Rechtsbeschwerde: Fahrverbot bei Teilnahme an nicht genehmigtem Kfz-Rennen aufgehoben
KI-Zusammenfassung
Der Betroffene legte Rechtsbeschwerde gegen Urteil des AG wegen Teilnahme an einem nicht genehmigten Kraftfahrzeugrennen ein. Das OLG bestätigt den Schuldspruch und die Geldbuße von 150 €, beanstandet jedoch die Begründung für ein einmonatiges Fahrverbot. Mangels tragfähiger Feststellungen zur Tatfolgenschwere und unzureichender Begründung fällt das Fahrverbot weg; die Kostenentscheidung wird dem Teilerfolg angepasst.
Ausgang: Schuldspruch und Geldbuße bestätigt, Fahrverbot wegen Begründungsmängeln aufgehoben; Kostenentscheidung angepasst
Abstrakte Rechtssätze
Der Tatrichter darf verwaltungsinterne Richtlinien des Tatbestandskataloges als Ausgangspunkt der Bußgeldbemessung heranziehen, sofern die Zumessungserwägungen nachvollziehbar und überprüfbar sind.
Die Anordnung eines Fahrverbots setzt eine eigene, tragfähige Urteilsbegründung voraus; eine bloße Wiedergabe gesetzlicher Tatbestandsmerkmale oder ein Verweis auf die Bußgeldkatalogverordnung reicht nicht aus, wenn das Fahrverbot dort nicht als Regelfolge vorgesehen ist.
Fehlen konkrete Feststellungen zur Schwere des Verstoßes, zur Gefährdungslage oder zu vorwerfbaren Verkehrsverstößen des Betroffenen, so sprechen diese Begründungsmängel gegen die Verhängung eines Fahrverbots.
Bei teilweisem Erfolg des Rechtsmittels ist die Kosten- und Gebührenentscheidung entsprechend anzupassen; die Gebühr kann ermäßigt und notwendige Auslagen erstattet werden.
Vorinstanzen
Amtsgericht Paderborn, 21 b OWi 422 Js 593/07 – 177/07
Tenor
Die Rechtsbeschwerde wird als mit der Maßgabe als unbegründet verworfen, dass das Fahrverbot entfällt.
Die Gebühr für das Rechtsbeschwerdeverfahren wird um die Hälfte ermäßigt. In diesem Umfang hat die Staatskasse die dem Betroffenen im Rechtsseschwerdeverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu erstatten.
Gründe
I.
Das Amtsgericht hat den Betroffenen wegen der Teilnahme an einem nicht genehmigten KFZ-Rennen zu einer Geldbuße von 150 € verurteilt und zugleich ein Fahrverbot von einem Monat festgesetzt. Hiergegen richtet sich die auf die Verletzung formellen und materiellen Rechts gestützte Rechtsbeschwerde des Betroffenen. Die Generalstaatsanwaltschaft beantragt wie erkannt.
II.
Soweit das Rechtsmittel sich gegen den Schuldspruch richtet, wird die Rechts-
beschwerde als unbegründet i.S.v. §§ 79 Abs. 3 OWiG, 349 Abs. 2 StPO verworfen.
III.
Der Rechtsfolgenausspruch lässt Rechtsfehler erkennen, die zum Teilerfolg des Rechtsmittels führen.
Die Generalstaatsanwaltschaft hat hierzu Folgendes ausgeführt:
"Auch gegen die Höhe der festgesetzten Geldbuße ist im Ergebnis nichts zu erinnern. Zwar hat sich der Tatrichter insofern missverständlich ausgedrückt, als er als Ausgangspunkt für seine Bußgeldbemessung den "Bußgeldkatalog" gesehen und die 150,00 EUR als "Regelgeldbuße" bezeichnet. Das Amtsgericht hat damit den Eindruck vermittelt, dass es fehlerhaft davon ausgegangen ist, dass die Bußgeldkatalogverordnung für die hier in Rede stehende Ordnungswidrigkeit eine Regelfolge vorsieht.
Dennoch kann die Höhe der festgesetzten Geldbuße Bestand haben. Der Tatrichter durfte in zulässiger Weise die verwaltungsinterne Richtlinie für die Bußgeldbemessung des Tatbestandskataloges NW für Straßenverkehrsordnungswidrigkeiten als Ausgangspunkt nehmen. Die in dem angefochtenen Urteil vorhandenen Zumessungserwägungen sind ausreichend, auf dieser Grundlage die dort vorgesehene "Regelbuße" für das Rechtsbeschwerdegericht überprüfbar für angemessen zu erachten.
Allerdings kann die Anordnung des einmonatigen Fahrverbotes keinen Bestand haben. Die dahingehende Urteilsbegründung erschöpft sich im Wesentlichen in einer Wiedergabe des § 25 Abs. 1 Satz 1 StVG. Mit der anschließenden Formulierung, wonach die Teilnahme an einem nicht genehmigten Kraftfahrzeugrennen einen Verstoß gemäß § 24 Abs. 1 Satz 1 darstelle und es daher der Verhängung eines Fahrverbots bedürfe, liegen die Urteilsbegründungen fehlerhaft nahe, dass es sich hierbei um ein nach der Bußgeldkatalogverordnung nicht vorgesehenes Regelfahrverbot handelt. Dies wird durch die nachfolgenden Urteilsausführungen zu dem (Nicht-)Vorliegen einer Härte für den Betroffenen gestützt.
Aufgrund dieser Begründungsmängel kann die Verhängung der Nebenfolge keinen Bestand haben. Aufgrund der getroffenen Urteilsfeststellungen liegt die Verhängung eines Fahrverbots auch nicht nahe. Der Betroffene ist bisher verkehrsrechtlich nicht in Erscheinung getreten. Der Vorfall liegt etwa 15 Monate zurück. Zu seinen Gunsten ist von einem spontanen Tatentschluss auszugehen. Eine erhebliche Überhöhung der Geschwindigkeit und/oder eine (abstrakte) Gefährdung aufgrund hohen Verkehrsaufkommens ergeben die Urteilsfeststellungen nicht. Aufgrund der in dem Urteil dargelegten Erinnerungslücken der den Vorfall seinerzeit beobachtenden Polizeibeamten ist auch auszuschließen, dass es bei einer erneuten Beweisaufnahme zu dahingehenden weiterführenden Erkenntnissen kommen wird."
Diesen zutreffenden Ausführungen schließt der Senat sich an.
Die Kostenentscheidung trägt dem Teilerfolg des Rechtsmittels Rechnung