Beiordnung eines Rechtsanwalts in Zwangsvollstreckung wegen Unterhalt bewilligt
KI-Zusammenfassung
Die Gläubigerin beantragt Pfändungs- und Überweisungsbeschluss mit Bewilligung von Prozesskostenhilfe und Beiordnung ihrer bevollmächtigten Anwältin. Das Amtsgericht bewilligte PKH, lehnte jedoch die Beiordnung ab. Die Beschwerde hatte Erfolg: Das Landgericht hält die Beiordnung nach §121 Abs.2 ZPO für erforderlich, insbesondere bei Unterhaltsvollstreckung, und ordnet die Anwältin bei. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden nicht erstattet.
Ausgang: Beschwerde gegen die Ablehnung der Beiordnung als begründet; Beiordnung der Rechtsanwältin zur vorläufig unentgeltlichen Vertretung bewilligt
Abstrakte Rechtssätze
Nach § 121 Abs. 2 ZPO wird einer bedürftigen Partei auf Antrag ein zur Vertretung bereiter Rechtsanwalt beigeordnet, wenn die Vertretung unter Berücksichtigung der tatsächlichen und rechtlichen Schwierigkeiten sowie des Umfangs und der Bedeutung der Angelegenheit erforderlich erscheint.
Im Zwangsvollstreckungsverfahren ist die Beiordnung eines Rechtsanwalts wegen der typischerweise bestehenden tatsächlichen und rechtlichen Schwierigkeiten regelmäßig zu veranlassen.
Bei der Zwangsvollstreckung wegen Unterhaltsansprüchen besteht regelmäßig ein besonderes Bedürfnis nach anwaltlicher Unterstützung, insbesondere wenn die Gläubigerin nicht fachkundig ist, räumlich entfernt wohnt oder der Schuldner sich der Erfüllung entzieht.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden nach § 127 Abs. 4 ZPO nicht erstattet.
Vorinstanzen
Amtsgericht Köln, 287 M 8715/01
Tenor
Auf die Beschwerde der Gläubigerin vom 21.01.2 wird der
Beschluß des Amtsgerichts Köln vo
07.12.2001 - 287 M 8715/01 - , soweit darin die
Beiordnung eines Rechtsanwaltes abgelehnt
ist, abgeändert und neu gefasst:
Der Gläubigerin wird zur vorläufig unentgeltlichen
Wahrnehmung ihrer Rechte Rechtsanwältin
aus C beigeordnet.
Gründe
Die Gläubigerin möchte gegen den Schuldner die Zwangsvollstreckung wegen
rückständigen und laufenden monatlichen Kindes- und Ehegattenunterhalt betreiben.
Sie hat den Erlaß eines Pfändungs- und Überweisungsbeschluß mit der Bewilligung von Prozeßkostenhilfe unter Beiordnung ihrer bevollmächtigten Rechtsanwältin
beantragt.
Gemäß Beschluß vom 07.12.2001 hat das Amtsgericht zwar den begehrten
Pfändungs- und Überweisungsbeschluß unter Bewilligung von Prozeßkostenhilfe
aber ohne Beiordnung der Anwältin beschlossen. Dieser Beschluß ist der Geschäftsstelle des Amtsgerichts mit Verfügung vom selben Tage übergeben worden. Der
Gläubigerin ist er nicht zugestellt, sondern ihr lediglich mitgeteilt worden, daß eine
Beiordnung nicht erfolgen könne. Auf die Bitte nach einem rechtsmittelfähigen
Bescheid hat das Amtsgericht geantwortet, praktisch liege die Zurückweisung im
Pfändungs- und Überweisungsbeschluß.
Der hierauf eingegangenen Beschwerde vom 21.01.2002 hat das Amtsgericht nicht abgeholfen und sie dem Landgericht Köln mit der Begründung vorgelegt, das
vorliegende Verfahren berge keine Probleme, die nur ein Anwalt lösen könne.
Diese Beschwerde ist zulässig (§§ 11 Rechtspflegergesetz, 127 Abs. 2 Satz 2, 567, 569, 574 ZPO).
Sie richtet sich nach altem Recht der ZPO; denn die anzufechtenende Entscheidung vom 07.12.2001 ist mit Verfügung vom 07.12.2001 - d. h. vor dem 01.01.2002 -
der Geschäftsstelle des Amtsgerichts übergeben worden (§ 26 Nr. 10 EGZPO).
Demgemäß ist das Rechtsmittel der einfachen Beschwerde statthaft.
Diese hat auch in der Sache Erfolg.
Gemäß § 121 Abs. 2 Satz 1 ZPO wird der bedürftigen Partei auf ihren Antrag ein zur Vertretung bereiter Rechtsanwalt ihrer Wahl beigeordnet, wenn die Vertretung durch einen Rechtsanwalt erforderlich erscheint. Insoweit muß unter Berücksichtigung der tatsächlichen und rechtlichen Schwierigkeiten sowie des Umfanges und der Bedeutung der Angelegenheit ein sachliches und persönliches Bedürfnis nach anwaltlicher
Unterstützung bestehen.
Im Zwangsvollstreckungsverfahren sollte angesichts der tatsächlichen und rechtlichen Schwierigkeiten beinahe zu jedem Vollstreckungsvorgang die Anwaltbeiordnung die Regel sein (vgl. Zöller-Philippi Kommentar zur ZPO 22. Auflage, § 121 Rd. Nr. 8).
Sie ist jedenfalls bei der Zwangsvollstreckung wegen Unterhaltes regelmäßig geboten (vgl. so die ständige Rechtsprechung der Kammer: Aktenzeichen: 19 T 156/01;
19 T 94/01; 19 T 135/99).
Dieses Bedürfnis nach anwaltlicher Unterstützung liegt auch im vorliegenden Fall vor, was umso mehr gilt, als die Gläubigerin in Süddeutschland lebt, nicht fachkundig ist, das Vollstreckungsgericht seinen Sitz in Köln hat und sich der Schuldner sämtlichen Unterhaltspflichten entzieht.
Demgemäß war die Beiordnung zu bewilligen.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden nicht erstattet (§ 127 Abs. 4 ZPO).