Berücksichtigung materiell-rechtlicher Einwände gegen den Kostenerstattungsanspruch im Kostenfestsetzungsverfahren
KI-Zusammenfassung
Der Kläger erhob Erinnerung gegen den Kostenerstattungsanspruch des Prozessbevollmächtigten und rügte Verjährung sowie Verwirkung. Das Bundesverwaltungsgericht hält materiell‑rechtliche Einwendungen im Kostenfestsetzungsverfahren grundsätzlich für unzulässig und auf die Vollstreckungsgegenklage verwiesen. Eine Ausnahme gilt, wenn die Einwendungen mit den verfügbaren Mitteln ohne weiteres geklärt werden können; dies scheiterte hier, weil Verjährung (30 Jahre) und Verwirkung nicht gegeben sind.
Ausgang: Erinnerung gegen Kostenfestsetzung als unbegründet abgewiesen; materiell‑rechtliche Einwände überwiegend unberücksichtigt, Ausnahmetatbestand nicht erfüllt
Abstrakte Rechtssätze
Materiell‑rechtliche Einwendungen gegen einen prozessualen Kostenerstattungsanspruch sind im Kostenfestsetzungsverfahren grundsätzlich nicht zu prüfen, sondern sind im Wege der Vollstreckungsgegenklage geltend zu machen.
Ausnahmsweise können materiell‑rechtliche Einwendungen im Kostenfestsetzungsverfahren entschieden werden, wenn sie sich mit den im Verfahren zur Verfügung stehenden Mitteln ohne Weiteres klären lassen; dies gilt insbesondere bei unstreitigen Tatsachen.
Die Einrede der Verjährung gegen den prozessualen Kostenerstattungsanspruch unterliegt einer langen Verjährungsfrist von 30 Jahren.
Für die Annahme einer Verwirkung sind neben dem Zeitmoment konkrete Umstände erforderlich; bloßes jahrelanges Nichtrechnenmüssen mit einer Geltendmachung begründet ohne das Umstandsmoment keine Verwirkung oder treuwidriges Verhalten.
Gründe
Die gemäß §§ 151,165 VwGO zulässige Erinnerung ist unbegründet.
Der Kläger beruft sich gegenüber dem von dem Prozessbevollmächtigten des Beklagten aufgrund des Kostenausspruchs im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. November 2001 geltend gemachten Kostenerstattungsanspruch auf Verjährung; er hält den Anspruch darüber hinaus wegen Zeitablaufs für verwirkt. Damit macht er materiell-rechtliche Einwände gegen den mit dem Kostenfestsetzungsantrag geltend gemachten prozessualen Kostenerstattungsanspruch geltend. Materiell-rechtliche Einwände gegen den Kostenerstattungsanspruch sind - wie im angegriffenen Beschluss zutreffend dargelegt - im Kostenfestsetzungsverfahren grundsätzlich nicht zu berücksichtigen, sondern mit der Vollstreckungsgegenklage geltend zu machen (vgl. BGH, Beschluss vom 23. März 2006 - V ZB 189.05 - NJW 2006, 1962 m.w.N.).
Ausnahmsweise können im Kostenfestsetzungsverfahren allerdings solche materiell-rechtlichen Einwendungen erhoben und beschieden werden, die sich mit den im Kostenfestsetzungsverfahren zur Verfügung stehenden Mitteln ohne Weiteres klären lassen. Hierzu können auch die von dem Kläger erhobenen Einwendungen gehören, wenn die ihnen zugrunde liegenden Tatsachen unstreitig sind. So liegt es hier. Die Einrede der Verjährung muss ohne Erfolg bleiben, weil die Verjährungsfrist des prozessualen Kostenerstattungsanspruchs 30 Jahre beträgt (BGH a.a.O. m.w.N.). Der Kläger kann sich ferner nicht mit Erfolg auf Verwirkung oder sonstiges treuwidriges Verhalten berufen. Auch insoweit ist der Sachverhalt geklärt. Der Kläger stützt sich allein darauf, dass er nach über zehn Jahren nicht mehr mit einer Geltendmachung des Kostenerstattungsanspruchs rechnen musste. Damit ist weder das für die Annahme einer Verwirkung zusätzlich zu dem Zeitmoment erforderliche Umstandsmoment noch sind Anhaltspunkte für ein sonstiges gegen Treu und Glauben verstoßendes Verhalten dargetan.