Sofortige Beschwerde gegen teilweisen Versagungsbeschluss zu PKH bei Nebenkostenrückforderung
KI-Zusammenfassung
Die sofortige Beschwerde gegen die teilweise Versagung von Prozesskostenhilfe wird zurückgewiesen. Das Gericht sieht keine hinreichende Erfolgsaussicht der beabsichtigten Klage auf Rückzahlung von Nebenkostenvorauszahlungen, da ein Rückzahlungsanspruch nur bei Fristversäumnis und Beendigung des Mietverhältnisses besteht und der Vermieter die Abrechnung nachholen kann. Zudem hat die Antragstellerin ihre Zahlungsunfähigkeit nicht überzeugend dargelegt; widersprüchliche Angaben schließen PKH aus.
Ausgang: Sofortige Beschwerde gegen teilweisen Versagungsbeschluss zur PKH als unbegründet zurückgewiesen; PKH mangels Erfolgsaussicht und wegen fehlender Bedürftigkeit nicht bewilligt
Abstrakte Rechtssätze
Ein Anspruch auf Rückzahlung geleisteter Nebenkostenvorauszahlungen besteht nur, wenn der Vermieter bis zum Ablauf der regelmäßig mit einem Jahr anzusetzenden Abrechnungsfrist keine Abrechnung erteilt hat und das Miet- oder Pachtverhältnis beendet ist.
Der Vermieter kann eine zunächst unterlassene Abrechnung grundsätzlich nachholen; durch Nachholung der Abrechnung entfällt der unmittelbare Rückzahlungsanspruch des Mieters.
Eine formell wirksame Nebenkostenabrechnung erfüllt den Abrechnungsanspruch; die Abrechnung ist danach nur noch materiell im Prozess auf Nachzahlung oder Rückforderung überzahlter Betriebskosten, insbesondere nach den Grundsätzen des § 812 BGB, zu überprüfen.
Prozesskostenhilfe wird nur bewilligt, wenn der Antragsteller substantiiert darlegt, dass er nach seinen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen die Prozesskosten nicht, auch nicht anteilig, tragen kann; unklare oder widersprüchliche Angaben über Einkünfte und Vermögen rechtfertigen die Versagung der PKH.
Zitiert von (1)
1 zustimmend
Tenor
Die sofortige Beschwerde der Antragstellerin gegen den die beantragte Prozesskostenhilfe teilweise versagenden Beschluss der 14c. Zivilkammer des Landgerichts Düsseldorf vom 15.11.2010 wird zurückgewiesen.
Rubrum
Die gemäß §§ 127 Abs. 2 Satz 2 und 3, 567 ZPO zulässige sofortige Beschwerde ist nicht begründet. Soweit die Antragstellerin die Bewilligung von Prozesskostenhilfe in Höhe weiterer 8.727,37 € begehrt, fehlt der beabsichtigten Klage die hinreichende Erfolgsaussicht i.S. des § 114 ZPO. Ein Anspruch auf Rückzahlung der von ihr von Januar 2006 bis Dezember 2008 gezahlten Nebenkostenvorauszahlungen in Höhe restlicher 8.727,37 € steht der Antragstellerin nicht zu. Rückzahlung seiner kompletten Vorauszahlungen kann der Mieter nur verlangen, wenn der Vermieter bis zum Ablauf der auch im gewerblichen Mietrecht regelmäßig mit einem Jahr anzusetzenden Abrechnungsfrist keine Nebenkostenabrechnung erteilt hat und das Miet- oder Pachtverhältnis beendet ist (Senat, Urt. v. 8.5.2008, GE 2008, 731 - I - 10 U 8/08; KG, Urt. v. 22.3.2010, 8 U 142/09, juris), wobei der gewerbliche Vermieter die Abrechnung grundsätzlich jederzeit nachholen und damit den Rückzahlungsanspruch des Mieters zu Fall bringen kann (BGH, Urt. v. 22.9.2010, VIII ZR 285/09; Urt. v. 9. März 2005, VIII ZR 57/04; OLG Düsseldorf, Beschl. v. 29.6.2009, I-24 U 11/09, juris). Hat der Mieter aber – wie hier die Antragsgegnerin – eine formell wirksame Abrechnung erteilt, ist der Abrechnungsanspruch des Mieters erfüllt und die Abrechnung unterliegt dann nur noch einer materiellen Überprüfung im Prozess auf Nachzahlung oder auf Rückforderung überzahlter Betriebskosten nach Maßgabe des § 812 BGB (OLG Düsseldorf, Urt. v. 4.5.2010, I-24 U 195/09, juris). Das gilt unabhängig davon, ob der Vermieter dem Verlangen des Mieters auf Einsichtnahme in die Belege – die Einsicht in einen Buchungsvorgang genügt nicht – verweigert oder unberechtigt von einer Kostenerstattung abhängig gemacht hat, denn die Belegeinsicht ist nicht Bestandteil der Abrechnung.
Unabhängig von vorstehenden Ausführungen kommt eine Bewilligung von Prozesskostenhilfe hier auch deshalb nicht in Betracht, weil die Antragstellerin nicht schlüssig dargelegt hat, dass sie nach ihren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen nicht in der Lage ist, die Prozesskosten auch nicht anteilig zu tragen. In der von ihr vorgelegten Erklärung über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse gibt die Antragstellerin an, kein Bank- oder Girokonto zu haben. Abgesehen davon, dass dies bei einer Unternehmerin wenig wahrscheinlich ist, ergibt sich Gegenteiliges aus der von ihr vorgelegten Anlage Ast 2 (GA 13). In der Erklärung gemäß § 117 Abs. 2 ZPO deklariert die Antragstellerin zudem Einnahmen in Höhe von monatlich 398,52 €, denen Ausgaben – ohne Berücksichtigung der ansonsten aufgeführten Verbindlichkeiten - von mindestens 770,00 € (Miete Wohnung und Lager) entgegenstehen. Darüber hinaus verfügt sie über ein Fahrzeug, welches ebenfalls Kosten verursachen wird. Weitergehend ergibt sich aus der im Übrigen mangels Konkretisierung unbrauchbaren GuV 2010, dass die Ausgaben der Antragstellerin in 2010 ihre Einnahmen um 2.077,72 € übersteigen. Diese Unstimmigkeiten rechtfertigen die Annahme, dass die Antragstellerin über weitere, bisher nicht offen gelegte Einnahmequellen verfügt und schließt unter diesen Umständen eine Bewilligung von Prozesskostenhilfe aus.