Antrag auf Zulassung der Berufung gegen Heranziehung zu Kostenbeiträgen abgelehnt
KI-Zusammenfassung
Der Kläger beantragt die Zulassung der Berufung gegen ein Urteil, das ihn zur Zahlung von Kostenbeiträgen für die Heimerziehung seines Sohnes heranzieht. Zentral ist, ob ein nicht sorgeberechtigter Elternteil am jugendhilferechtlichen Verfahren und an Informationspflichten zu beteiligen ist. Das OVG lehnt die Zulassung ab: Nur der Personensorgeberechtigte ist Adressat der Hilfegewährung nach §§27, 34 SGB VIII; der nicht sorgeberechtigte Vater ist nicht beteiligungs- oder rechtsbetroffenheitsfähig. Eine grundsätzliche Rechtsfrage i.S.v. §124 Abs.2 Nr.3 VwGO liegt nicht vor.
Ausgang: Antrag auf Zulassung der Berufung abgelehnt; Zulassungsgründe (§124 VwGO) nicht erfüllt
Abstrakte Rechtssätze
Die Anspruchsberechtigung auf Hilfe zur Erziehung in Form der Heimerziehung nach § 27 i.V.m. § 34 SGB VIII richtet sich auf die personensorgeberechtigte Person; nur diese ist Adressat eines das Ob und Wie der Hilfegewährung begründenden Bescheids.
Ein nicht sorgeberechtigter Elternteil ist nicht nach § 92 Abs. 3 SGB VIII am Hilfeverfahren zu beteiligen und fehlt damit im allgemeinen Fall die für ein verwaltungsgerichtliches Rechtsmittelverfahren erforderliche Rechtsbetroffenheit i.S.v. § 42 Abs. 2 VwGO.
Beeinträchtigungen von elterlichen Rechten des nicht sorgeberechtigten Elternteils sind in erster Linie durch das Familiengericht im Wege sorgerechtlicher Entscheidungen zu klären; das Jugendamt ist nicht verpflichtet, dem nicht sorgeberechtigten Elternteil gegenständlich ein eigenes Teilhaberecht am jugendhilferechtlichen Verfahren einzuräumen.
Die Zulassung der Berufung nach § 124 VwGO ist zu versagen, wenn das Zulassungsvorbringen keine ernstlichen Zweifel an der Richtigkeit des erstinstanzlichen Urteils begründet und die Angelegenheit keine grundsätzliche Bedeutung i.S.d. § 124 Abs. 2 Nr. 3 VwGO hat.
Zitiert von (4)
4 zustimmend
Vorinstanzen
Verwaltungsgericht Düsseldorf, 19 K 4870/08
Tenor
Der Antrag auf Zulassung der Berufung wird abgelehnt.
Der Kläger trägt die Kosten des Zulassungsverfahrens, für das Gerichtskosten nicht erhoben werden.
Gründe
Der Antrag auf Zulassung der Berufung ist unbegründet.
Das Zulassungsvorbringen führt nicht zu ernstlichen Zweifeln an der Richtigkeit des erstinstanzlichen Urteils i. S. d. § 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO. Es vermag die das Urteil entscheidend mittragende, konkludente Erwägung des Verwaltungsgerichts, der Kläger sei durch das – die Kostenbeitragspflicht für die vollstationäre Unterbringung seines Sohnes E. betreffende – Mitteilungsschreiben des Beklagten vom 22. März 2007 - den Anforderungen des § 92 Abs. 3 SGB VIII entsprechend – für eine Heranziehung zu Kostenbeiträgen ab April 2007 ausreichend am jugendhilferechtlichen Verfahren beteiligt worden, nicht in Frage zu stellen.
Die Annahme des Klägers, seine Inanspruchnahme als Beitragsschuldner setze zusätzlich voraus, dass er bei Aufnahme der Hilfe so umfassend über die Maßnahme informiert werde, dass er ihre Notwendigkeit und Rechtmäßigkeit beurteilen und ggf. Rechtsmittel einlegen könne, findet im Gesetz keine Grundlage. Anspruchsberechtigter für die Hilfe zur Erziehung in Form der Heimerziehung nach § 27 i. V. m. § 34 SGB VIII war der zur Erziehung berechtigte Personensorgeberechtigte, hier also allein und ausschließlich die geschiedene Ehefrau des Klägers. Nur an diese war daher ein das "Ob" und "Wie" der Hilfegewährung begründender Bescheid zu richten. Durch die Hilfegewährung werden rechtlich geschützte Interessen des nicht sorgeberechtigten Elternteils hingegen nicht unmittelbar betroffen mit der Folge, dass dieser auch weder nach § 12 Abs. 2 SGB X am Hilfeverfahren zu beteiligen ist, noch im Rechtsmittelverfahren eine Rechtsbetroffenheit i. S. v. § 42 Abs. 2 VwGO geltend machen kann. Bezeichnenderweise betrifft die Beratung und Mitwirkung bei der Aufstellung des Hilfeplans nach § 36 SGB VIII nicht die Eltern schlechthin, sondern den Personensorgeberechtigten.
Soweit der nicht sorgeberechtigte Vater durch die Handhabung der Erziehung seitens der Kindesmutter – namentlich etwa aufgrund deren Inanspruchnahme von Hilfe zur Erziehung oder wegen der Verweigerung des Umgangs zwischen Vater und Sohn – das Wohl des Kindes gefährdet bzw. seine verbleibenden Elternrechte aus Art. 6 Abs. 2 GG i. V. m. §§ 1626 ff. BGB beeinträchtigt sieht, muss Ersterer danach zur Abhilfe zunächst eine Sorgerechtsentscheidung des Familiengerichts herbeiführen und kann nicht schon unmittelbar selbst z. B. in das jugendhilferechtliche Verfahren zwischen seiner geschiedenen Ehefrau und dem Jugendamt gestaltend eingreifen. Auch eine mangelnde Information darüber, wie die Erziehung des gemeinsamen Kindes durch die sorgeberechtigte Mutter erfolgt – welcher Hilfen sie sich z. B. bedient –, spielt sich im sorgerechtlichen Bereich zwischen dem erziehungsberechtigten und dem nicht erziehungsberechtigten Elternteil ab und verletzt nicht etwa ein Pflichtenverhältnis des Jugendhilfeträgers, das gegenüber dem von der Erziehung ausgeschlossenen Vater zustande gekommen ist. Wenn der Kläger sich in der Vergangenheit unzureichend zum Erfordernis und zu den einzelnen Umständen der Unterbringung seines Sohnes informiert gefühlt hat, kann er das deshalb hier nicht im Rahmen der Heranziehung zu den Kostenbeiträgen gegenüber dem Beklagten geltend machen.
Für eine Rechtswidrigkeit der Unterbringungsmaßnahme wegen mangelnder Information des Klägers fehlt es vor diesem Hintergrund an jeglicher Grundlage. Ob die ihm seinerzeit zuteil gewordene – angeblich nur oberflächliche – Unterrichtung hinreichend substantiiert und nachvollziehbar war, spielt daher keine Rolle. Ebenso wenig kommt es für die für die Kostenbeitragspflicht allein entscheidende objektive Rechtmäßigkeit der in Rechnung gestellten Jugendhilfemaßnahme darauf an, ob der Kläger den vom Beklagten insoweit angebotenen Zeugenbeweis als ausreichend, ordnungsgemäß bzw. zulässig betrachtet. Das Verwaltungsgericht hat seine Überzeugung von der Rechtmäßigkeit der Heimerziehung im vorliegenden Verfahren nicht auf derartige Zeugenaussagen gestützt.
Nach alledem kann die Berufung auch nicht nach § 124 Abs. 2 Nr. 3 VwGO wegen einer grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache zugelassen werden. Die vom Kläger sinngemäß aufgeworfene Frage, in welchem Umfang die für einen Kostenbeitrag in Anspruch genommenen Elternteile über die jeweilige Jugendhilfemaßnahmen von den veranlassenden Jugendhilfeträgern informiert werden müssen, beantwortet sich – mit Blick auf § 92 Abs. 3 Satz 1 SGB VIII unter gleichzeitiger Berücksichtigung der nach Maßgabe der Anspruchsnormen entstehenden Rechtsverhältnisse – unschwer kraft Gesetzes und ist zudem von vornherein auch keiner generalisierenden Beantwortung zugänglich, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalles – etwa der Sorgerechtsverteilung – ab.
Die Kostenentscheidung folgt aus §§ 154 Abs. 2, 188 Satz 2 Halbsatz 1 VwGO.
Dieser Beschluss ist gem. § 152 Abs. 1 VwGO unanfechtbar. Das Urteil des Verwaltungsgerichts ist nunmehr rechtskräftig (§124a Abs. 5 Satz 4 VwGO).