Beschwerde gegen vorläufige Streitwertfestsetzung: §41 Abs.2 GKG nicht anwendbar
KI-Zusammenfassung
Der Prozessbevollmächtigte der Beklagten richtete sich gegen die vorläufige Streitwertfestsetzung des Landgerichts. Das OLG Hamm verwarf die Beschwerde als unzulässig mangels Rechtsschutzbedürfnis, weil noch keine endgültige Festsetzung vorliegt. In der Sache stellte das Gericht fest, dass §41 Abs.2 GKG auf eine Übergangsnutzung zwischen Veräußerer und Erwerber nicht anwendbar ist und der Streitwert nach §§3,6 ZPO anhand des Verkehrswerts zu bemessen ist.
Ausgang: Beschwerde gegen vorläufige Streitwertfestsetzung als unzulässig mangels Rechtsschutzbedürfnis verworfen
Abstrakte Rechtssätze
§ 41 Abs. 2 GKG ist nur auf echte Miet-, Pacht- oder ähnliche Nutzungsverhältnisse anwendbar und nicht auf solche Nutzungen, die zwischen Veräußerer und Erwerber eines Grundstücks für die Übergangszeit bestehen.
Bei Übergangsnutzungsverhältnissen zwischen Verkäufer und Käufer ist der Streitwert nicht nach §41 GKG zu ermäßigen; maßgeblich sind §§ 3, 6 ZPO und insb. der Verkehrswert der herausverlangten Sache.
Auf die qualitativen Unterschiede typischer Vermieter-Mieter-Beziehungen kommt es bei der Anwendung von §41 GKG an; Zahlungen, die als Darlehensraten zur Anrechnung auf den Kaufpreis ausgewiesen sind, begründen keine Nutzungsentschädigung i.S.d. §41 GKG.
Eine Beschwerde gegen eine vorläufige Streitwertfestsetzung nach §33 RVG fehlt an einem Rechtsschutzbedürfnis, solange keine endgültige Streitwertfestsetzung durch das Gericht getroffen ist; eine Nichtabhilfe ändert daran nichts.
Vorinstanzen
Landgericht Essen, 12 O 89/11
Leitsatz
Die Anwendung des § 41 Abs. 2 GKG ist bei einem Nutzungsverhältnis, welches zwischen dem Veräußerer und Erwerber eines Hausgrundstückes für die Übergangszeit besteht, zu verneinen.
Tenor
Die Beschwerde des Prozessbevollmächtigten der Beklagten vom 02.05.2011 gegen die vorläufige Streitwertfestsetzung der 12. Zivilkammer des Landgerichts Essen im Beschluss vom 19.04.2011 wird als unzulässig ver-worfen.
Gründe
1.
Die Beschwerde ist unzulässig.
Ihr fehlt das Rechtschutzbedürfnis.
Zwar könnte die Beschwerde grundsätzlich gemäß § 33 Abs. 3 RVG zulässig sein, wobei davon ausgegangen wird, dass sie vom Prozessbevollmächtigten der Beklagten eingelegt worden ist. Gleichwohl fehlt ihr die Beschwer, da eine endgültige Streitwertfestsetzung durch das Landgericht noch nicht erfolgt ist.
Diese ergibt sich auch nicht aus dem Nichtabhilfe-Beschluss vom 18.05.2011.
2.
Bei der endgültigen Festsetzung des Streitwertes hat das Landgericht jedoch Folgendes zu berücksichtigen:
§ 41 GKG trägt in erster Linie sozialen Erwägungen Rechnung. Der Streit über das Bestehen, die Dauer oder Beendigung eines Miet-, Pacht oder ähnlichem Nutzungsverhältnisses soll verbilligt werden, weswegen § 41 GKG dem § 8 ZPO als Spezialvorschrift nur für die Wertfestsetzung zur Gebührenberechnung vorgeht. Deshalb findet die Notwendigkeit diese Vorschrift weit auszulegen ihre Grenze dort, wo es an der Unterschiedlichkeit im Grad der Berechtigung fehlt, die für das Verhältnis von Vermieter und Mieter typisch ist. So ist die Anwendung des § 41 Abs. 2 GKG bei solchen Nutzungsverhältnissen zu verneinen, die – wie hier - zwischen dem Veräußerer und Erwerber eines Hausgrundstückes für die Übergangszeit besteht (vgl. OLG Frankfurt AnwBl 1984, 203 und Hartmann, Kostengesetze, 40. Aufl. 2010, § 41 GKG Rdnr. 9 ).
Darum ist es auch im vorliegenden Fall gegangen. Es ist um die Herausgabe eines verkauften Hausgrundstückes gestritten worden, was die Käuferin und Beklagte bereits vor Eigentumsübergang nutzen durfte. Der Herausgabeanspruch ist – wenn auch nicht ausdrücklich genannt - auf Eigentum bzw. §§ 985 BGB, 152 ZVG gestützt worden und nicht auf die Beendigung eines mietähnlichen Verhältnisses gemäß §§ 542, 546 BGB analog. Denn dazu hätte der Kläger wohl den Rücktritt vom notariellen Vertrag vom 19.10.2007 insgesamt erklären müssen. Dies ist nicht der Fall gewesen. Beide Parteien haben den Bestand des Grundstückskaufvertrags bislang unangetastet gelassen.
Ihr Recht zum Besitz soll sich - so der Einwand der Beklagten - aus § 7 Abs. 1 und 5 des Grundstückskaufvertrags ergeben. Diese Bestimmung gibt dem Vertrag vom 19.10.2007 zwar einen etwas ungewöhnlichen Charakter. Gleichwohl dürfte in dieser Regelung kein Miet-, Pacht- oder ähnliches Nutzungsverhältnis im Sinne von §§ 16 GKG a.F., 41 GKG n.F. gesehen werden. Insbesondere stellen die von der Beklagten gemäss § 4 des Kaufvertrages monatlich zu zahlenden 1.000,00 € keine Art Nutzungsentschädigung, sondern ausweislich ihrer Berechnung vielmehr eine Darlehensrate auf den vom Käufer bis zum 01.11.2012 kreditierten Kaufpreis dar.
Nach allem ist § 41 Abs. 2 GKG hier nicht anwendbar. Vielmehr ist der Streitwert gemäß §§ 3,6 ZPO zu bestimmen, wobei der Verkehrswert des heraus verlangten Hausgrundstücks maßgebend ist.
3.
Eine Kostenentscheidung ist wegen § 33 Abs. 9 RVG nicht veranlasst.