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Landgericht Münster·12 O 15/19·07.11.2019

Kfz-Sachverständigenkosten aus Abtretung: Nebenkosten kürzbar, Bagatellschaden ausgeschlossen

ZivilrechtDeliktsrechtVersicherungsrechtTeilweise stattgegeben

KI-Zusammenfassung

Ein Kfz-Sachverständiger verlangte aus abgetretenem Recht restliche Gutachterkosten aus zahlreichen Haftpflichtschäden gegen den Versicherer. Das LG bejahte die Aktivlegitimation (wirksame Abtretung an Erfüllungs statt; Eigentum der Zedenten hinreichend belegt) und hielt das Grundhonorar für ersatzfähig. Mangels beglichener Rechnung entfiel jedoch deren Indizwirkung; deutlich erkennbare Überhöhungen bei Nebenkosten wurden nach § 287 ZPO anhand BVSK/JVEG-Orientierung gekürzt. In mehreren Fällen wurde Ersatz wegen Bagatellschadens (Regelgrenze 1.000 € netto) verneint; Verjährung war durch rechtzeitigen Mahnbescheid gehemmt.

Ausgang: Klage auf restliche Sachverständigenkosten überwiegend gekürzt zugesprochen, im Übrigen (u.a. Bagatellfälle) abgewiesen.

Abstrakte Rechtssätze

1

Eine Abtretung von Schadensersatzansprüchen auf Erstattung von Sachverständigenkosten an Erfüllungs statt lässt den vertraglichen Honoraranspruch gegen den Geschädigten erlöschen (§ 364 Abs. 1 BGB) und begegnet insoweit keinen Transparenzbedenken nach § 307 Abs. 1 S. 2 BGB, wie sie bei Sicherungs- bzw. erfüllungshalber Abtretungen auftreten können.

2

Fehlt es an einer vom Geschädigten beglichenen Sachverständigenrechnung, kommt der Rechnung keine Indizwirkung für die Erforderlichkeit der geltend gemachten Kosten i.S.v. § 249 Abs. 2 S. 1 BGB zu; die erforderlichen Kosten sind dann unabhängig von Rechnung und Preisvereinbarung nach § 287 ZPO zu schätzen.

3

Nebenkostenpositionen, die sich auf Kosten des täglichen Lebens beziehen (z.B. Foto-, Schreib-, Kopier- und Fahrtkosten), können bei für den Geschädigten erkennbar deutlicher Überhöhung auf ein erforderliches Maß gekürzt werden.

4

Der Zessionar erwirbt den Schadensersatzanspruch in der Gestalt, in der er beim Zedenten bestand; bei der Beurteilung der Erforderlichkeit nach § 249 Abs. 2 S. 1 BGB ist daher auf die Erkenntnis- und Einflussmöglichkeiten des Geschädigten und nicht des Zessionars abzustellen.

5

Die Kosten eines Sachverständigengutachtens sind bei einem offensichtlichen Bagatellschaden regelmäßig nicht erforderlich; als Richtwert kann eine Bagatellgrenze von 1.000 € netto herangezogen werden, von der im Einzelfall abgewichen werden kann.

Relevante Normen
§ 7 StVG, 823, 249 ff., 398 BGB, 115 VVG, 1 PflVG§ 128 Abs. 2 ZPO§ 1006 BGB§ 286 ZPO§ 307 Abs. 1 Satz 2 BGB§ 364 Abs. 1 BGB

Tenor

s.u.

Rubrum

1

Tenor:

2

Der Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 2531,43 € zu zahlen nebst Zinsen i. H. v. 5 % Punkten über dem Basiszinssatz aus

3

29,51 €                            seit dem 15.03.2014

4

65,21 €                            seit dem 19.12.2014

5

40,82 €                            seit dem 16.05.2015

6

36,89 €                            seit dem 12.08.2015

7

5,95 €                              seit dem 28.07.2015

8

12,40 €                            seit dem 21.08.2015

9

12,85 €                            seit dem 15.09.2015

10

31,89 €                            seit dem 22.01.2016

11

41,41 €                            seit dem 17.12.2016

12

28,56 €                             seit dem 15.04.2016

13

48,31 €                            seit dem 20.02.2016

14

60,93 €                            seit dem 23.03.2016

15

53,07 €                            seit dem 01.04.2016

16

19,63 €                            seit dem 26.05.2016

17

73,18 €                            seit dem 18.06.2016

18

42,24 €                            seit dem 12.07.2016

19

56,28 €                            seit dem 07.06.2016

20

83,54 €                            seit dem 07.07.2016

21

37,96 €                            seit dem 13.07.2016

22

100,79 €                          seit dem 03.12.2016

23

40,10 €                            seit dem 25.10.2016

24

33,55 €                            seit dem 29.09.2016

25

9,16 €                              seit dem 11.02.2016

26

35,81 €                            seit dem 25.01.2016

27

59,14 €                             seit dem 08.11.2016

28

39,90 €                            seit dem 16.11.2016

29

95,43 €                            seit dem 24.11.2016

30

38,55 €                            seit dem 15.11.2016

31

50,21 €                            seit dem 06.12.2016

32

20,82 €                            seit dem 06.01.2017

33

28,80 €                            seit dem 16.07.2017

34

39,40 €                            seit dem 01.02.2017

35

112,26 €                          seit dem 12.02.2015

36

47,36 €                            seit dem 16.02.2017

37

12,13 €                            seit dem 02.02.2017

38

41,78 €                            seit dem 08.02.2017

39

80,08 €                            seit dem 28.03.2017

40

19,87 €                            seit dem 04.04.2017

41

24,00 €                            seit dem 23.02.2017

42

86,51 €                            seit dem 08.09.2017

43

27,36 €                            seit dem 08.06.2017

44

57,36 €                            seit dem 23.06.2017

45

48,43 €                            seit dem 11.07.2017

46

29,39 €                            seit dem 27.07.2017

47

31,17 €                            seit dem 11.07.2017

48

76,70 €                            seit dem 08.07.2017

49

41,78 €                            seit dem 13.07.2017

50

11,54 €                            seit dem 02.08.2017

51

38,43 €                            seit dem 12.08.2017

52

110,90 €                           seit dem 03.08.2017

53

36,89 €                             seit dem 17.08.2017

54

22,25 €                             seit dem 09.08.2017

55

22,85 €                             seit dem 02.09.2017

56

70,44 €                             seit dem 06.09.2017

57

11,66 €                             seit dem 06.09.2017

58

68,66 €                             seit dem 13.09.2017

59

19,87 €                             seit dem 05.10.2017

60

3,80 €                               seit dem 17.10.2017

61

18,20 €                             seit dem 28.10.2017

62

2,61 €                               seit dem 24.11.2017

63

13,32 €                             seit dem 25.11.2017

64

13,32 €                             seit dem 16.12.2017.

65

Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.

66

Die Kosten des Rechtsstreits haben der Kläger zu 53 % und der Beklagte zu 47 % zu tragen.

67

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar gegen Sicherheitsleistung i.H.v. 110 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages.

Tatbestand

69

Die Parteien streiten über Ansprüche wegen der Erstellung von Schadensgutachten durch den Kläger gegenüber der Beklagten aus übergegangenem Recht.

70

Der Kläger ist Diplom-Ingenieur und ordentlicher Kfz-Sachverständiger in I., wo er ein Ingenieur- und Sachverständigenbüro für Kraftfahrzeuge betreibt. Der Kläger ist unabhängiger, freiberuflicher, zertifizierter und anerkannter Sachverständiger für Kraftfahrzeugschäden und Bewertung. Der Beklagte ist ein großer Versicherer.

71

Der Kläger erstattet bei seiner Tätigkeit unter anderem Kfz-Haftpflicht-Schadensgutachten für Verkehrsunfallschäden.

72

Der Kläger erstattete für die streitgegenständlichen Kundinnen und Kunden Kfz-Schadensgutachten. Diesen Kfz-Schadensgutachten lagen jeweils Unfallereignisse zu Grunde, bei denen der Beklagte als regulierungspflichte Haftpflichtversicherungsgesellschaft für die Schäden der Kunden des Klägers dem Grunde nach eintrittspflichtig war. Der Beklagte regulierte deshalb teilweise vorprozessual die vom Kläger geltend gemachten Forderungen.

73

Der Kläger meint, über die bereits von dem Beklagten vorgenommenen Teilregulierungen hinaus, weitere Ansprüche gegen den Beklagten zu haben.

74

Der Kläger ist der Auffassung, gegen den Beklagten einen Anspruch in Höhe des insgesamt klagweise geltend gemachten Betrages zu haben. Er meint, dieser Anspruch ergebe sich aus folgender Überlegung: Die Kunden des Klägers seien jeweils in Verkehrsunfälle verwickelt gewesen, bei denen die jeweiligen Unfallgegner Versicherungsnehmer des Beklagten gewesen seien. Die Haftung der Versicherungsnehmer des Beklagten und damit über die haftpflichtversicherungsrechtliche Einstandspflicht des Beklagten auch dessen Haftung, seien dem Grunde nach unstreitig. Die Kosten der Begutachtung durch den Kläger seien von den Kunden des Klägers als Schadenspositionen gegenüber dem Beklagten als Haftpflichtversicherer der jeweiligen Unfallgegner ersatzfähig. Diese einzelnen Ansprüche auf Schadensersatz seiner jeweiligen Kunden mache der Kläger nun nach Abtretung dieser Ansprüche von seinen Kunden an ihn, aus abgetretenem Recht geltend. Zu der weiteren Einzelheiten wird Bezug genommen auf die Anspruchsbegründung vom 29.06.2018 (Bl. 15 ff. GA) sowie auf den Klageerweiterungsschriftsatz vom 30.11.2018 (Bl. 426 ff. GA).

75

Der Kläger, ist der Auffassung, nach Teilzahlungen des Beklagten, seien noch folgende Forderungen bezüglich der einzelnen Kunden offen, weil er jeweils Schadensgutachten für die entsprechenden Verkehrsunfallschäden erstattet habe und die Kunden ihm ihre Forderungen abgetreten hätten:

76

1.       O.,                                           29,63 €

77

2.       H.,                                           59,26 €

78

3.       W.                                           26,65 €

79

4.       Q.                                           100,91 €

80

5.       K.                                           Klagerücknahme

81

6.       T.                                           70,57 €

82

7.       G.                                           64,26 €

83

8.       U.                                           32,72 €

84

9.       X.                                           42,40 €

85

10.   X.                                             10,90 €

86

11.   E.                                             36,65 €

87

12.   R. e. V.                                     61,64 €

88

13.   N.                                            77,11 €

89

14.   C.                                            38,20 €

90

15.   Z.                                            58,31 €

91

16.   V.                                            23,91 €

92

17.   P.                                            75,09 €

93

18.   J.                                            88,30 €

94

19.   B.                                           79,85 €

95

20.   Y.                                            46,41 €

96

21.   M.                                           99,96 €

97

22.   A.. SA                                     69,02 €

98

23.   F.                                            83,06 €

99

24.   D.                                           110,91 €

100

25.   L.                                            65,33 €

101

26.   S.                                          136,49 €

102

27.   VJ.                                          93,65 €

103

28.   SA.                                          87,11 €

104

29.   GK.                                          35,96 €

105

30.   MH.                                           86,75 €

106

31.   WM.                                          42,96 €

107

32.   NG.                                          118,64 €

108

33.   XP. GmbH & Co. KG                     82,90 €

109

34.   XR.                                           154,94 €

110

35.   QY.                                            98,06 €

111

36.   DE.                                           109,72 €

112

37.   WZ.                                           48,19 €

113

38.   XD.                                           88,30 €

114

39.   JQ.                                            98,89 €

115

40.   VS.                                           136,06 €

116

41.   ZA.                                           19,00 €

117

42.   IX.                                            98,53 €

118

43.   RT.                                            41,89 €

119

44.   JU.                                           101,29 €

120

45.   VW.                                          107,10 €

121

46.   JV.                                            70,45 €

122

47.   DK.                                           69,70 €

123

48.   AL.                                           146,01 €

124

49.   ZO.                                           77,93 €

125

50.   NR.                                           110,91 €

126

51.   ME.                                           107,93 €

127

52.   LO.                                            59,14 €

128

53.   RP.                                            85,32 €

129

54.   PU.                                           113,20 €

130

55.   HW.                                          101,29 €

131

56.   EQ.                                            56,17 €

132

57.   PE.                                             89,61 €

133

58.   GC.                                          164,46 €

134

59.   VT.                                            97,22 €

135

60.   VY.                                            52,00 €

136

61.   M.                                             76,40 €

137

62.   VB.                                           129,95 €

138

63.   VN.                                            38,44 €

139

64.   GR.                                            83,30 €

140

65.   QJ.                                             70,45 €

141

66.   TL.                                             39,51 €

142

67.   NQ.                                            30,70 €

143

68.   LM.                                            44,98 €

144

69.   YN.                                            18,21 €

145

70.   JG.                                            63,90 €

146

71.   S.                                             63,90 €

147

Ursprünglich hat der Kläger die Klage bei dem Amtsgericht Münster erhoben und beantragt, den Beklagten zu verurteilen, an ihn 639,36 € zu zahlen nebst Zinsen i.H.v. 5 Prozentpunkten jährlich über dem jeweiligen Basiszinssatz aus

148

1.       O.                                           29,63 €                              seit dem 11.02.2014

149

2.       H.,                                           59,26 €                             seit dem 15.03.2014

150

3.       W.                                           26,65 €                             seit dem 17.04.2014

151

4.       Q.                                           100,91 €                            seit dem 19.12.2014

152

5.       K.                                           26,66 €                               seit dem 15.01.2015

153

6.       T.                                           70,57 €                               seit dem 16.05.2015

154

7.       G.                                           64,26 €                              seit dem 12.08.2015

155

8.       U.                                           32,72 €                             seit dem 28.07.2015

156

9.       X.                                           42,40 €                             seit dem 21.08.2015

157

10.   X.                                            10,90 €                               seit dem 04.09.2015

158

11.   E.                                            36,65 €                              seit dem 15.09.2015

159

12.   R. e. V.                                    61,64 €                              seit dem 22.01.2016

160

13.   N.                                            77,11 €                             seit dem 17.12.2016.

161

Bezüglich des Kunden K. (Nr. 5) hat der Kläger die Klage in Höhe eines Betrages von 26,66 € zurückgenommen. Mit Schriftsatz vom 30.11.2018 (Bl. 427 ff. GA) hat der Kläger die Klage erweitert und die Verweisung an das Landgericht Münster beantragt. Mit Beschluss vom 17.12.2018 (Bl. 830 GA) hat das Amtsgericht Münster den Rechtsstreit an das Landgericht Münster verwiesen.

162

Der Kläger beantragt nunmehr sinngemäß,

163

den Beklagten zu verurteilen, an ihn 5298,56 € zu zahlen nebst Zinsen i.H.v. 5 Prozentpunkten jährlich über dem jeweiligen Basiszinssatz aus

164

1.       O.                                           29,63 €                               seit dem 11.02.2014

165

2.       H.,                                           59,26 €                              seit dem 15.03.2014

166

3.       W.                                           26,65 €                              seit dem 17.04.2014

167

4.       Q.                                           100,91 €                             seit dem 19.12.2014

168

5.       K.                                          Klagerücknahme

169

6.       T.                                           70,57 €                             seit dem 16.05.2015

170

7.       G.                                           64,26 €                             seit dem 12.08.2015

171

8.       U.                                           32,72 €                             seit dem 28.07.2015

172

9.       X.                                           42,40 €                             seit dem 21.08.2015

173

10.   X.                                             10,90 €                             seit dem 04.09.2015

174

11.   E.                                             36,65 €                             seit dem 15.09.2015

175

12.   R. e. V.                                     61,64 €                             seit dem 22.01.2016

176

13.   N.                                            77,11 €                             seit dem 17.12.2016

177

14.   C.                                           38,20 €                             seit dem 30.01.2016

178

15.   Z.                                          58,31 €                             seit dem 15.04.2016

179

16.   V.                                          23,91 €                             seit dem 01.03.2016

180

17.   P.                                           75,09 €                             seit dem 20.02.2016

181

18.   J.                                           88,30 €                             seit dem 23.03.2016

182

19.   B.                                           79,85 €                             seit dem 01.04.2016

183

20.   Y.                                           46,41 €                             seit dem 26.05.2016

184

21.   M.                                           99,96 €                             seit dem 18.06.2016

185

22.   A.. SA                                    69,02 €                             seit dem 12.07.2016

186

23.   F.                                           83,06 €                             seit dem 07.06.2016

187

24.   D.                                           110,91 €                             seit dem 07.07.2016

188

25.   L.                                           65,33 €                             seit dem 13.07.2016

189

26.   S.                                           136,49 €                             seit dem 03.12.2016

190

27.   VJ.                                           93,65 €                             seit dem 25.10.2016

191

28.   SA.                                           87,11 €                             seit dem 29.09.2016

192

29.   GK.                                           35,96 €                             seit dem 11.02.2016

193

30.   MH.                                           86,75 €                             seit dem 25.01.2016

194

31.   WM.                                           42,96 €                             seit dem 10.12.2016

195

32.   NG.                                           118,64 €                             seit dem 08.11.2016

196

33.   XP. GmbH & Co. KG                     82,90 €                             seit dem 16.11.2016

197

34.   XR.                                           154,94 €                             seit dem 24.11.2016

198

35.   QY.                                           98,06 €                               seit dem 15.11.2016

199

36.   DE.                                           109,72 €                             seit dem 06.12.2016

200

37.   WZ.                                           48,19 €                             seit dem 06.01.2017

201

38.   XD.                                            88,30 €                             seit dem 16.07.2017

202

39.   JQ.                                            98,89 €                             seit dem 01.02.2017

203

40.   VS.                                          136,06 €                             seit dem 12.02.2015

204

41.   ZA.                                           19,00 €                             seit dem 24.03.2017

205

42.   IX.                                           9 8,53 €                             seit dem 16.02.2017

206

43.   RT.                                           4 1,89 €                             seit dem 02.02.2017

207

44.   JU.                                           101,29 €                             seit dem 08.02.2017

208

45.   VW.                                          107,10 €                             seit dem 28.03.2017

209

46.   JV.                                             70,45 €                             seit dem 04.04.2017

210

47.   DK.                                            69,70 €                             seit dem 23.02.2017

211

48.   AL.                                           146,01 €                             seit dem 08.09.2017

212

49.   ZO.                                            77,93 €                             seit dem 08.06.2017

213

50.   NR.                                          110,91 €                             seit dem 23.06.2017

214

51.   ME.                                          107,93 €                             seit dem 11.07.2017

215

52.   LO.                                            59,14 €                             seit dem 27.07.2017

216

53.   RP.                                            85,32 €                             seit dem 11.07.2017

217

54.   PU.                                         113,20 €                             seit dem 08.07.2017

218

55.   HW.                                        101,29 €                             seit dem 13.07.2017

219

56.   EQ.                                           56,17 €                             seit dem 02.08.2017

220

57.   PE.                                           89,61 €                             seit dem 12.08.2017

221

58.   GC.                                         164,46 €                             seit dem 03.08.2017

222

59.   VT.                                            97,22 €                             seit dem 17.08.2017

223

60.   VY.                                            52,00 €                             seit dem 09.08.2017

224

61.   M.                                             76,40 €                             seit dem 02.09.2017

225

62.   VB.                                          129,95 €                             seit dem 06.09.2017

226

63.   VN.                                           38,44 €                             seit dem 06.09.2017

227

64.   GR.                                           83,30 €                             seit dem 13.09.2017

228

65.   QJ.                                            70,45 €                            seit dem 05.10.2017

229

66.   TL.                                            39,51 €                             seit dem 17.10.2017

230

67.   NQ.                                           30,70 €                             seit dem 28.11.2017

231

68.   LM.                                           44,98 €                             seit dem 28.10.2017

232

69.   YN.                                           18,21 €                             seit dem 24.11.2017

233

70.   JG.                                           63,90 €                             seit dem 25.11.2017

234

71.   S.                                             63,90 €                             seit dem 16.12.2017.

235

Der Beklagte beantragt,

236

die Klage abzuweisen.

237

Der Beklagte meint, der Kläger sei nicht aktivlegitimiert, weil er nicht dargelegt habe, dass die Zedenten jeweils Eigentümer der Fahrzeuge im Zeitpunkt des Verkehrsunfalls gewesen seien, ferner rügt er, in den Fällen (X.) Nr. 9, (X.) Nr. 10 sowie (WZ.) Nr. 37 und (RT.), Nr. 43 fehle es an der Vorlage von Abtretungserklärungen.

238

In den Fällen (FN.) Nr. 14, (V.) Nr. 16, (WM.) Nr. 31, (ZA.) Nr. 41, (PO.), Nr. 67 sei die Zuziehung eines Sachverständigen nicht erforderlich gewesen, weil die Bagatellgrenze nicht überschritten sei.

239

Der Beklagte meint ferner, in allen streitgegenständlichen Fällen, seien etwaige Ansprüche mit den erfolgten Teilzahlungen vollständig erfüllt. Zudem hat der Beklagte die Einrede der Verjährung erhoben (Bl. 894 GA).

240

Darüber hinaus ist der Beklagte der Auffassung, die geltend gemachten Rechnungen seien der Höhe nach übersetzt. Denn maßgeblich für den Schadensersatzanspruch sei nicht, was der Sachverständige berechne, sondern nur, was zur Wiederherstellung erforderlich sei (BGH VersR 2007, 560). Darüber hinaus betrügen die vom Kläger abgerechneten Nettonebenkosten durchschnittlich rund 46 % des abgerechneten Nettogrundhonorars. Es handele sich deshalb nicht mehr um „Nebenkosten“. Eine Kürzung der vom Kläger geltend gemachten Forderungen auf den erforderlichen und ortsüblichen Betrag sei möglich und durch den Beklagten erfolgt.

241

Insbesondere ist der Beklagte der Auffassung, 2,00 € je Foto seien zu viel und fielen nicht an, weil der Kläger die Fotos per E-Mail versende. Auch Schreibkosten von 1,40 € je Seite und 0,50 € je Kopie seien zu viel und fielen nicht an, weil der Versand per E-Mail erfolge, außerdem seien diese Posten von der Pauschale umfasst. Dementsprechend seien auch 20,00 € für Porto zu viel und im Grundhonorar bereits enthalten. Die geltend gemachten Fahrtkosten seien nicht entstanden und die geltend gemachte Pauschale von 1,40 € pro Kilometer sei zu hoch, vielmehr seien höchstens 0,25 € pro Kilometer angemessen. Zudem sei nicht nachvollziehbar, dass neben dem Grundhonorar zusätzlich noch pauschale Kosten für den Abruf der Kalkulation abgerechnet würden.

242

Zum Ergebnis der mündlichen Verhandlung wird Bezug genommen auf das Protokoll zur mündlichen Verhandlung vom 18.03.2019 (Bl. 847 GA) sowie auf das Protokoll zur mündlichen Verhandlung vom 26.08.2019 (Bl. 884). Die Parteivertreter haben zu Protokoll der mündlichen Verhandlung vom 26.08.2019 ihre Zustimmung zu einer Entscheidung im schriftlichen Verfahren nach § 128 Abs. 2 ZPO erklärt (Bl. 885 GA).

243

Zum weiteren Parteivorbringen wird auf die gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.

Entscheidungsgründe

245

Die zulässige Klage ist im tenorierten Umfang begründet.

246

Dem Kläger steht gegen die Beklagte ein Anspruch auf Erstattung des Sachverständigenhonorars in Höhe von insgesamt 2531,43 € aus §§ 7 StVG, 823, 249 ff., 398 BGB, 115 VVG, 1 PflVG zu.

247

Der Kläger ist zunächst im Wege der Abtretung Inhaber der - dem Grunde nach bis auf die Fälle (FN.) Nr. 14, (V.) Nr. 16, (WM.) Nr. 31, (ZA.) Nr. 41, (PO.), Nr. 67, wo die Zuziehung eines Sachverständigen nach Auffassung des Beklagten nicht erforderlich war, weil die Bagatellgrenze nicht überschritten sei, unstreitig - ursprünglich den Geschädigten gegen die Beklagte zustehenden Schadensersatzanspruchs auf Erstattung des Sachverständigenhonorars geworden.

248

I.

249

Die Geschädigten haben ihre Ansprüche gegen den Beklagten auf Ersatz der Kosten des eingeholten Sachverständigengutachtens wirksam an den Kläger abgetreten.

250

Der Aktivlegitimation steht entgegen der Auffassung des Beklagten in keinem Fall eine fehlende Abtretungserklärung entgegen. Mit Schriftsatz vom 30.09.2019 hat der Kläger auch die zuletzt noch als fehlend gerügten  (Bl. 864 GA) Abtretungserklärungen in den Fällen Nr. 9 und 10 (X.), Nr. 37 (WZ.) und Nr. 43 (RT.) zur Akte gereicht (Anl. K 219).

251

Auch die Eigentümerstellung der jeweiligen Zedenten bezüglich der geschädigten Fahrzeuge steht zur Überzeugung der Kammer fest. Der Kläger hat für alle streitgegenständlichen Fälle mit Ausnahme der Fälle Nr. 38 (XD.) und Nr. 63 (VN.) die Zulassungsbescheinigungen Teil I zur Akte gereicht (Anl. K 218). Gleichzeitig hat der Beklagte die Teilregulierungen in allen Fällen vorgenommen, ohne die Eigentümerstellung der Geschädigten zu bestreiten. Wie sich aus dem von dem Beklagten zitierten Hinweisbeschluss ergibt, kann sich der Kläger zwar nicht allein auf die Vermutung des § 1006 BGB berufen, weil dem Beklagten sonst – ohne weiteren Vortrag – nicht möglich wäre, einen Gegenbeweis zu führen (OLG Hamm, Beschluss vom 01.02.2013 I-9 U 238/12). So liegt der Fall hier aber nicht, denn zum einen hat der Kläger mit Ausnahme der genannten Fälle Nr. 38 und Nr. 63 mit der Vorlage der Zulassungsbescheinigung Teil I in Kopie substantiiert zur Eigentümerstellung der Zedenten vorgetragen, zum anderen hat der Beklagte im Rahmen der vorprozessualen Regulierung keine relevanten Einwendungen gegen die Eigentümerstellung der jetzigen Zedenten erhoben. Es mag zwar zutreffen, dass der Beklagte die Teilregulierungen zunächst allein aus Praktikabilitätserwägungen vorgenommen hat, die Prüfung der Eigentumsverhältnisse auf „Herz und Nieren“ (Bl. 874 GA) hätte der Beklagte dann aber spätestens im Rahmen des Klageverfahrens vornehmen können. In Anbetracht dieser Gesamtumstände ist die Kammer von der Eigentümerstellung der Zedenten überzeugt. Denn soweit nach § 286 ZPO zu beurteilen ist, ob eine Behauptung wahr ist, kommt es auf die freie Überzeugung des Gerichts an. Diese Überzeugung von der Wahrheit erfordert keine absolute oder unumstößliche Gewissheit, da eine solche nicht zu erreichen ist. Das Gericht darf also nicht darauf abstellen, ob jeder Zweifel und jede Möglichkeit des Gegenteils ausgeschlossen ist. Es genügt vielmehr ein - hier gegebener - für das praktische Leben brauchbarer Grad von Gewissheit, der den Zweifeln Schweigen gebietet, ohne sie völlig auszuschließen (BGH, Urteil vom 18.04.1977, VIII ZR 286/75; BGH, Urteil vom 14.12.1993, VI ZR 221/92).

252

Sofern der Beklagte meint, die Abtretungserklärungen seien in den Fällen Nr. 27, Nr. 29 bis Nr. 36, Nr. 38 bis Nr. 42 und Nr. 44 bis Nr. 71 unwirksam, weil sie teilweise intransparent seien und gegen § 307 Abs. 1 S. 2 BGB verstießen, geht dieser Einwand fehl. Der Beklagte meint, die Unwirksamkeit ergebe sich daraus, dass unklar sei, was mit der vom Geschädigten an den Sachverständigen abgetretenen Forderung geschehen solle, wenn der Sachverständige nach der Abtretung seinen vertraglichen Honoraranspruch gegen den Geschädigten geltend macht. Diese Frage stehe aber im unmittelbaren Zusammenhang mit der zur Sicherung und erfüllungshalber erfolgten Forderungsabtretung (BGH, Urteil vom 17.07.2018 – VI ZR 274/17).

253

Denn es heißt in der zitierten Entscheidung des BGH:

254

„Eine […] Klausel, nach der der geschädigte Auftraggeber dem Sachverständigen in Bezug auf dessen Honoraranspruch „zur Sicherung" und „erfüllungshalber" seinen auf Ersatz der Sachverständigenkosten gerichteten Schadensersatzanspruch gegen den Schädiger abtritt, ist (jedenfalls dann) wegen Verstoßes gegen das Transparenzgebot aus § 307 Abs. 1 S. 2 BGB unwirksam, wenn die Klausel zugleich die Regelung vorsieht: „Durch diese Abtretung werden die Ansprüche des Sachverständigen aus diesem Vertrag gegen mich [geschädigter Auftraggeber] nicht berührt. Diese können nach erfolgloser außergerichtlicher Geltendmachung bei der gegnerischen Versicherung oder dem Schädiger zu jeder Zeit gegen mich geltend gemacht werden. Im Gegenzug verzichtet der Sachverständige dann jedoch Zug um Zug gegen Erfüllung auf die Rechte aus der Abtretung gegenüber den Anspruchsgegnern."

255

In den streitgegenständlichen Fällen erfolgte die Abtretung indes nicht zur Sicherung oder erfüllungshalber sondern an Erfüllungs statt. Gem. § 364 Abs. 1 BGB erlischt dann aber das Schuldverhältnis, wenn der Gläubiger – wie hier der Kläger – eine andere Leistung, nämlich die Abtretung des Schadensersatzanspruches, als die ursprünglich geschuldete, nämlich den vertraglichen Anspruch des Klägers, gegen die geschädigten Zedenten. Dieser Rechtslage entsprechend heißt es in den Abtretungserklärungen: „Mit der Annahme dieser Abtretung an Erfüllungs statt ist das oben beschriebene Sachverständigenhonorar gegenüber dem Sachverständigenbüro GH. von mir erfüllt“ (Abs. 5 der Abtretungserklärungen, Anl. 219). Eine intransparente Klausel liegt deshalb schon nicht vor. Überdies gehen zwar gemäß § 305c Abs. 2 BGB Unklarheiten bei der Auslegung Allgemeiner Geschäftsbedingungen zu Lasten des Verwenders, § 305c Abs. 2 BGB ist aber unanwendbar, wenn die Vertragsparteien einer Klausel übereinstimmend eine bestimmte Bedeutung beigelegt haben (vgl. BGH, Urteil vom 17.10.2017 – VI ZR 527/16). Bei lebensnaher Betrachtung geht die Kammer davon aus, dass die Geschädigten und der Kläger dies bei der zitierten Klausel jedenfalls getan haben.

256

II.

257

Die danach wirksam abgetretenen Schadensersatzansprüche der Geschädigten bestehen in Höhe von insgesamt 2531,43 €.

258

Grundsätzlich darf ein Geschädigter einen Sachverständigen mit der Schätzung der Schadenshöhe an seinem durch den Unfall beschädigten PKW beauftragen und von dem Unfallverursacher bzw. dessen Versicherung nach § 249 2 S. 1 BGB als Herstellungsaufwand den Ersatz der objektiv erforderlichen Sachverständigenkosten verlangen (vgl. BGH, Urteil v. 11.02.2014 – VI ZR 225/13).

259

Der Geschädigte kann jedoch vom Schädiger nach § 249 Abs. 2 S. 1 BGB als erforderlichen Herstellungsaufwand nur die Kosten erstattet verlangen, die vom Standpunkt eines verständigen, wirtschaftlich denkenden Menschen in der Lage des Geschädigten zur Behebung des Schadens zweckmäßig und notwendig erscheinen. Er ist nach dem Wirtschaftlichkeitsgebot gehalten, im Rahmen des ihm Zumutbaren den wirtschaftlicheren Weg der Schadensbehebung zu wählen, sofern er die Höhe der für die Schadensbeseitigung aufzuwendenden Kosten beeinflussen kann. Allerdings ist bei der Beurteilung, welcher Herstellungsaufwand erforderlich ist, auch Rücksicht auf die spezielle Situation des Geschädigten, insbesondere auf seine Erkenntnis- und Einflussmöglichkeiten sowie auf die möglicherweise gerade für ihn bestehenden Schwierigkeiten zu nehmen (vgl. LG Köln Urt. v. 28.2.2018 – 9 S 100/16, BeckRS 2018, 2400 mit Verweis auf BGH, Urteil v. 22.07.2014 – VI ZR 357/13; BGH, Urteil v. 26.04.2016 – VI ZR 50/15 u.w.m.).

260

Nach diesen Grundsätzen obliegt den Geschädigten im Rahmen des Wirtschaftlichkeitsgebots grundsätzlich eine gewisse Plausibilitätskontrolle der vom Sachverständigen bei Vertragsschluss geforderten bzw. später berechneten Preise. Zwar sind die Geschädigten grundsätzlich nicht zu einer Erforschung des ihm zugänglichen Markts verpflichtet, um einen möglichst preisgünstigen Sachverständigen ausfindig zu machen. Verlangt der Sachverständige bei Vertragsschluss aber Preise, die - für die Geschädigten erkennbar - deutlich überhöht sind, kann sich die Beauftragung dieses Sachverständigen als nicht erforderlich im Sinne des § 249 Abs. 2 S. 1 BGB erweisen. Die Geschädigten können dann nur Ersatz der für die Erstattung des Gutachtens tatsächlich erforderlichen Kosten verlangen, deren Höhe das Gericht gemäß § ZPO § 287 ZPO zu bemessen hat (vgl. LG Köln Urt. v. 28.2.2018 – 9 S 100/16, BeckRS 2018 mit Verweis auf BGH, Urteil v. BGH 26.04.2016 – VI ZR 50/15 Rn. 13).

261

Dabei bildet nicht die vom Sachverständigen erstellten Rechnung, sondern allein der vom Geschädigten in Übereinstimmung mit der Rechnung (und der ihr zugrunde liegenden getroffenen Preisvereinbarung) tatsächlich erbrachte Aufwand (ex post gesehen) bei der Schadensschätzung nach § ZPO § 287 ZPO ein Indiz für die Bestimmung des zur Herstellung „erforderlichen“ (ex ante zu bemessenden) Betrages (LG Köln Urt. v. 28.2.2018 – 9 S 100/16, BeckRS 2018, 2400). Denn nur darin schlagen sich die beschränkten Erkenntnismöglichkeiten des Geschädigten regelmäßig nieder (BGH, Urteil v. 26.04.2016 -  VI ZR 50/15; LG Köln Urt. v. 28.2.2018 – 9 S 100/16, BeckRS 2018, 2400 m.w.N.).

262

Im Streitfall kommt den vom Kläger zugrunde gelegten Rechnungen keine Indizwirkung für die Erforderlichkeit der von ihm geltend gemachten Kosten zu, weil weder vorgetragen noch ersichtlich ist, dass die Zedenten diese Rechnung beglichen hätten. Im Gegenteil haben Sie – wie ausgeführt – an Erfüllungs statt ihre Ansprüche gegen den Beklagten an den Kläger abgetreten und allein damit ihre Verpflichtung dem Kläger gegenüber erfüllt.

263

Dann besteht der Anspruch auf Ersatz der Kosten für die Beauftragung des Sachverständigen, wenn und soweit diese nicht deutlich überhöht sind und dies für den Geschädigten erkennbar ist (statt vieler LG Köln Urt. v. 28.2.2018 – 9 S 100/16, BeckRS 2018, 2400 m.z.w.N.). Der demnach erforderlichen Plausibilitätskontrolle hält nach Ansicht der Kammer übereinstimmend mit der Auffassung des LG Köln (LG Köln Urt. v. 28.2.2018 – 9 S 100/16, BeckRS 2018, 2400) eine Preisvereinbarung stand, die jedenfalls aus der Sicht des durchschnittlichen, mit der Materie des Gebührenrechts für Sachverständige nicht befassten Geschädigten keine branchenunüblichen Preise beinhaltet. Andernfalls ginge die subjektbezogene Schadensbetrachtung ins Leere (so auch LG Köln Urt. v. 28.2.2018 – 9 S 100/16, BeckRS 2018, 2400).

264

Dabei sind Nebenkosten in der vom Kläger abgerechneten Höhe (ein Kilometergeld von 1,50 €/km, Lichtbildkosten von 3,00 € pro Lichtbild, Schreibkosten von 3,50 € pro Seite, Kopierkosten von 1,00 € pro Seite, Anl. K1, Bl. 42 GA) für die Geschädigten erkennbar überhöht. Mit dem BGH geht die Kammer davon aus, dass es sich bei diesen Positionen um Kosten des täglichen Lebens handelt, mit denen ein Erwachsener üblicherweise im Alltag konfrontiert ist und deren Höhe er typischerweise auch ohne besondere Sachkunde abschätzen kann (BGH, Urteil v. 24.10.2017 - VI ZR 61/17, Rn. 27). Die vom Kläger abgerechneten Nebenkosten überschreiten danach die Schwelle der Erkennbarkeit, weshalb die erforderlichen Nebenkosten zu schätzen sind.

265

Fehlt es - wie hier - an einer vom Zedenten beglichenen Rechnung und einer Honorarvereinbarung, die der Geschädigte für plausibel halten durfte, so ist die Höhe der erforderlichen Kosten unabhängig von Rechnung und Vereinbarung nach freier Überzeugung des Gerichts zu ermitteln, § 287 ZPO.

266

Die Art der Schätzungsgrundlage gibt § ZPO § 287 ZPO nicht vor. Die Schadenshöhe darf lediglich nicht auf der Grundlage falscher oder offenbar unsachlicher Erwägungen festgesetzt werden und wesentliche, die Entscheidung bedingende Tatsachen dürfen nicht außer Acht bleiben. Es ist danach auch möglich, sich an den Ergebnissen der Befragung zur Höhe des üblichen Kfz-Sachverständigenhonorars durch den Bundesverbandes der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen e. V. (BVSK) zu orientieren (vgl. LG Köln Urt. v. 28.2.2018 – 9 S 100/16, BeckRS 2018, 2400 mit Verweis auf OLG Dresden, Urteil v. 19.02.2014 – 7 U 111/12).

267

Als Schätzgrundlage kommen hinsichtlich der Nebenkosten das JVEG sowie die sich am JVEG orientierende BVSK 2015 in Betracht, wobei die BVSK 2015 nach Auffassung der Kammer insoweit vorzugswürdig ist (vgl. zu den Gründen auch ausführlich LG Köln Urt. v. 28.2.2018 – 9 S 100/16, BeckRS 2018, 2400).

268

Dies gilt zunächst hinsichtlich der Fahrtkosten, da sich die diesbezügliche Regelung im JVEG nicht an den tatsächlich entstandenen Kosten, sondern an der Höhe der steuerlichen Anerkennung privat genutzter Fahrzeuge orientiert (LG Köln Urt. v. 28.2.2018 – 9 S 100/16, BeckRS 2018, 2400 mit Verweis auf BT-Drs. 15/1971, S. 180, 232).

269

Das Grundhonorar kann der Kläger in voller Höhe verlangen, weil der vereinbarte Preis für die Zedenten jedenfalls nicht erkennbar überhöht war.

270

Des Weiteren hält es die Kammer mit dem LG Köln für sinnvoll mit der BVSK 2015 für alle Arten von Kopien pauschal 50 Cent anzusetzen.

271

Ausgehend von diesen Grundsätzen steht dem Kläger gegen den Beklagten, der bereits Teilzahlungen an den Kläger vorgenommen hat, nur noch eine Restforderung in Höhe von 2531,43 € zu.

272

Insgesamt setzt die Kammer gem. § 287 ZPO im Einzelnen folgende Beträge an:

273

Ansatz Kläger (Netto)BVSK 2015 hinsichtl. Nebenkosten (Netto)
Fahrtkosten1,50/1,20 €/km0,70 €/km
Lichtbildkosten3,00 €/Foto2,00 €/Foto
Schreibgebühren/Seite Original3,50 €/Seite1,80 €/Seite
Kopierkosten1,00 €/Seite0,50 €/Seite
Porto/Telefon/EDV8/20 €15 €
274

Korrigiert man die vom Kläger geltend gemachten Beträge nach den dargestellten Grundsätzen und berücksichtigt die geleisteten Zahlungen, ergeben sich dann im Einzelnen folgende Beträge (die Kammer nimmt Bezug auf den jeweiligen Klägervortrag zu den einzelnen Fällen und setzt die für die Schätzung maßgeblichen Beträge in die jeweilige ansonsten beizubehaltende Berechnung des Klägers ein. Wenn der Kläger also für den Fall Nr. 1 (O.) 35 km á 1,50 € berechnet (Anl. K1, Bl. 42 GA) geht die Kammer von 35 km á 0,70 € aus u.s.w. von dem dann berechtigten Betrag bringt die Kammer die Zahlung des Beklagten in Abzug; für den Fall H. geht die Kammer einzig von einer Korrektur der Fahrkostenabrechnung aus, sofern dem Kläger nach der Schätzung mehr als das Eingeklagte zustünde, bleibt dies nach § 308 Abs. 1 ZPO unberücksichtigt, es wird dann in Klammern nur der modifizierte Posten genannt und hinter der Klammer der Endbetrag):

275

Fall:                            noch geltend gemacht:                             Noch offen nach Korrektur:

276

1.       O.                                           29,63 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)        0 €

277

2.       H.,                                           59,26 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   29,51 €

278

3.       W.                                           26,65 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)         0 €

279

4.       Q.                                           100,91 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   65,21 €

280

5.       K.                                          Klagerücknahme

281

6.       T.                                           70,57 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   40,82 €

282

7.       G.                                           64,26 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   36,89 €

283

8.       U.                                           32,72 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   5,95 €

284

9.       X.                                           42,40 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   12,40 €

285

10.   X.                                           10,90 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)         0 €

286

11.   E.                                           36,65 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   12,85 €

287

12.   R. e. V.                                   61,64 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   31,89 €

288

13.   N.                                           77,11 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   41,41 €

289

14.   C.                                           38,20 €                             (Klageabweisung)            0 €

290

15.   Z.                                           58,31 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   28,56 €

291

16.   V.                                           23,91 €                             (Klageabweisung)             0 €

292

17.   P.                                            75,09 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   48,31 €

293

18.   J.                                            88,30 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   60,93 €

294

19.   B.                                           79,85 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   53,07 €

295

20.   Y.                                           46,41 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   19,63 €

296

21.   M.                                          99,96 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   73,18 €

297

22.   A.. SA                                     69,02 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   42,24 €

298

23.   F.                                           83,06 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   56,28 €

299

24.   D.                                           110,91 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   83,54 €

300

25.   L.                                           65,33 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   37,96 €

301

26.   S.                                           136,49 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   100,79 €

302

27.   VJ.                                           93,65 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus./   40,10 €

303

  Doppelber. EDV)

304

28.   SA.                                           87,11 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus./   33,55 €

305

Doppelb.  EDV)

306

29.   GK.                                           35,96 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.)   9,16 €

307

30.   MH.                                           86,75 €                             (Fahrtk./ Kom.Paus.    35,81 €

308

Doppelb. EDV)

309

31.   WM.                                           42,96 €                             (Klageabweisung)           0 €

310

32.   NG.                                           118,64 €                             (FK/ KP/ DB EDV)      59,14 €

311

33.   XP. GmbH & Co. KG                      82,90 €                             (FK/ KP/ DB EDV)      39,90 €

312

34.   XR.                                           154,94 €                             (FK/ KP/ DB EDV)      95,43 €

313

35.   QY.                                           98,06 €                             (FK/ KP/ DB EDV)       38,55 €

314

36.   DE.                                           109,72 €                             (FK/ KP/ DB EDV)      50,21 €

315

37.   WZ.                                           48,19 €                             (FK/ KP)                     20,82 €

316

38.   XD.                                           88,30 €                             (FK/ KP/ DB EDV)      28,80 €

317

39.   JQ.                                           98,89 €                             (FK/ KP/ DB EDV)      39,40 €

318

40.   VS.                                           136,06 €                             (FK/ KP)                  112,26 €

319

41.   ZA.                                           19,00 €                             (Klageabweisung)              0 €

320

42.   IX.                                           98,53 €                             (FK/ KP/ DB EDV)        47,36 €

321

43.   RT.                                           41,89 €                             (KP/ DB EDV)              12,13 €

322

44.   JU.                                           101,29 €                             (FK/ KP/ DB EDV)      41,78 €

323

45.   VW.                                           107,10 €                             (FK/ KP)                  80,08 €

324

46.   JV.                                            70,45 €                             (FK/ KP/ DB EDV)        19,87 €

325

47.   DK.                                           69,70 €                             (FK/ KP/ DB EDV)        24,00 €

326

48.   AL.                                           146,01 €                             (FK/ KP/ DB EDV)       86,51 €

327

49.   ZO.                                           77,93 €                             (FK/ KP/ DB EDV)        27,36 €

328

50.   NR.                                           110,91 €                             (FK/ KP/ DB EDV)      57,36 €

329

51.   ME.                                           107,93 €                             (FK/ KP/ DB EDV)     48,43 €

330

52.   LO.                                           59,14 €                             (KP/ DB EDV)             29,39 €

331

53.   RP.                                           85,32 €                             (FK/ KP/ DB EDV)        31,17 €

332

54.   PU.                                           113,20 €                             (FK/ KP/ DB EDV)     76,70 €

333

55.   HW.                                           101,29 €                             (FK/ KP/ DB EDV)    41,78 €

334

56.   EQ.                                           56,17 €                             (FK/ KP/ DB EDV)       11,54 €

335

57.   PE.                                           89,61 €                             (FK/ KP/ DB EDV)       38,43 €

336

58.   GC.                                           164,46 €                             (FK/ KP/ DB EDV)    110,90 €

337

59.   VT.                                           97,22 €                             (FK/ KP/ DB EDV)        36,89 €

338

60.   VY.                                           52,00 €                             (FK/ KP)                      22,25 €

339

61.   M.                                            76,40 €                             (FK/ KP/ DB EDV)       22,85 €

340

62.   VB.                                           129,95 €                             (FK/ KP/ DB EDV)    70,44 €

341

63.   VN.                                           38,44 €                             (FK/ KP)                   11,66 €

342

64.   GR.                                           83,30 €                             (FK/ KP)                    68,66 €

343

65.   QJ.                                           70,45 €                            (FK/ KP/ DB EDV)        19,87 €

344

66.   TL.                                           39,51 €                             (FK/ KP/ DB EDV)         3,80 €

345

67.   NQ.                                           30,70 €                             (Klageabweisung)            0 €

346

68.   LM.                                           44,98 €                             (FK/ KP)                     18,20 €

347

69.   YN.                                           18,21 €                             (FK/ KP/ DB EDV)           2,61 €

348

70.   JG.                                           63,90 €                             (FK/ KP)                     13,32 €

349

71.   S.                                             63,90 €                            (FK/ KP/ DB EDV)        13,32 €

350

Der Inhalt des Schadensersatzanspruchs hat sich dabei durch die Abtretung der Forderung an den Kläger nicht geändert. Der Zessionar erwirbt die Forderung in der Form, wie sie zuvor in der Person des Zedenten bestand (vgl. BGH, Urteil vom 28.02.2017 - VI ZR 76/16; BGH, Urteil v. 19.07.2016 - VI ZR 491/15).

351

Daher ist auch bei einer aus abgetretenem Recht geltend gemachten Forderung auf die Erkenntnismöglichkeiten des Geschädigten und nicht des Klägers abzustellen (BGH, Urteil vom 28.02.2017 - VI ZR 76/17). Da die mit dem Sachverständigen vereinbarten und von ihm abgerechneten Kosten auch für den Geschädigten erkennbar überhöht waren (s. o.), ist der Beklagte insoweit nur verpflichtet, die gemäß den obigen Ausführungen „gekürzten“ Nebenkostenbeträge zu erstatten. Dabei hat der Prozessbevollmächtigte des Klägers im Termin zur mündlichen Verhandlung erklärt, dass zwar Rechtsanwälte, soweit sie in die Fallgestaltung involviert seien, die Gutachten nur per E-Mail erhalten würden, dass aber die Geschädigten in Person das Schadensgutachten inklusive der Bilder stets postalisch erhalten würden. Dem ist der Beklagte nicht entgegengetreten, sodass die Kammer davon ausgeht, dass die vom Kläger geltend gemachten Stückzahlen für die abgerechneten Bilder zutreffen. Darüber hinaus war die Klage abzuweisen.

352

Bezüglich der Fälle (FN.) Nr. 14, (V.) Nr. 16, (WM.) Nr. 31, (ZA.) Nr. 41, (PO.), Nr. 67 war die Klage ebenfalls abzuweisen. Denn der Ersatz der Kosten für einen Sachverständigen ist wegen fehlender Erforderlichkeit ausgeschlossen, wenn ein offensichtlicher Bagatellschaden vorliegt, in derartigen Sachverhalten genügt in der Regel ein Kostenvoranschlag durch eine Kfz.-Werkstatt (BGH NJW 2005, 356, 357; MüKoBGB/Oetker BGB § 249 Rn. 398). Dabei liegt die Wertgrenze für einen Bagatellschaden im Regelfall bei 1000 € (MüKoBGB/Oetker BGB § 249 Rn. 398 m.z.w.N.), Wobei die Umstände des Einzelfalls ein Abweichen von diesem Richtwert rechtfertigen können. Die Kammer schließt sich zunächst der in der ständigen Rechtsprechung weit vertretenen Auffassung an, dass maßgeblich für die Bagatellgrenze der Nettobetrag ist (z. B. LG Arnsberg Urt. v. 7.12.2016 – 3 S 54/16, BeckRS 2016, 123208), sodass zwischen den Parteien unstreitig ist, dass diese Bagatellgrenze in den Fällen Nr. 14, Nr. 16, Nr. 31 und Nr. 41 nicht überschritten ist. Die Kammer verkennt nicht, dass auch bei Unterschreiten der Bagatellgrenze die Einholung eines Sachverständigengutachtens erforderlich sein kann, jedoch sind Gründe warum das in den Fällen Nr. 14, Nr. 16, Nr. 31 und Nr. 41 der Fall sein sollte, nicht substantiiert dargelegt. Obwohl der Kläger sich im Schriftsatz vom 30.09.2019 (Bl. 887 ff.) eindringlich mit der Problematik auseinandersetzt, trägt er zum Fall Nr. 14 (FN.) vor, dass die Fahrzeugseite links „äußerlich offensichtlich“ beschädigt worden sei und auch später „keine weiterreichenden Beschädigungen“ ersichtlich gewesen seien. Dass mit den Reifen „sicherheitsrelevante“ Teile betroffen waren, ändert hieran nichts, weil es um die Erkennbarkeit der Beschädigung geht. Für die Fälle Nr. 16, Nr. 31 und Nr. 41 fehlt es an konkretem Vortrag.

353

Die Einrede der Verjährung greift nicht durch, weil die Forderungen aus dem Jahr 2014 mit Ablauf des 31.12.2017 verjährt wären, der Antrag auf Erlass des Mahnbescheides aber am 27.12.2017 und damit demnächst i.S.v. § 167 ZPO gestellt worden ist, sodass in Anbetracht der Zustellung des Mahnbescheides am 06.01.2018 auf den Antrag abzustellen ist. Damit war die Verjährung gem. § 204 Abs. 1 Nr. 4 BGB seit dem 27.12.2017 gehemmt.

354

Die Zinsen ergeben sich unter Verzugsgesichtspunkten gem. §§ 286 Abs. 1, 2 288 Abs. 1 BGB aus den vom Kläger vorgetragenen und von dem Beklagten nicht substantiiert bestrittenen Rechnungen bzw. den Schreiben des Beklagten, in denen dieser eine weitergehende Regulierung der Einzelschäden ablehnt.

355

Die prozessualen Nebenentscheidungen beruhen auf §§ 92 Abs. 1, 709 ZPO.

356

Der Streitwert wird auf 5.298,56 EUR festgesetzt.