Erfolglose Asylklage eines nachgeborenen Kindes ohne eigene Asylgründe
KI-Zusammenfassung
Der in Deutschland geborene Kläger (ugandischer Staatsangehöriger) focht die Ablehnung von Flüchtlings- und subsidiärem Schutzstatus sowie das Fehlen von Abschiebungshindernissen an. Er trug keine eigenen Asylgründe vor; auf die Gründe der Mutter konnte nicht erfolgreich verwiesen werden, da deren Klage ebenfalls abgewiesen wurde. Das Gericht wies die Klage als unbegründet ab und stützte sich auf die Ausführungen im BAMF-Bescheid (§77 Abs.2 AsylG). Die Kostenentscheidung sprach das Gericht der Beklagten zu.
Ausgang: Klage des nachgeborenen Kindes auf Zuerkennung von Flüchtlings- und subsidiärem Schutzstatus sowie Feststellung von Abschiebungshindernissen als unbegründet abgewiesen
Abstrakte Rechtssätze
Ein in der Bundesrepublik geborenes nachgeborenes Kind kann die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft oder des subsidiären Schutzes nur geltend machen, wenn eigene, das Kind betreffende Asyl- oder Schutzgründe vorgetragen und substantiiert werden.
Die Asylgründe eines Elternteils begründen nicht ohne weiteres die Zuerkennung von Schutzstatus für ein nachgeborenes Kind, insbesondere wenn die elterlichen Gründe in einem eigenen Verfahren abgewiesen worden sind.
Das Verwaltungsgericht darf sich bei der gerichtlichen Überprüfung einer Entscheidung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge auf die im Bescheid enthaltenen Feststellungen und Begründungen gemäß § 77 Abs. 2 AsylG stützen, soweit diese tragfähig sind.
Der unterlegene Beteiligte hat die Kosten des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens nach § 154 Abs. 1 VwGO zu tragen; zugleich bleibt das Asylverfahren gemäß § 83b AsylG gerichtskostenfrei.
Tenor
I. Die Klage wird abgewiesen.
II. Der Kläger hat die Kosten des Verfahrens zu tragen.
III. Die Kostenentscheidung ist vorläufig vollstreckbar.
Der Kläger darf die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung oder Hinterlegung in Höhe des vollstreckbaren Betrags abwenden, wenn nicht die Beklagte vorher Sicherheit in gleicher Höhe leistet.
Tatbestand
Der Kläger wurde am … 2020 in der Bundesrepublik Deutschland geboren. Er ist ugandischer Staatsangehöriger. Für den Kläger wurde am ... 2020 ein Asylantrag gestellt. Der Asyl- und Schutzantrag der Mutter der Klägerin wurde mit Bescheid vom … Januar 2020 und ist Gegenstand des Klageverfahrens M 5 K 20.30076. Über den Vater des Klägers ist nach Aktenlage nichts bekannt.
Eigene Asylgründe wurden für den Kläger nicht vorgetragen.
Mit Bescheid vom … August 2020 lehnte das Bundesamt den Antrag auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft (Nr. 1), auf Asylanerkennung (Nr. 2) sowie auf subsidiären Schutz (Nr. 3) als unbegründet ab, stellte fest, dass Abschiebungsverbote nach § 60 Abs. 5 und 7 Satz 1 des Aufenthaltsgesetzes nicht vorliegen (Nr. 4). Es forderte die Klagepartei auf, die Bundesrepublik Deutschland innerhalb von 30 Tagen nach Bekanntgabe dieser Entscheidung zu verlassen, anderenfalls wurde die Abschiebung nach Uganda oder in einen anderen Staat, in den eingereist werden darf oder der zur Rückübernahme verpflichtet ist, angedroht (Nr. 5). Das gesetzliche Einreise- und Aufenthaltsverbot wurde auf 30 Monate ab dem Tag der Abschiebung befristet (Nr. 6).
Die Klagepartei hat am 31. August 2020 Klage erhoben und beantragt,
1. Der Bescheid des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge vom 17. August 2020, zugestellt am … August 2020, wird in den Ziffer 1 und in Ziffer 3 bis 6 aufgehoben.
2. Die Beklagte wird verpflichtet festzustellen, dass die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft vorliegen.
3. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin den subsidiären Schutzstatus zuzuerkennen,
4. Die Beklagte wird verpflichtet festzustellen, dass Abschiebungsverbote nach § 60 Abs. 5 und 7 Satz 1 des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG) bestehen.
Das Bundesamt hat die Akten vorgelegt und keinen Antrag gestellt.
Am 13. März 2023 fand mündliche Verhandlung statt.
Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf die Gerichtsakte in diesem Verfahren, die vorgelegte Behördenakte sowie auf die Niederschrift vom 13. März 2020 verwiesen.
Gründe
Die zulässige Klage ist unbegründet.
1. Der Kläger hat keinen Anspruch darauf, ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen.
Für den in der Bundesrepublik Deutschland geborenen Kläger werden keine eigenen Asylgründe vorgetragen. Soweit die angeblichen Fluchtgründe der Mutter des Klägers in den Blick zu nehmen sind, wurde deren Klage auf Anerkennung als Asylberechtigte bzw. Zuerkennung des Flüchtlingsstatus sowie auf Feststellung des Vorliegens von Abschiebungshindernissen mit Urteil vom 14. März 2023 (M 5 K 20.30076) abgewiesen. Es bestehen daher in Folge der Gründe, die die Mutter des Klägers vorgebracht haben, nicht die Voraussetzungen für die Zuerkennung des Flüchtlingsstatus. Eigene Fluchtgründe bzw. Gründe, die eine zu den von der Mutter der Klägerin vorgebrachten Umständen zusätzliche Prüfung oder Würdigung bedingen, sind weder vorgetragen noch ersichtlich. Zur weiteren Begründung kann auf die zutreffenden Ausführungen im Bescheid des Bundesamtes vom … August 2020 verwiesen werden (§ 77 Abs. 2 AsylG).
2. Das Bundesamt hat im Übrigen auch zu Recht die Zuerkennung subsidiären Schutzes (§ 4 AsylG) und das Vorliegen von Abschiebungsverboten gemäß § 60 Abs. 5 und Abs. 7 Satz 1 AufenthG abgelehnt. Auch gegen die Rechtmäßigkeit des Einreise- und Aufenthaltsverbots nach § 11 AufenthG bestehen keine Bedenken. Zur weiteren Begründung wird auf den bereits zitierten Bescheid des Bundesamtes verwiesen (§ 77 Abs. 2 AsylG).
3. Der Kläger hat als unterlegener Beteiligter nach § 154 Abs. 1 VwGO die Kosten des Verfahrens zu tragen.
Der Ausspruch über die vorläufige Vollstreckbarkeit der Kostenentscheidung beruht auf § 167 Abs. 2 VwGO i.V.m. §§ 708 Nr. 11, 711 ZPO.
Nach § 83 b AsylG ist das Verfahren gerichtskostenfrei.