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Finanzgericht Köln·10 K 3871/11·15.01.2013

Kürzung des Vorwegabzugs um 16 % bei geldwertem Vorteil aus früherer Beschäftigung

SteuerrechtEinkommensteuerrechtLohnsteuerrechtAbgewiesen

KI-Zusammenfassung

Der Kläger focht die Kürzung des Vorwegabzugs an, nachdem ein geldwerter Vorteil aus dem Fahrzeugerwerb in der Lohnsteuerbescheinigung ausgewiesen wurde. Streitgegenstand war, ob die 16%-Kürzung nach § 10 Abs. 3 EStG a.F. auch bei Einnahmen aus einem früheren Beschäftigungsverhältnis greift. Das Finanzgericht Köln wies die Klage ab. Es betonte den pauschalierenden Regelungszweck und den maßgeblichen wirtschaftlichen Zusammenhang zu arbeitgeberfinanzierten Zukunftssicherungsleistungen.

Ausgang: Klage gegen Kürzung des Vorwegabzugs um 16 % abgewiesen; Kürzung als rechtmäßig bestätigt

Abstrakte Rechtssätze

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Der Vorwegabzug nach § 10 Abs. 3 EStG a.F. ist um 16 % der Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit ohne Versorgungsbezüge zu kürzen, wenn im Zusammenhang mit diesen Einnahmen Leistungen im Sinne des § 3 Nr. 62 EStG erbracht wurden.

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Für die Anwendung der Kürzungsregel genügt, dass die steuerpflichtigen Einnahmen aus einem früheren Beschäftigungsverhältnis stammen; maßgeblich ist ein wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen den Einnahmen und arbeitgeberfinanzierten Ansprüchen auf Zukunftssicherung.

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Es kommt nicht darauf an, dass die im Veranlagungszeitraum bezogenen Einnahmen mit im selben Jahr erworbenen Anwartschaften verbunden sind; die Vorschrift greift pauschal bei Vorliegen arbeitgeberfinanzierter Zukunftssicherungsleistungen.

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Die gesetzliche Regelung zielt pauschal darauf ab, eine zusätzliche Begünstigung durch den Vorwegabzug auszuschließen, sodass ein genereller Anknüpfungspunkt an Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit ausreichend ist.

Relevante Normen
§ 100 Abs. 1 S. 1 FGO§ 10 Abs. 3 Nr. 2 S. 1 EStG§ 3 Nr. 62 EStG§ 10 Abs. 3 Nr. 2 S. 2 EStG§ 19 EStG§ 19 Abs. 2 EStG

Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

 

Der Kläger trägt die Kosten des Verfahrens.

 

Die Revision wird zugelassen.

Tatbestand

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Zwischen den Beteiligten ist streitig, ob der so genannte Vorwegabzug zu kürzen ist.

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Der Kläger war früher bei der A AG in B als Arbeitnehmer beschäftigt. Er bezieht seit vielen Jahren Versorgungsbezüge seines früheren Arbeitgebers. Im Streitjahr 2009 wurden in der Lohnsteuerbescheinigung auch Einkünfte i.H.v. 5.417,11 EUR bescheinigt, die keine Versorgungsbezüge darstellen. Der Betrag betrifft den geldwerten Vorteil, der im Zusammenhang mit dem Erwerb eines Fahrzeugs vom Kläger zu versteuern ist.

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Im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung wurden vom Beklagten die Vorsorgeaufwendungen nach der Rechtslage 2004 berücksichtigt und dabei der Vorwegabzug um 16 % von 5.417 EUR = 866 EUR gekürzt.

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Den hiergegen eingelegten Einspruch wies der Beklagte mit Einspruchsentscheidung vom 24. November 2011, auf die wegen der Einzelheiten Bezug genommen wird, als unbegründet zurück.

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Mit der Klage trägt der Kläger vor:

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Der Vorwegabzug sei nicht zu kürzen. Die neben den Versorgungsbezügen bescheinigten Bezüge seien nicht für ein aktives Arbeitsverhältnis in einem späteren Zeitraum gezahlt worden. Vielmehr fehle es im Streitjahr an der Ausübung einer Berufstätigkeit, so dass keine Arbeitgeberanteile für die Zukunftssicherung erbracht wurden.

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Der Kläger beantragt,

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den Einkommensteuerbescheid 2009 mit der Maßgabe zu ändern, dass der Vorwegabzug nicht gekürzt wird.

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Der Beklagte beantragt,

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die Klage abzuweisen,

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hilfsweise, die Revision zuzulassen.

Entscheidungsgründe

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Die zulässige Anfechtungsklage ist unbegründet.

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Der angefochtene Einkommensteuerbescheid ist rechtmäßig und verletzt den Kläger deshalb nicht in seinen Rechten, vergleiche § 100 Abs. 1 S. 1 der Finanzgerichtsordnung – FGO –.

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Der Beklagte hat zu Recht den sogenannten Vorwegabzug um 16 % des geldwerten Vorteils gekürzt.

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Nach § 10 Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes in der für 2004 geltenden Fassung – EStG a. F. –, die auch im Streitjahr 2009 anzuwenden ist, gelten für Vorsorgeaufwendungen bestimmte Höchstbeträge. Dabei kommt nach Nr. 2 Satz 1 ein Vorwegabzug i.H.v. 3.068 EUR zur Anwendung.

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Nach § 10 Abs. 3 Nr. 2 S. 2 EStG ist der Vorwegabzug um 16 % der Summe der Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit im Sinne des § 19 EStG ohne Versorgungsbezüge im Sinne des § 19 Abs. 2 EStG zu kürzen, wenn für die Zukunftssicherung des Steuerpflichtigen Leistungen im Sinne des § 3 Nr. 62 EStG erbracht werden.

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Nach Auffassung des erkennenden Senats greift die Kürzung des Vorwegabzugs auch dann ein, wenn es sich um Einnahmen aus einem früheren Beschäftigungsverhältnis handelt. Die Gesetzesentwicklung verdeutlicht, dass der Gesetzgeber die Anwendung der Kürzungsregelung pauschal vor allem davon abhängig machen wollte, ob der Steuerpflichtige Einnahmen aus einem aktiven nichtselbstständigen Beschäftigungsverhältnis bezogen hat und ob ihm im Rahmen dieses Beschäftigungsverhältnisses besondere Vorteile in Gestalt arbeitgeberfinanzierter Ansprüche auf Altersversorgung oder auf Zukunftssicherung zugute gekommen sind, die einen Ausschluss von der mit einem ungekürzten Vorwegabzug verbundenen Begünstigung rechtfertigen. Entgegen der früher geltenden Rechtslage sollte es nicht maßgebend sein, ob auch die im jeweiligen Veranlagungszeitraum bezogenen Einnahmen aus einem solchen Beschäftigungsverhältnis mit im gleichen Jahr erworbenen Ansprüchen oder Leistungen verbunden sind (zu Einzelheiten der Gesetzesentwicklung vergleiche Bundesfinanzhof – BFH –, Urteil vom 26. September 2006 X R 7/05, BFH/NV 2007, 34, Rz. 18 ff.). Es entspricht der Absicht des Gesetzgebers, aus dem Umstand, dass überhaupt Zukunftssicherungsleistungen im Sinne des § 3 Nr. 62 EStG erbracht oder Anwartschaftsrechte auf eine Altersversorgung ohne eigene Beitragsleistung erworben werden, im Wege einer generalisierenden Regelung darauf zu schließen, dass ein weiterer Vorwegabzug nicht geboten ist. Dieser pauschalierende Gedanke greift auch in Fällen, in denen zeitlich nach Beendigung des mit der Gewährung vorwegabzugsschädlicher Vorteile verbundenen Arbeitsverhältnisses Arbeitslohn ausgezahlt wird, der mit der früheren aktiven Tätigkeit in wirtschaftlichem Zusammenhang steht (BFH, a.a.O., Rz. 31). Ein solcher wirtschaftlicher Zusammenhang besteht nicht nur, wenn Arbeitslohn für die aktive Beschäftigungszeit nachgezahlt wird, sondern auch dann, wenn es sich um Arbeitslohn aus einem früheren Beschäftigungsverhältnis handelt.

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Die Kostenentscheidung beruht auf § 135 Abs. 1 FGO.

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Der Senat lässt gemäß § 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO die Revision wegen grundsätzlicher Bedeutung zu.