Themis
Anmelden
Oberverwaltungsgericht NRW·7 A 2203/23·04.05.2025

Zulassung der Berufung abgelehnt: Vorzone und Einfriedungsverbot als Planungsgrundzüge

Öffentliches RechtBauplanungsrechtBauordnungsrechtVerworfen

KI-Zusammenfassung

Die Klägerin beantragt Zulassung der Berufung gegen die Abweisung ihrer Klage auf Erteilung einer Befreiung von Bebauungsvorschriften. Das OVG lehnt den Zulassungsantrag ab, weil die Klägerin keine ernstlichen Zweifel an der Richtigkeit des erstinstanzlichen Urteils darlegt. Das VG hat nachvollziehbar festgestellt, dass Vorzone und Einfriedungsverbot zu den Grundzügen der Planung gehören. Substantiierter Vortrag, der diese Feststellungen erschüttert, fehlt.

Ausgang: Antrag auf Zulassung der Berufung gegen die Abweisung der Klage wegen fehlender ernstlicher Zweifel an der erstinstanzlichen Entscheidung verworfen

Abstrakte Rechtssätze

1

Die Zulassung der Berufung nach § 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO erfordert das Vorliegen ernstlicher Zweifel an der Richtigkeit der erstinstanzlichen Entscheidung; bloße Behauptungen genügen nicht.

2

Gestalterische Festsetzungen eines Bebauungsplans (z. B. Vorzone, Verbot von Einfriedungen) können zu den Grundzügen der Planung i.S.v. § 31 Abs. 2 BauGB gehören und sind bei Befreiungsentscheidungen maßgeblich zu berücksichtigen.

3

Eine Befreiung nach § 31 Abs. 2 BauGB i.V.m. § 89 Abs. 2 Satz 2 BauO NRW kommt nicht in Betracht, wenn die beantragte Maßnahme die Grundzüge der Planung in erheblicher Weise berührt; rein optische oder betriebliche Erwägungen begründen dies nicht ohne weiteres.

4

Fehlt ein substantiiertes Zulassungsvorbringen, das die Feststellungen des Verwaltungsgerichts erschüttert, rechtfertigt dies die Versagung der Berufungszulassung.

Relevante Normen
§ 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO§ 31 Abs. 2 BauGB i.V.m. § 89 Abs. 2 Satz 2 BauO NRW§ 154 Abs. 2 VwGO§ 52 Abs. 1 GKG

Vorinstanzen

Verwaltungsgericht Köln, 23 K 3704/20

Tenor

Der Antrag auf Zulassung der Berufung wird abgelehnt.

Die Klägerin trägt die Kosten des Zulassungsverfahrens.

Der Streitwert wird auch für das Zulassungsverfahren auf 5.100,00 Euro festgesetzt.

Gründe

2

Der Zulassungsantrag hat keinen Erfolg.

3

Das Verwaltungsgericht hat die Klage abgewiesen und zur Begründung im Wesentlichen ausgeführt, die Klägerin habe weder einen Anspruch auf Erteilung der begehrten Befreiung noch auf eine entsprechende Neubescheidung, der Versagungsbescheid der Beklagten vom 10.6.2020 sei rechtmäßig und verletze sie nicht in ihren Rechten.

4

Das dagegen gerichtete Zulassungsvorbringen führt nicht zur Zulassung der Berufung.

5

Die Zulassungsbegründung weckt nicht die allein geltend gemachten ernstlichen Zweifel an der Richtigkeit der erstinstanzlichen Entscheidung im Sinne des § 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO.

6

Die Klägerin erschüttert mit ihren Ausführungen nicht die Feststellung des Verwaltungsgerichts, dass dem Vorhaben bereits die Grundzüge der Planung im Bebauungsplan Nr. 000, C.-O., Z. Park entgegenstehen.

7

Das Verwaltungsgericht hat insoweit unter Bezugnahme auf die Planbegründung (dort unter 8.1 und 8.2) nachvollziehbar ausgeführt, der Rat der Beklagten habe eine bewusste und für die Plankonzeption wesentliche Entscheidung zur Gestaltung des Übergangs zum Straßenraum vorgenommen, die alle im Plangebiet an einem Hauptstraßenzug gelegenen Grundstücke betreffe.

8

Die Klägerin macht in diesem Zusammenhang lediglich geltend, Sinn und Zweck der Ziffern 8.2 und 8.3 der textlichen Festsetzungen seien nur der Schutz optischer Belange, die räumliche Abgrenzung ihres Grundstücks durch einen aus verkehrs- und versicherungstechnischen Gründen erforderlichen, modernen, offenen Zaun trage der angestrebten gestalterischen Aufwertung des Gewerbegebiets Rechnung. Damit zeigt sie nicht auf, dass die Festsetzung einer sog. Vorzone und der Anforderungen an deren Gestaltung in Ziffer 8.2 der textlichen Festsetzungen und die Regelung in Ziffer 8.3 zum Verbot von Einfriedungen im Vorzonenbereich keine Grundzüge der Planung darstellen. Ebenso wenig ergibt sich daraus, dass diese Grundzüge hier nicht entsprechend § 31 Abs. 2 BauGB i. V. m. § 89 Abs. 2 Satz 2 BauO NRW durch die Einfriedung bzw. Gestaltung der Vorzone in erheblicher Weise berührt sind.

9

Da schon die vorgenannte Erwägung des Verwaltungsgerichts die Abweisung der Klage selbstständig trägt, kommt es auf die Einwände der Klägerin gegen die weitere Begründung des erstinstanzlichen Urteils nicht an. Dies gilt insbesondere für ihr Vorbringen, die Ablehnung der Befreiung führe zu einer vom Plangeber unbeabsichtigten Härte, sie sei auf die Einfriedung aufgrund der Art ihres Gewerbes dringend angewiesen, die Entscheidung der Beklagten sei unverhältnismäßig und behandele sie im Vergleich zu anderen Grundstücken in der Umgebung ungleich.

10

Die Kostentscheidung ergibt sich aus § 154 Abs. 2 VwGO.

11

Die Streitwertfestsetzung beruht auf § 52 Abs. 1 GKG.

12

Dieser Beschluss ist unanfechtbar.