Sachverständigenvergütung: Kein Anspruch bei nicht fertiggestelltem Gutachten
KI-Zusammenfassung
Der öffentlich bestellte Sachverständige focht die Festsetzung seiner Vergütung auf 0,00 EUR an. Das Gericht wies die Beschwerde zurück: Ein Vergütungsanspruch besteht nur, wenn die Fertigstellung ohne Verschulden des Sachverständigen unterblieb oder die erbrachten Teilleistungen verwertbar sind. Befürchtungen eines späteren Angriffs rechtfertigen die Verweigerung nicht; der Sachverständige war zur Erstattung nach § 407 ZPO verpflichtet.
Ausgang: Beschwerde des Sachverständigen gegen Festsetzung der Vergütung auf 0,00 EUR als unbegründet abgewiesen
Abstrakte Rechtssätze
Unterbleibt die Fertigstellung des Gutachtens, hat der Sachverständige nur Anspruch auf Entschädigung für Vorbereitungsarbeiten und bereits erbrachte Teilleistungen, wenn die Fertigstellung ohne sein Verschulden unterblieb oder die Teilleistungen für das Gericht verwertbar sind (vgl. § 8 JVEG).
Befürchtungen, eine Partei werde ein späteres Gutachtenangriff vornehmen, rechtfertigen nicht die vorzeitige Beendigung des gerichtlichen Gutachtenauftrags durch den Sachverständigen.
Ein öffentlich bestellter Sachverständiger ist zur Erstattung des Gutachtens verpflichtet; die Pflicht zur Gutachtenerstattung folgt aus § 407 Abs. 1 ZPO und kann durch eine Erklärung gemäß § 407 Abs. 2 ZPO bekräftigt sein.
Über befangenheitsrelevante Einwendungen entscheidet das Gericht; die Zurückweisung eines Ablehnungsantrags entbindet den Sachverständigen nicht von seiner Erstattungspflicht.
Leitsatz
§ 8 JVEG
Unterbleibt die Fertigstellung des Gutachtens, so hat der Sachverständige einen An-spruch auf Entschädigung für Vorbereitungsarbeiten und die bereits erbrachten Teil-arbeiten nur dann, wenn die Fertigstellung ohne sein Verschulden unterbleibt oder wenn und soweit die erbrachten Teilleistungen für das Gericht verwertbar sind.
Etwaige Befürchtungen, eine Partei werde das noch zu erstellende Gutachten später angreifen, vermögen eine vorzeitige Beendigung des Gutachtenauftrages durch den Sachverständigen nicht zu rechtfertigen.
Tenor
Die Beschwerde des Antragstellers vom 20.11.2007 gegen den Beschluss des Vorsitzenden der 4. Kammer für Handelssachen des Landgerichts Düsseldorf vom 31.10.2007 wird zurückgewiesen.
Das Beschwerdeverfahren ist gerichtsgebührenfrei. Kosten werden nicht erstattet.
Rubrum
I.
Die Beschwerde des Antragstellers vom 20.11.2007 (Bl. 603 GA) richtet sich gegen den Beschluss des Vorsitzenden der 4. Kammer für Handelssachen des Landgerichts Düsseldorf vom 31.10.2007 (Bl. 604ff GA), mit welchem die Vergütung des Antragstellers für den gemäß Rechnung vom 25.09.2007 (Bl. 535 GA) liquidierten Aufwand auf 0,00 EUR festgesetzt worden ist. Die Beschwerde ist gemäß § 4 Abs. 3, 4 JVEG zulässig, jedoch nicht begründet.
Der Antragsteller kann für den von ihm liquidierten Aufwand keine Vergütung verlangen. Ein Sachverständiger hat grundsätzlich erst dann Anspruch auf eine Entschädigung, wenn er entsprechend der Beweisanordnung des Gerichts die Beweisfrage beantwortet hat. Unterbleibt die Fertigstellung des Gutachtens, so hat er einen Anspruch auf Entschädigung für Vorbereitungsarbeiten und die bereits erbrachten Teilarbeiten nur dann, wenn die Fertigstellung ohne sein Verschulden unterbleibt oder wenn und soweit die erbrachten Teilleistungen für das Gericht verwertbar sind (vgl. Meyer/Höver/Bach, JVEG, 24. Aufl., § 8 Rn. 8.27 f). Diese Voraussetzungen sind jedoch vorliegend nicht erfüllt.
Es ist nicht ersichtlich, dass der Antragsteller für das Gericht verwertbare Teilleistungen erbracht hat. Auch ist nicht feststellbar, dass die Fertigstellung des Gutachtens ohne Verschulden des Antragstellers unterblieben ist. Insoweit hat das Landgericht zu Recht darauf abgestellt, dass der Antrag der Klägerin auf Ablehnung des Antragstellers wegen Befangenheit vom 16.02.2007 (Bl. 513f GA) mit ausführlicher Begründung im Beschluss des Landgerichts vom 29.03.2007 (Bl. 524f GA) zurückgewiesen worden ist. Damit bestand für den Antragsteller kein nachvollziehbarer Grund mehr, die weitere Ausführung des Gutachtenauftrags abzulehnen. Die mit Schreiben vom 14.06.2007 (Bl. 536f GA) mitgeteilten Befürchtungen, es sei "mit weiteren Anträgen oder anderen Spitzfindigkeiten des Klägervertreters zu rechnen mit dem Ziel, ein erstelltes Gutachten dann in Frage zu stellen", rechtfertigen eine Ablehnung des gerichtlichen Auftrages nicht.
Der Antragsteller war nach § 407 ZPO zur Erstattung des Gutachtens verpflichtet. Für einen öffentlich bestellten Sachverständigen wie den Antragsteller folgt die Pflicht zur Erstattung des Gutachtens aus § 407 Abs. 1 ZPO. Hinzu kommt, dass der Antragsteller sich mit Schriftsatz vom 05.10.2006 (Bl. 384 GA) vor Gericht bereit erklärt hat, das Gutachten zu erstellen, § 407 Abs. 2 ZPO. Ein Gutachtenverweigerungsrecht nach § 408 ZPO zugunsten des Antragstellers ist nicht ersichtlich. Sonstige Verweigerungsgründe sieht das Gesetz nicht vor. Demnach vermögen etwaige Befürchtungen, eine Partei werde das noch zu erstellende Gutachten später angreifen, eine vorzeitige Beendigung des Gutachtenauftrages durch den Sachverständigen nicht zu rechtfertigen. Diese Befürchtungen sind mit nahezu jedem Gutachtenauftrag verbunden. Über befangenheitsrelevante Bedenken entscheidet – wie hier geschehen – das Gericht.
II.
Der Kostenausspruch folgt aus § 4 Abs. 8 GKG.