesetzesänderung bedingten Aufhebung nicht betroffen; sie können deshalb bestehen bleiben (§ 353 Abs. 2 StPO).
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