Kein Anspruch auf Schadensersatz wegen des Einbaus eventuell unzulässiger Abschalteinrichtungen (Thermofenster, Kühlmittel-Solltemperatur-Regelung) in ein Dieselfahrzeug (hier: Mercedes-Benz C 220 CDI 4MATIC)
KI-Zusammenfassung
Die Klägerin begehrt Schadensersatz und Rückgabe eines Diesel-Pkw wegen angeblicher Abschalteinrichtungen (Thermofenster, Kühlmittel-Solltemperatur-Regelung). Das OLG weist die Berufung zurück, weil keine Aussicht auf Erfolg besteht. Entscheidend war, dass kein abweichendes Verhalten der Einrichtungen im realen Fahrbetrieb gegenüber der Prüfsituation nachgewiesen ist. Eine Verfahrensaussetzung wegen EU‑Vorabentscheidung war nicht geboten.
Ausgang: Berufung der Klagepartei gegen das Urteil des LG Regensburg als unbegründet zurückgewiesen
Abstrakte Rechtssätze
Ein Anspruch auf Schadensersatz aus § 826 BGB setzt voraus, dass behauptete Abschalteinrichtungen das Fahrzeug unter realen Fahrbedingungen anders wirken lassen als in der Prüfungssituation; fehlt ein nachgewiesenes abweichendes Verhalten, ist der Anspruch nicht gegeben.
Die Aussetzung eines nationalen Verfahrens allein wegen Schlussanträgen eines Generalanwalts im Vorabentscheidungsverfahren ist nicht erforderlich, wenn nicht zu erwarten ist, dass die europäische Entscheidung den Rechtsstreit wesentlich beeinflusst.
Die Berufung ist nach § 522 Abs. 2 ZPO zurückzuweisen, wenn das Rechtsmittel offensichtlich keine Aussicht auf Erfolg hat, die Sache keine grundsätzliche Bedeutung besitzt, keine Fortbildung des Rechts zu erwarten ist und eine mündliche Verhandlung nicht geboten ist.
Eine nach erfolgtem Hinweis eingereichte Stellungnahme ändert die vorangegangene rechtliche Beurteilung nicht, wenn sie keine neuen entscheidungserheblichen Tatsachen oder tragfähigen rechtlichen Argumente vorträgt.
Vorinstanzen
OLG Nürnberg, Hinweisbeschluss, vom 2022-07-21, – 5 U 3935/21
LG Regensburg, Urt, vom 2021-09-29, – 71 O 1194/21
Leitsatz
Eine Aussetzung des Rechtsstreits ist auch im Hinblick auf die Schlussanträge des Generalanwalts Rantos (in der Rechtssache C-100/21) nicht veranlasst (zwischenzeitlich überholter Ansatz in Folge von stRspr BGH BeckRS 2023, 15117). (Rn. 7) (redaktioneller Leitsatz)
Ein Anspruch aus § 826 BGB ist nicht gegeben, wenn behauptete Abschalteinrichtungen in Gestalt eines Thermofensters sowie einer Kühlmittel-Solltemperatur-Regelung sich unter vergleichbaren Bedingungen im realen Straßenverkehr nicht anders als in der Prüfungssituation selbst verhalten (so der in Bezug genommene, vorausgegangene Hinweisbeschluss OLG Nürnberg BeckRS 2022, 58799). (Rn. 6) (redaktioneller Leitsatz)
Tenor
1. Die Berufung der Klagepartei gegen das Urteil des Landgerichts Regensburg vom 29.09.2021, Aktenzeichen 71 O 1194/21, wird zurückgewiesen.
2. Die Klagepartei hat die Kosten des Berufungsverfahrens zu tragen.
3. Das in Ziffer 1 genannte Urteil des Landgerichts Regensburg ist ohne Sicherheitsleistung vorläufig vollstreckbar. Die Klagepartei kann die Vollstreckung gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110% des vollstreckbaren Betrags abwenden, wenn nicht die Beklagte vor der Vollstreckung Sicherheit in Höhe von 110% des zu vollstreckenden Betrags leistet.
4. Der Streitwert für das Berufungsverfahren wird auf bis 22.000,- € festgesetzt.
Gründe
I.
Hinsichtlich der Darstellung des Sach- und Streitstandes wird auf den Tatbestand im angefochtenen Urteil des Landgerichts Regensburg vom 29.09.2021 sowie den vom Senat erteilten Hinweis vom 21.07.2022 Bezug genommen.
Die Klagepartei beantragt in der Berufungsinstanz:
I. Unter Abänderung des am 29.09.2021 verkündeten Urteils des LG Regensburg, Az.: 71 O 1194/21 die Beklagte zu verurteilen, Zug um Zug gegen Rückgabe und Übereignung des Fahrzeuges Mercedes Benz C220 CDI 4MATIC mit der Fahrgestellnummer … an die Klagepartei 24.164,54 Euro nebst Zinsen in Höhe von 5%-Punkten über dem Basiszinssatz seit 25.07.2019 abzüglich einer Nutzungsentschädigung in Höhe von 3.860,02 Euro zu zahlen.
II. Unter Abänderung des am 29.09.2021 verkündeten Urteils des LG Regensburg, Az.: 71 O 1194/21 die Beklagte zu verurteilen, den Kläger von den außergerichtlichen Rechtsanwaltskosten seines Rechtsanwaltes M. H. in Höhe von 1.613,16 Euro nebst Zinsen in Höhe von 5%-Punkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit freizustellen.
Die Beklagte beantragt,
die Berufung kostenpflichtig zurückzuweisen.
Der Senat hat am 21.07.2022 einen Hinweis gemäß § 522 Abs. 2 ZPO erteilt. Die Klagepartei hat mit Schriftsatz vom 05.09.2022 Stellung genommen und ausgeführt, dass der BGH offensichtlich nicht der Rechtsauffassung des Senats sei und gemäß Pressemitteilung vom 01.07.2022 den Gerichten die Aussetzung angedient habe. Dies gebiete auch das Gebot effektiven Rechtsschutzes.
II.
Die Berufung gegen das Urteil des Landgerichts Regensburg vom 29.09.2021, Aktenzeichen 71 O 1194/21, ist gemäß § 522 Abs. 2 ZPO zurückzuweisen, weil nach einstimmiger Auffassung des Senats das Rechtsmittel offensichtlich keine Aussicht auf Erfolg hat, der Rechtssache auch keine grundsätzliche Bedeutung zukommt, weder die Fortbildung des Rechts noch die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Berufungsgerichts erfordert und die Durchführung einer mündlichen Verhandlung über die Berufung nicht geboten ist.
Zur Begründung wird auf den vorausgegangenen Hinweis des Senats Bezug genommen.
Auch die Ausführungen in der Stellungnahme vom 05.09.2022 geben zu einer Änderung keinen Anlass. Der Senat hat sich mit den Schlussanträgen des Generalanwalts R… bereits ausführlich im vorangegangen Hinweis befasst und eine Aussetzung analog § 148 ZPO abgelehnt. Eine von diesen Ausführungen abweichende Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs existiert nicht.
III.
Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.
Die Feststellung zur vorläufigen Vollstreckbarkeit des angefochtenen Urteils erfolgte gemäß § 708 Nr. 10, §§ 709, 711 ZPO.
Der Streitwert für das Berufungsverfahren wurde in Anwendung der §§ 47, 48 GKG bestimmt.