Beschwerde zurückgewiesen: Vergleichskosten durch konkludente Kostenvereinbarung erfasst
KI-Zusammenfassung
Die Beschwerde gegen die Kostenentscheidung (Gegenstandswert 308,00 DM) wurde zurückgewiesen. Streitpunkt war, ob die Kosten eines Vergleichs von der im Vergleich vereinbarten Regelung "von den Kosten des Rechtsstreits" (30%/70%) erfasst werden. Das OLG sieht eine konkludente Parteivereinbarung als gegeben an, da die Parteien einen abschließenden Vergleich mit Gebührenermäßigung anstrebten. Die Kostenentscheidung stützt sich auf §97 Abs.1 ZPO.
Ausgang: Beschwerde gegen die Kostenentscheidung abgewiesen; Vergleichskosten als durch konkludente Kostenvereinbarung der Parteien erfasst
Abstrakte Rechtssätze
Eine konkludente Parteivereinbarung über "die Kosten des Rechtsstreits" umfasst auch die Kosten eines Vergleichs, wenn sich aus den Umständen eindeutig ergibt, dass die Parteien eine abschließende Kostenregelung treffen wollten.
Fehlt eine ausdrückliche Regelung der Vergleichskosten, ist nicht ohne Weiteres die gesetzliche Kostenregelung des § 98 Satz 2 ZPO anzuwenden; einer konkludenten Vereinbarung kommt Vorrang zu, wenn die Umstände sie nahelegen.
Die Kostenentscheidung über den Rechtsstreit richtet sich nach § 97 Abs. 1 ZPO; der für ein Rechtsmittel zugrundezulegende Gegenstandswert bemisst sich nach dem jeweiligen Begehr.
Das gemeinsame wirtschaftliche Interesse der Parteien an einem endgültigen Vergleich und an der dadurch möglichen Gebührenermäßigung spricht für die einheitliche Behandlung aller Verfahrenskosten.
Zitiert von (1)
1 zustimmend
Vorinstanzen
Landgericht Bielefeld, 3 O 80/00
Tenor
Die Beschwerde wird nach einem Gegenstandswert von 308,00 DM kostenpflichtig zurückgewiesen.
Gründe
Zutreffend ist die Rechtspflegerin davon ausgegangen, daß die Vergleichskosten der Parteien unter die vereinbarte Kostenregelung in dem Vergleich vom 12. Januar 2001 fallen, wonach "von den Kosten des Rechtsstreits" die Klägerin 30 % und die Beklagte 70 % tragen.
Zwar ist der Beschwerde zuzugeben, daß die Parteien eine ausdrückliche Regelung über die Kosten des abgeschlossenen Vergleichs nicht getroffen haben. Das führt aber nicht ohne weiteres zur Anwendung der gesetzlichen Kostenregelung des § 98 S. 2 ZPO, da auch eine konkludente Parteivereinbarung Vorrang hat. Diese ergibt sich hier zweifelsfrei aus den Umständen.
Die Parteien hatten ersichtlich die Vorstellung, daß der Rechtsstreit durch den Vergleich vollständig und endgültig erledigt werden sollte. Daran hatten sie auch ein wirtschaftliches Interesse, da nur unter dieser Voraussetzung eine Ermäßigung der gerichtlichen Verfahrensgebühr nach Nr. 1202 c KV (Anlage 1 zu § 11 GKG) von 1.065,00 DM auf 355,00 DM erfolgen konnte. Deshalb erscheint es ausgeschlossen, daß sie die Regelung der Vergleichskosten bewußt offengelassen haben könnten, weil dann eine abschließende Kostenentscheidung des Gerichts nach § 308 Abs. 2 ZPO in Betracht gekommen wäre. Mithin spricht alles dafür, daß sie eine abschließende Kostenregelung treffen wollten.
Wenn die Parteien in dieser Situation die Vorstellung gehabt haben sollten, für die Vergleichskosten müsse eine andere Kostenregelung getroffen werden als für die sonstigen Kosten des Rechtsstreits, würde es nahegelegen haben, das ausdrücklich festzuhalten. Jedoch ist offenbar von keiner Seite eine Sonderregelung der Vergleichskosten verlangt oder auch nur angeregt worden. Daraus folgt, daß von ihnen alle Kosten einheitlich erfaßt und behandelt worden sind.
Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO, der Gegenstandswert folgt aus dem Abänderungsbegehren. Bei Aufhebung der Vergleichskosten hätte die Beklagte insoweit 1.015,00 DM übernehmen müssen (875,00 DM zuzüglich Umsatzsteuer), während sie nach der Kostenregelung 1.323,00 DM (70 % von 1.890,00 DM) zu tragen hat.