Beschwerde gegen Kostenfestsetzung: KV-Nr.1311 erst bei tatsächlicher Verhandlung
KI-Zusammenfassung
Die Kostengläubigerin legte beim OLG Beschwerde gegen die Kostenfestsetzung des LG Düsseldorf ein. Streitpunkt war, ob die erhöhte Verfahrensgebühr nach KV-Nr.1311 bereits mit Aufruf der Sache entsteht. Das OLG entschied, die Gebühr entstehe erst bei tatsächlicher Verhandlung, Erörterung oder prozesserheblichen Erklärungen; bei zuvoriger Einigung und Nicht‐Erscheinen genügt KV-Nr.1310. Die Beschwerde wurde zurückgewiesen.
Ausgang: Beschwerde der Kostengläubigerin gegen Kostenfestsetzung als unbegründet zurückgewiesen; erhöhte Gebühr nach KV-Nr.1311 nicht entstanden
Abstrakte Rechtssätze
Die erhöhte Verfahrensgebühr nach KV-Nr. 1311 zu § 11 Abs. 2 GKG entsteht erst, wenn im Termin eine Verhandlung, Erörterung oder Abgabe prozesserheblicher Erklärungen durch die Parteien stattfindet.
Das bloße Aufrufen der Sache und die Feststellung des Nichterscheinens der Parteien begründen die Gebühr nach KV-Nr. 1311 nicht, wenn zuvor keine Verhandlung stattgefunden hat.
Der Begriff der 'mündlichen Verhandlung' in KV-Nr. 1311 ist nicht gleichbedeutend mit dem Begriff des § 137 Abs. 1 ZPO; maßgeblich sind Sinn und Zweck des Gebührentatbestandes.
Bei vorheriger außergerichtlicher Einigung der Parteien und rechtzeitiger Mitteilung des Nicht-Erscheinens ist im erstinstanzlichen Verfahren nur die Gebühr nach KV-Nr. 1310 anzusetzen; die Kostenentscheidung kann im schriftlichen Verfahren nach § 91a ZPO getroffen werden.
Leitsatz
ZPO § 137 Abs. 1
KV-Nr. 1311 zu § 11 Abs. 2 GKG
Die erhöhte Verfahrensgebühr nach KV-Nr. 1311 zu § 11 Abs. 2 GKG entsteht nach Sinn und Zweck des Gebührentatbestandes nicht bereits mit Aufruf der Sache zum Termin, sondern erst dann, wenn es im Termin zu einer Verhandlung, Erörterung oder Abgabe prozesserheblicher Erklärungen durch die Parteien kommt.
Tenor
Die Beschwerde der Kostengläubigerin gegen den Beschluss der 10. Zivil-kammer des Landgerichts Düsseldorf - Einzelrichterin - vom 28.04.2003 wird zurückgewiesen.
Das Verfahren über die Beschwerde ist gebührenfrei. Kosten werden nicht er-stattet.
Rubrum
I.
Die Beschwerde der Kostengläubigerin gegen den Beschluss der Einzelrichterin der 10. Zivilkammer des Landgerichts Düsseldorf vom 28.04.2003 (Bl. 129 ff GA) ist gemäß § 5 Abs. 2 GKG zulässig, jedoch unbegründet. Das Landgericht ist im Ergebnis zu Recht davon ausgegangen, dass für das erstinstanzliche Verfahren im vorliegenden Fall lediglich eine Gebühr nach KV-Nr. 1310 zu § 11 Abs. 2 GKG in Ansatz zu bringen ist.
Dies folgt zwar nicht - wie das Landgericht ausführt - aus der Begriffsbestimmung der mündlichen Verhandlung in § 137 Abs. 1 ZPO. Der Begriff der mündlichen Verhandlung im Sinne der KV-Nr. 1311 ist insoweit nicht gleichbedeutend mit dem des § 137 Abs. 1 ZPO. Mit der Beschränkung der Gebühr für das Verfahren der einstweiligen Verfügung ohne mündliche Verhandlung auf eine Gebühr sollte ersichtlich begünstigt werden, dass es die Parteien gar nicht zu einem Termin mit Verhandlungen und Erörterungen haben kommen lassen, unabhängig davon, ob in diesem Termin Sachanträge gestellt wurden (vgl. OLG München MDR 1995, 1172, 1173).
Entgegen der Auffassung der Kostengläubigerin ist die erhöhte Verfahrensgebühr jedoch nicht bereits dann als entstanden anzusehen, wenn die Sache im Termin aufgerufen worden ist. Der Verweis auf die Fundstelle bei Oestreich/Winter/Hellstab, GKG, KV-Nr. 1310-1324 Rn. 5 gibt hierfür keine Begründung. Nach Sinn und Zweck des Gebührenerhöhungstatbestandes kann der weitere Verlauf des Termins nicht außer Acht gelassen werden. Jedenfalls dann, wenn es im Termin gar nicht zu einer Verhandlung, Erörterung oder Abgabe prozesserheblicher Erklärungen durch die Parteien kommt, weil diese sich zuvor außergerichtlich geeinigt und ihr Nichterscheinen zum Termin rechtzeitig angekündigt haben, besteht kein rechtfertigender Grund für die erhöhte Verfahrensgebühr der KV-Nr. 1311, auch wenn die Sache im Termin zur Feststellung des Nichterscheines der Parteien aufgerufen wird. Eine die Gebühr nach KV-Nr. 1311 auslösende "Verhandlung" hat dann nicht stattgefunden.
Entsprechend liegt der Fall hier. Wie sich aus dem richterlichen Telefonvermerk vom 25.03.2002 (Bl. 36 R) ergibt, hatten die Parteien des Rechtsstreits dem Gericht vor dem anberaumten Termin mitgeteilt, dass sie sich geeinigt hätten und im Termin niemand erscheinen werde. Entsprechendes wurde sodann im Termin nach Aufruf der Sache festgestellt, das Verfahren wurde zum Ruhen gebracht (vgll. Bl. 37 GA). Anschließend wurde im schriftlichen Verfahren die Hauptsache für erledigt erklärt (Bl. 38, 45 GA) und ohne mündliche Verhandlung über die Kosten durch Beschluss nach § 91 a ZPO entschieden (Bl. 51 GA).
II.
Die Kostenentscheidung folgt aus § 5 Abs. 6 GKG.