Vorläufiger Rechtsschutz gegen Entzug der Fahrerlaubnis abgelehnt; PKH versagt
KI-Zusammenfassung
Der Antragsteller begehrte vorläufigen Rechtsschutz gegen die Entziehung seiner Fahrerlaubnis sowie Prozesskostenhilfe. Das Verwaltungsgericht lehnte die PKH ab und wies den Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung nach § 80 Abs. 5 VwGO als unbegründet ab. Zur Begründung führt das Gericht an, dass ein hoher THC-Wert und weitere Umstände mit hoher Wahrscheinlichkeit einen relevanten Cannabiseinfluss und damit Ungeeignetheit zum Führen von Kraftfahrzeugen begründen. Eine sofortige Vollziehung ist angesichts der Gefährdung der Allgemeinheit gerechtfertigt.
Ausgang: Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz gegen Fahrerlaubnisentziehung und Antrag auf Prozesskostenhilfe abgewiesen; Entziehungsverfügung bleibt vollziehbar
Abstrakte Rechtssätze
Die Bewilligung von Prozesskostenhilfe ist zu versagen, wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung keine hinreichenden Aussichten auf Erfolg bietet (vgl. § 166 VwGO i.V.m. § 114 ZPO).
Bei einem Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz nach § 80 Abs. 5 VwGO entscheidet die Interessenabwägung; überwiegt bei summarischer Prüfung die Rechtmäßigkeit der angegriffenen Maßnahme, ist der Antrag unbegründet.
Erreicht der im Blut nachgewiesene THC‑Wert den von der Grenzwertkommission für § 24a Abs. 2 StVG festgesetzten Grenzwert, rechtfertigt dies die Annahme eines relevanten Cannabiseinflusses und eines zeitnahen Konsums mit Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit.
Eine spontane Angabe des Betroffenen zum Zeitpunkt der polizeilichen Kontrolle über einen kürzlichen Konsum ist gewichtiger Tatsachenvortrag und kann den Betroffenen grundsätzlich festhalten lassen.
Bei feststehender Ungeeignetheit zum Führen von Kraftfahrzeugen besteht bei der Behörde kein Ermessen gegen die Entziehung der Fahrerlaubnis; die Anordnung sofortiger Vollziehung ist möglich, wenn von erheblichen Gefahren für die Allgemeinheit auszugehen ist.
Tenor
Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe wird abgelehnt.
Der Antrag auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes wird auf Kosten des Antragstellers abgelehnt.
3. Der Streitwert wird auf 2.500 EUR festgesetzt.
Gründe
Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe ist unabhängig von den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Antragstellers abzulehnen, weil die beabsichtigte Rechtsverfolgung, wie sich aus Nachstehendem ergibt, keine hinreichenden Aussichten auf Erfolg bietet (§ 166 der Verwaltungsgerichtsordnung - VwGO - i.V.m. § 114 Satz 1 der Zivilprozessordnung).
Der sinngemäß gestellte Antrag,
die aufschiebende Wirkung der Klage des Antragstellers 7 K 4554/11 gegen die Ordnungsverfügung der Antragsgegnerin vom 6. Oktober 2011 hinsichtlich der Entziehung der Fahrerlaubnis wiederherzustellen,
ist gemäß § 80 Abs. 5 der VwGO zulässig, aber unbegründet. Die im Rahmen des vorläufigen Rechtsschutzverfahrens vorzunehmende Interessenabwägung fällt zu Lasten des Antragstellers aus, weil die Ordnungsverfügung, mit der dem Antragsteller die Fahrerlaubnis entzogen worden ist, bei summarischer Prüfung mit großer Wahrscheinlichkeit rechtmäßig ist. Zur Begründung verweist die Kammer zur Vermeidung von Wiederholungen zunächst auf die rechtlichen und tatsächlichen Ausführungen in der angegriffenen Verfügung, denen sie folgt (vgl. § 117 Abs. 5 VwGO).
Ergänzend ist Folgendes auszuführen: Maßgebend ist im vorliegenden Fall, dass der Antragsteller am 15. Februar 2011 ein Kraftfahrzeug unter Cannabiseinfluss geführt hat. Dadurch hat er bewiesen, dass er zwischen Konsum von Cannabis und Fahren nicht trennen kann.
Vgl. Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen (OVG NRW), Beschlüsse vom 15. Dezember 2003 - 19 B 2493/03 -, 7. Februar 2006 - 16 B 1392/05 -, 9. Juli 2007 - 16 B 907/07 - und 1. August 2007 - 16 B 908/07.
Der im Blut des Antragstellers nach dem Ergebnis des rechtsmedizinischen Gutachtens des Instituts für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Bonn vom 26. März 2011 festgestellte THC-Wert von 4,5 ng/ml übersteigt den zu § 24 a Abs. 2 des Straßenverkehrsgesetzes - StVG - durch die Grenzwertkommission festgesetzten Wert von 1 ng/g bzw. ml bei weitem und rechtfertigt daher die Annahme eines zeitnahen Konsums mit entsprechender Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit. Das Erreichen dieses Grenzwertes ist nämlich für die Annahme relevanten Cannabiseinflusses erforderlich, aber auch ausreichend.
Vgl. Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 21. Dezember 2004 - 1 BvR 2652/03 - mit zahlreichen Nachweisen aus Rechtsprechung und Literatur.
Soweit der Antragsteller vorgetragen hat, es habe sich um einen einmaligen Erstkonsum gehandelt, vermag die Kammer dem nicht zu folgen. Die polizeilich protokollierte Aussage, zuletzt vor ca. drei Tagen Cannabis konsumiert zu haben, belegt zunächst einen Konsum ca. 3 Tage vor der Verkehrskontrolle. An diesen Angaben muss sich der Antragsteller festhalten lassen, da nichts dafür ersichtlich ist, dass dies so nicht gesagt worden wäre. Einem spontanen Konsumeingeständnis bei einer polizeilichen Kontrolle kommt ein erhebliches Gewicht zu, weil es regelmäßig noch nicht von weitergehenden rechtlichen Erwägungen beeinflusst ist.
So: OVG NRW, Beschluss vom 31. Mai 2011 - 16 B 557/11 -
Zudem weist die gemessene THC-Konzentration von 4,5 ng/ml am Vorfallstage deutlich darauf hin, dass der letzte Konsum nur wenige Stunden zuvor gewesen sein dürfte. Denn die Nachweisbarkeitsdauer von THC im Blutserum wird im Fachschrifttum nach einem Einzelkonsum mit vier bis sechs Stunden angegeben und nur in Fällen von wiederholtem oder regelmäßigem Konsum kann sich diese Zeitspanne erhöhen.
Vgl. Schubert/Schneider/Eisenmenger/Stephan, Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung, 2. Aufl., S. 178; vgl. auch: Berghaus/Krüger, Cannabis im Straßenverkehr, 1. Aufl., Kap. 10.2.4., S. 157 ff.
Ein Ermessen steht der Antragsgegnerin bei feststehender Ungeeignetheit nicht zu. Angesichts dessen bestehen auch keinerlei Bedenken gegen die Anordnung der sofortigen Vollziehung der Entziehungsverfügung, selbst wenn seit der Tat nunmehr einige Monate vergangen sind. Angesichts der geringen polizeilichen Kontrolldichte und einer entsprechend hohen Dunkelziffer kommt selbst einer längeren unauffälligen Teilnahme am Straßenverkehr nur eine sehr beschränkte Aussagekraft zu.
So: OVG NRW, Beschluss vom 31. Mai 2011 - 16 B 557/11 -
Zur Zeit ist die vom Antragsteller ausgehende Gefahr für die Allgemeinheit zu groß, als dass sie bis zur Entscheidung der Hauptsache hingenommen werden könnte. Auf die damit verbundenen persönlichen und insbesondere beruflichen Probleme muss der Antragsteller sich einstellen. Vielmehr besteht ein überwiegendes öffentliches Interesse daran, ihn durch eine sofort wirksame Maßnahme vorläufig von der Teilnahme am motorisierten Straßenverkehr auszuschließen. Es bleibt ihm unbenommen, den Nachweis einer wiedergewonnenen Kraftfahreignung in einem späteren Wiedererteilungsverfahren durch eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) zu führen, die dann zwingend vorgeschrieben ist (§ 14 Abs. 2 der Fahrerlaubnis-Verordnung - FeV -).
Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1 VwGO. Die Streitwertfestsetzung beruht auf § 53 Abs. 2 Nr. 2 i. V. m. § 52 Abs. 1 des Gerichtskostengesetzes und entspricht der aktuellen Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen bei Streitigkeiten um eine Fahrerlaubnis in einem vorläufigen Rechtsschutzverfahren, Beschluss vom 4. Mai 2009 - 16 E 550/09 -, nrwe.de/juris.