Beschwerde erfolgreich: Erteilung einer Amtsannahmebestätigung für Nacherbentestamentsvollstrecker
KI-Zusammenfassung
Der Beteiligte erklärte die Annahme des Amtes als Nacherbentestamentsvollstrecker und beantragte deren Bestätigung; das Nachlassgericht lehnte ab mit Verweis auf die Frage des Eintritts der Nacherbfolge. Das OLG Köln hob den Beschluss auf und wies das Amtsgericht an, die Amtsannahmebescheinigung zu erteilen. Die Bescheinigung bestätigt nur die Tatsächlichkeit der Annahmeerklärung (§2202 BGB) und erfordert keine sachliche Prüfung der Voraussetzungen des Vollstreckeramtes.
Ausgang: Beschwerde des Beteiligten gegen die Zurückweisung seines Antrags auf Bestätigung der Amtsannahme stattgegeben; Amtsgericht anzuweisen, die Amtsannahmebestätigung zu erteilen.
Abstrakte Rechtssätze
Die Amtsannahmebescheinigung ist als Eingangsbestätigung über die Annahmeerklärung im Sinne des §2202 BGB zu verstehen und erfordert keine inhaltliche/sachliche Prüfung der Voraussetzungen des Testamentsvollstreckeramtes.
Bei der Entscheidung über die Erteilung der Amtsannahmebescheinigung ist nicht zu prüfen, ob und wann die angeordnete Testamentsvollstreckung (insbesondere Nacherbentestamentsvollstreckung) beginnt; maßgeblich sind nur der Wille des Antragstellers und persönliche Unwirksamkeitsgründe.
Nur in der Person des Antragstellers liegende, dem Nachlassgericht bekannte Umstände, die die Wirksamkeit der Annahmeerklärung ausschließen (z.B. Geschäftsunfähigkeit), können der Erteilung der Amtsannahmebescheinigung entgegenstehen.
Die gesetzliche Regelung und Gebührenstruktur (Festgebühr nach Nr.12413 KV GNotKG) sprechen gegen eine wert- oder voraussetzungsabhängige Prüfung analog zum Testamentsvollstreckerzeugnis bei der Erteilung der Amtsannahmebescheinigung.
Zitiert von (1)
1 zustimmend
Tenor
Auf die Beschwerde des Beteiligten zu 3. vom 17.03.2023
wird der Beschluss der Rechtspflegerin des Amtsgerichts
Köln vom 09.03.2023 - 35 VI 432/22, versehentlich mit 35
IV 250/22 bezeichnet – aufgehoben.
Das Amtsgericht wird angewiesen, dem Beteiligten zu 3. zu
bescheinigen, dass er das Amt des Nacherbentestaments-
vollstreckers durch schriftliche Erklärung vom 14.07.2022
angenommen hat.
Gründe
1. Der Erblasser setzte in seinem Testament vom 11.03.2022 seine Ehefrau zur
Vorerbin sowie sein noch ungeborenes Kind zum Nacherben ein, ordnete ein
Geldvermächtnis zu Gunsten des Kindes an und führte u.a. aus:
„Über dieses Vermächtnis ordne ich bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres
Testamentsvollstreckung an. Als Testamentsvollstreckerin berufe ich meine
Ehefrau. Als Ersatztestamentsvollstrecker berufe ich Rechtsanwalt D. W. H.,
L.-straße N01, XXXXX U.. Sollte mein Kind auch zum Zeitpunkt des Nacherbfalles
das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, so ordne ich die Testamentsvollstreckung
an. Gleichzeitig ordne ich die Nacherbentestamentsvollstreckung an. Als
Testamentsvollstrecker berufe ich ebenfalls Rechtsanwalt H.“
Mit Schriftsatz vom 14.07.2022, eingegangen bei dem Amtsgericht Köln am
14.07.2022, hat der Beteiligte zu 3. erklärt, er erkläre die Annahme des Amtes
als Nacherbentestamentsvollstrecker auf den Zeitpunkt der Geburt des Kindes.
Mit Schriftsatz vom 21.10.2022 hat er beantragt, ihm die Annahme des Amtes
zu bestätigen.
Mit Beschluss vom 09.03.2023 hat die Nachlassrechtspflegerin den Antrag zu-
rückgewiesen und zur Begründung im Wesentlichen ausgeführt, mangels einer
Angabe im Testament, mit welchem Ereignis die Nacherbfolge eintrete, sei ge-
mäß § 2106 Abs. 1 BGB auf den Tod der Vorerbin abzustellen. Dem Testament
sei nicht zu entnehmen, dass gewollt gewesen sei, dass der Testamentsvoll-
strecker die Nacherbenrechte bis zum Eintritt der Nacherbfolge ausüben solle.
Gegen den ihm am 15.03.2023 zugestellten Beschluss wendet sich der Betei-
ligten zu 3. mit seiner Beschwerde, die mit einem am 20.03.2023 bei dem
Amtsgericht Köln eingegangenen Schriftsatz vom 17.03.2023 eingelegt und
begründet worden ist. Mit Beschluss vom 06.04.2023 hat die Rechtspflegerin
des Nachlassgerichts der Beschwerde nicht abgeholfen und die Sache zur Ent-
scheidung dem Oberlandesgericht vorgelegt.
2. Die zulässige Beschwerde ist begründet. Denn dem Antragsteller ist vom
Nachlassgericht eine Amtsannahmebestätigung zu erteilen.
Auf die vom Nachlassgericht aufgeworfene Frage, ob nach dem Willen des Erb-
lassers bereits derzeit eine Nacherbentestamentsvollstreckung eingreifen soll,
kommt es für die Erteilung der Amtsannahmebescheinigung nicht an, da sie
ohne sachliche Prüfung als Bestätigung des tatsächlichen Vorganges der An-
nahmeerklärung gegenüber dem Nachlassgericht ausgestellt wird (Staudin-
ger/Herzog, BGB, Neubearbeitung 2023, § 2368 Rn. 11 m.w.N.). Bei der Amts-
annahmebestätigung handelt es sich um eine reine Eingangsbestätigung oder
Niederschrift über die Annahmeerklärung (OLG Braunschweig, Beschluss vom
12.02.2019 – 1 W 19/17 – juris Tz. 14).
Für das Verfahren der Amtsannahmebescheinigung ist seit dem 01.01.2022
eine Festgebühr nach Nr. 12413 KV zum GNotKG vorgesehen. Auch aus der
Gesetzesbegründung zu dieser Neuregelung ergibt sich nicht, dass der Ertei-
lung der Amtsannahmebescheinigung eine sachliche Prüfung (wie bei einem
Testamentsvollstreckerzeugnis) vorauszugehen hätte; zudem wird dort auf das
Abstandsgebot in Bezug auf die wertabhängige Gebühr für ein Testaments-
vollstreckerzeugnis verwiesen (BTDrucksache 19/23484, S. 60). Überdies ist in
der Gesetzesbegründung ausgeführt, dass für manche Geschäfte der Testa-
mentsvollstreckerin oder des Testamentsvollstreckers die Vorlage eines öffent-
lichen Testaments und der Eröffnungsniederschrift sowie ein Nachweis der
Amtsannahme ausreichen; der zusätzlichen Vorlage der letztwilligen Verfügung
bedürfte es aber nicht, wenn – wie dies bei einem Testamentsvollstreckerzeug-
nis der Fall wäre - eine Prüfung der sich aus dieser ergebenden Voraussetzun-
gen des Testamentsvollstreckeramtes bereits Gegenstand des Verfahrens zur
Erteilung des Amtsannahmenachweises durch das Nachlassgericht gewesen
wäre. Die Amtsannahmebescheinigung beschränkt sich auf die Annahmeerklä-
rung im Sinne des § 2202 BGB und verlautbart, anders als dies bei einem Tes-
tamentsvollstreckerzeugnis der Fall wäre, nicht auch, dass die vom Erblasser
angeordneten Voraussetzungen für den Beginn der betreffenden Testaments-
vollstreckung – bereits - erfüllt sind. Der Erteilung der Amtsannahmebestätigung
können nur in der Person des Antragstellers liegende Umstände entgegenste-
hen, die eine Unwirksamkeit der Annahmeerklärung begründen, wie etwa eine
dem Nachlassgericht bekannte Geschäftsunfähigkeit. Ob dem vorliegenden
Testament die Anordnung einer Nacherbenvollstreckung bis zum Eintritt der
Nacherbfolge gemäß § 2222 BGB zu entnehmen ist, bedarf im Rahmen der
Erteilung der Amtsannahmebescheinigung keiner Prüfung.
Eine Kostenentscheidung im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist nicht ver-
anlasst.
Die Rechtsbeschwerde ist nicht zuzulassen, weil die Voraussetzungen des § 70
Abs. 2 FamFG nicht vorliegen.