Bewilligung pauschaler Mehrvergütung für Pflichtverteidiger bei Dolmetscherersparnis
KI-Zusammenfassung
Die Pflichtverteidigerin begehrt nach § 51 RVG eine über die Regelgebühren hinausgehende Pauschvergütung wegen erhöhten Aufwands. Das OLG Köln bewilligt die Pauschvergütung in Höhe der Regelgebühren zuzüglich 500 EUR, da zahlreiche JVA-Besuche und überdurchschnittlicher Aufwand vorliegen. Bei der Bemessung ist die Ersparnis von Dolmetscherkosten wegen eigener Sprachkenntnisse zu berücksichtigen.
Ausgang: Antrag auf Gewährung einer über die Regelgebühren hinausgehenden Pauschvergütung in Höhe der Regelgebühren zuzüglich 500 EUR stattgegeben
Abstrakte Rechtssätze
Eine Pauschvergütung nach § 51 RVG kann über die gesetzlichen Regelgebühren hinaus gewährt werden, wenn der Verteidigungsaufwand überdurchschnittlich ist.
Bei der Bemessung einer Pauschvergütung ist eine ersparte Dolmetschervergütung zu berücksichtigen, wenn der Verteidiger eigene Sprachkenntnisse einsetzt und dadurch ein Dolmetscher nicht erforderlich wird.
Zur Quantifizierung der Dolmetscherersparnis ist auf § 9 Abs. 3 Satz 1 JVEG (55 EUR/Stunde) abzustellen; bei der Anrechnung ist jedoch ein deutlicher Abschlag vorzunehmen.
Die ersparte Dolmetschervergütung wirkt doppelt: Sie mindert die staatlichen Auslagen, erhöht zugleich aber den Aufwand des Verteidigers und ist damit bei der Vergütungsbemessung angemessen zu würdigen.
Leitsatz
Erspart der Verteidiger eines ausländischen Angeklagten durch den Einsatz eigener Sprachkenntnisse Kosten für Dolmetscher, ist dies bei der Frage, ob und in welcher Höhe eine Pauschvergütung zu bewilligen ist, zu berücksichtigen.
Tenor
Der Pflichtverteidigerin wird eine Pauschvergütung in Höhe des Betrages der Regelgebühren zuzüglich 500,00 EUR (in Worten: fünfhundert Euro) bewilligt.
Gründe
Der Antrag vom 17.01.2006 auf Bewilligung einer über die gesetzlichen Gebühren hinausgehenden Pauschvergütung (§ 51 RVG) ist in dem aus dem Tenor ersichtlichen Umfang begründet. Die Umstände rechtfertigen insgesamt die Bewilligung einer Pauschvergütung, welche die Regelgebühren um den zugebilligten Betrag übersteigt, denn die Verteidigung war für die Antragstellerin mit einem überdurchschnittlichen zeitlichen Aufwand verbunden, der durch die gesetzlichen Gebühren nicht angemessen vergütet wird. Dieser ergibt sich daraus, dass die Antragstellerin den früheren Angeklagten, der aus Frankreich nach Deutschland eingeliefert worden war, insgesamt zehnmal in der Justizvollzugsanstalt Köln aufgesucht hat. Dabei konnte sie sich aufgrund ihrer Sprachkenntnisse ohne Hinzuziehung eines Dolmetschers mit ihrem Mandanten verständigen.
Es entspricht ständiger Rechtsprechung des Senats zu § 99 BRAGO, dass die Ersparnis von Dolmetscherkosten durch den Einsatz eigener Sprachkenntnis bei der Bemessung einer Pauschvergütung, die hier schon wegen der Vielzahl der Besuche in der Justizvollzugsanstalt geboten ist, berücksichtigt werden muss (vgl. z. B. Beschlüsse vom 18.11.2003 - 2 ARs 276/03 - und 15.10.2004 - 2 ARs 240/04 -). Hieran hält der Senat auch für das nunmehr geltende Recht fest, denn hierdurch werden dem Staat die Kosten für den Dolmetscher erspart. Zugleich erhöht sich dadurch der Aufwand für den Verteidiger gegenüber einem Fall, in dem die Verständigung in deutscher Sprache erfolgen kann.
Für die Bemessung der Ersparnis ist auf § 9 Abs. 3 S. 1 JVEG abzustellen, wonach das Honorar des Dolmetschers 55 EUR/Stunde beträgt. Von diesem Betrag ist für die Bemessung der Pauschvergütung jedoch ein deutlicher Abschlag vorzunehmen. Der Verzicht auf einen Dolmetscher erhöht zwar einerseits den Aufwand des Verteidigers, erspart diesem zugleich Zeitaufwand, der durch die Übersetzung eingetreten wäre.