Kostenfestsetzung zurückgewiesen wegen nicht gebührenrechtlicher Einwendungen
KI-Zusammenfassung
Die Antragsgegnerin erhob sofortige Beschwerde gegen einen Beschluss des Landgerichts zur Kostenfestsetzung. Das OLG Düsseldorf hob den Beschluss auf und wies den Kostenfestsetzungsantrag zurück, weil die vorgebrachten Einwendungen nicht im Gebührenrecht begründet sind. Solche vertraglichen Absprachen sind vor dem Prozessgericht in einem Gebührenrechtsstreit zu klären. Eine Kostenerstattung war nach § 11 Abs. 2 Satz 6 RVG ausgeschlossen.
Ausgang: Sofortige Beschwerde der Antragsgegnerin stattgegeben; Kostenfestsetzungsantrag der Antragsteller zurückgewiesen
Abstrakte Rechtssätze
Eine Kostenfestsetzung nach § 11 RVG ist abzulehnen, wenn der Antragsgegner Einwendungen erhebt, die nicht im Gebührenrecht ihren Grund haben.
Einwände, die auf besonderen Abmachungen zwischen Rechtsanwalt und Auftraggeber beruhen, sind regelmäßig nicht gebührenrechtlicher Art und führen grundsätzlich zur Ablehnung der Festsetzung.
Ein solcher nicht gebührenrechtlicher Einwand kann nur dann unbeachtet bleiben, wenn er offensichtlich haltlos oder unverständlich ist.
Die Kostenfestsetzungsorgane sind nicht zur Aufklärung streitiger tatsächlicher Umstände verpflichtet; die Klärung streitiger Tatsachen obliegt dem Prozessgericht im Gebührenrechtsstreit (unter Berücksichtigung von § 571 Abs. 2 S. 1 ZPO).
Zitiert von (3)
2 zustimmend · 1 neutral
Vorinstanzen
Landgericht Mönchengladbach, 10 O 115/10
Tenor
Auf die sofortige Beschwerde der Antragsgegnerin wird der Beschluss der 10. Zivilkammer des Landgerichts Mönchengladbach – Rechtspflegerin - vom 6. Mai 2011 aufgehoben.
Der Kostenfestsetzungsantrag der Antragsteller wird zurückgewiesen.
Beschwerdewert: 864,89 EUR
Gründe
Die sofortige Beschwerde der Antragsgegnerin ist gemäß §§ 11 Abs. 2 Satz 3 RVG, 104 Abs. 3 Satz 1, Abs. 1 Satz 1 ZPO zulässig und begründet.
Eine Kostenfestsetzung ist gemäß § 11 Abs. 5 RVG abzulehnen, wenn der Antragsgegner gegen die Gebührenforderung Einwendungen erhebt, die nicht im Gebührenrecht ihren Grund haben. Diese Voraussetzungen liegen hier vor.
Der von der Antragsgegnerin vorgebrachte Einwand, sie habe mit dem Antragsteller eine Vereinbarung getroffen, nach der die Kosten über Prozesskostenhilfe bzw. Beratungshilfe abgerechnet werden sollten hat allein im materiellen Recht eine Grundlage. Einwendungen, die auf besondere Abmachungen zwischen Rechtsanwalt und Auftraggeber gestützt sind, sind nicht gebührenrechtlicher Art und führen grundsätzlich zur Ablehnung der Festsetzung (OLG Düsseldorf OLGR 2005, 58 zum gleich lautenden § 19 Abs. 5 BRAGO). Ausnahmsweise kann ein solcher Einwand aber dann unbeachtet bleiben, wenn er offensichtlich aus der Luft gegriffen oder gänzlich haltlos und unverständlich ist.
Dies kann hier nicht deshalb angenommen werden, weil die Antragsteller einen anderen Gesprächsverlauf und –inhalt als die Antragsgegnerin behaupten. Entscheidend ist, dass die anwaltlich vertretene Antragsgegnerin ihren ursprünglichen Vortrag in der Beschwerde aufrechterhalten hat. Dieses den Antragstellern zugleich mit dem Nichtabhilfebeschluss vom 25. Juli 2011 mitgeteilte Vorbringen war gemäß § 571 Abs. 2 S. 1 ZPO zu berücksichtigen. Es ist nicht Aufgabe der Kostenfestsetzungsorgane, den streitigen Sachverhalt aufzuklären. Das ist Sache des Prozessgerichts in einem Gebührenrechtsstreit.
Eine Kostenentscheidung ist nicht veranlasst. Eine Kostenerstattung ist gemäß § 11 Abs. 2 S. 6 2.Hs. RVG ausgeschlossen.