BGH: Einziehung – Abgrenzung von Wertersatz und Tatobjekt bei Betäubungsmitteln
KI-Zusammenfassung
Der Angeklagte legte Revision gegen ein Urteil des LG Aachen ein; Verurteilung wegen bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln blieb bestehen. Die Revision hatte nur hinsichtlich der Einziehung Erfolg. Der BGH reduzierte den Einziehungsbetrag, weil das LG den Wert zum Eigenkonsums erworbener BtM fälschlich als Taterträge (Wertersatz) angesehen hatte. Solche Stoffe seien Tatobjekte ohne Eigentumserwerb und nur der Sicherungseinziehung nach §33 BtMG/§74b Abs.1 Nr.2 StGB unterworfen.
Ausgang: Revision hinsichtlich der Einziehungsentscheidung teilweise erfolgreich; Einziehungsbetrag reduziert und Haftung angepasst
Abstrakte Rechtssätze
Bei der Einziehung ist zwischen Taterträgen (Wertersatz) und Tatobjekten zu unterscheiden; nur tatsächlich erlangte Taterträge können als Wertersatz eingezogen werden.
Zum Eigenkonsum erworbene Betäubungsmittel, an denen der Täter kein Eigentum erwirbt, sind Tatobjekte und nicht als Wertersatz einzuziehen.
Tatobjekte ohne Eigentumserwerb unterliegen der (Sicherungs-)Einziehung nach §33 Satz 1 BtMG und §74b Abs.1 Nr.2 StGB, nicht hingegen der Einziehung von Wertersatz.
Ist ein Einziehungsbetrag fehlerhaft bemessen, sind die Einziehung und die gesamtschuldnerische Haftung auf den nach diesen Grundsätzen zu ermittelnden Betrag zu korrigieren.
Vorinstanzen
vorgehend BGH, 2. Juni 2022, Az: 2 StR 543/21, Beschluss
vorgehend LG Aachen, 16. Juli 2021, Az: 68 KLs 3/21
nachgehend BGH, 2. Juni 2022, Az: 2 StR 543/21, Beschluss
Tenor
1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Aachen vom 16. Juli 2021, soweit es ihn betrifft, mit der Maßgabe als unbegründet verworfen, dass die Einziehung des Wertes von Taterträgen lediglich in Höhe von 40.829,20 € angeordnet wird und der Angeklagte in Höhe eines Teilbetrags von 40.000 € als Gesamtschuldner haftet.
2. Der Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.
Gründe
Das Landgericht hat den Angeklagten wegen „bewaffneten unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit unerlaubtem Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in sieben Fällen“ zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Zugleich hat es die Einziehung eines Geldbetrags in Höhe von 43.229,20 € und eine gesamtschuldnerische Haftung in Höhe von 42.400 € angeordnet. Die auf die Rüge der Verletzung materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten hat lediglich hinsichtlich der Einziehungsentscheidung teilweise Erfolg; im Übrigen ist sie offensichtlich unbegründet (§ 349 Abs. 2 StPO).
1. Schuldspruch und Strafausspruch sind frei von Rechtsfehlern zum Nachteil des Angeklagten.
2. Die Höhe des Einziehungsbetrages bedarf jedoch der Korrektur. Bei seiner Einziehungsentscheidung hat das Landgericht nicht nur die in den Fällen 1 bis 7 aus den Veräußerungsgeschäften erzielten Erlöse in Höhe von jeweils 5.000 € pro Kilogramm, sondern darüber hinaus auch den Wert der zum Eigenkonsum erworbenen Betäubungsmittel mit ihren hierfür aufzuwendenden Kosten berücksichtigt. Die insoweit erlangten Betäubungsmittel waren indes keine Taterträge, sondern Tatobjekte und hätten, da der Angeklagte an ihnen kein Eigentum erworben hat (vgl. BGH, Beschluss vom 10. Juni 2020 – 3 StR 37/20, NStZ 2021, 557), nur der (Sicherungs-)Einziehung nach § 33 Satz 1 BtMG, § 74b Abs. 1 Nr. 2 StGB unterlegen. Die Einziehung von Wertersatz scheidet deshalb aus (BGH, Beschluss vom 16. April 2019 – 5 StR 64/19).
Der Einziehungsbetrag war insoweit auf 40.829,20 € (8 kg für je 5.000 € in den Fällen 1 bis 7, insoweit bei gesamtschuldnerischer Haftung, zuzüglich 829,20 € im Fall 8) zu reduzieren.
| Franke | Meyberg | Schmidt | |||
| Krehl | Grube |