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BVerwG·7 C 8/18·28.11.2019

Revision wegen sofortiger Vollziehbarkeit und Zwangsgeld bei Untersagung der Altpapiersammlung

Öffentliches RechtAbfallrechtAllgemeines VerwaltungsrechtStattgegeben

KI-Zusammenfassung

Die Klägerin (Entsorgungsunternehmen) rügt die Anordnung der sofortigen Vollziehbarkeit und die Androhung eines Zwangsgeldes gegen ihre gewerbliche Altpapiersammlung. Das BVerwG gibt der Revision statt und hebt das Urteil des Bayerischen VGH auf, weil die zugrunde liegende Untersagungsverfügung rechtswidrig ist. Mangels rechtmäßiger Hauptentscheidung fehlt damit die Basis für Vollziehbarkeit und Zwangsgeld. Die Kostenentscheidung stützt sich auf §§154,159 VwGO i.V.m. §100 ZPO.

Ausgang: Revision als begründet – Anordnung der sofortigen Vollziehbarkeit und Zwangsgeldandrohung mangels rechtlicher Grundlage aufgehoben

Abstrakte Rechtssätze

1

Die Anordnung der sofortigen Vollziehbarkeit einer Verwaltungsverfügung und die Androhung eines Zwangsgeldes setzen eine rechtmäßige zugrunde liegende Hauptentscheidung voraus; ist diese rechtswidrig, fehlt die Rechtsgrundlage für Vollziehbarkeit und Zwangsgeld.

2

Verstößt eine Untersagungsverfügung gegen Bundesrecht, ist eine darauf gestützte sofortige Vollziehbarkeit und Zwangsgeldandrohung aufzuheben.

3

Die Revision ist nach §137 Abs.1 Nr.1 VwGO zulässig, wenn die Entscheidung der Vorinstanz Bundesrecht verletzt.

4

Über die Kosten des Revisionsverfahrens entscheidet das Gericht nach §§154, 159 VwGO i.V.m. §100 ZPO.

Relevante Normen
§ 137 Abs. 1 Nr. 1 VwGO§ 154 Abs. 1 und 3 VwGO; § 159 Satz 1 VwGO i.V.m. § 100 Abs. 1 ZPO

Vorinstanzen

vorgehend Bayerischer Verwaltungsgerichtshof, 12. Oktober 2017, Az: 20 B 17.282, Urteil

vorgehend VG München, 16. Oktober 2014, Az: M 17 K 13.1047, Urteil

Tatbestand

1

Die Klägerin, ein Entsorgungsunternehmen, wendet sich gegen die Anordnung der sofortigen Vollziehbarkeit der Untersagung der gewerblichen Sammlung von Altpapier und die hiermit verbundene Androhung eines Zwangsgeldes.

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Mit Bescheid vom 14. Januar 2013 untersagte der Beklagte der Klägerin die weitere Durchführung der seit 2008 betriebenen gewerblichen Sammlung von Altpapier im Holsystem ab dem 1. September 2013 (siehe hierzu Urteil des Senats vom 28. November 2019 im parallelen Verfahren BVerwG 7 C 9.18).

3

Mit weiterem Bescheid vom 21. Februar 2013 ordnete der Beklagte die sofortige Vollziehbarkeit des Bescheides vom 14. Januar 2013 ab dem 1. September 2013 an. Für den Fall der Zuwiderhandlung wurde der Klägerin zugleich ein Zwangsgeld in Höhe von 10 000 € angedroht.

4

Die gegen den Bescheid vom 21. Februar 2013 gerichtete Klage hatte vor dem Verwaltungsgericht Erfolg. Der Verwaltungsgerichtshof hat das Urteil geändert und die Klage abgewiesen.

5

Die Klägerin beantragt,

das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 12. Oktober 2017 aufzuheben und die Berufung des Beklagten gegen das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichts München vom 16. Oktober 2014 zurückzuweisen.

6

Der Beklagte und der Beigeladene beantragen,

die Revision zurückzuweisen.

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Beklagter und Beigeladener verteidigen das angefochtene Urteil.

Entscheidungsgründe

8

Die zulässige Revision ist begründet. Das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs beruht auf der Verletzung von Bundesrecht (§ 137 Abs. 1 Nr. 1 VwGO).

9

Die der Anordnung der sofortigen Vollziehbarkeit sowie der Androhung eines Zwangsgeldes zugrunde liegende Untersagung der gewerblichen Altpapiersammlung der Klägerin verstößt gegen Bundesrecht. Zu den Gründen wird auf das zwischen den Beteiligten ergangene Urteil des Senats vom 28. November 2019 im parallelen Verfahren BVerwG 7 C 9.18, das die Untersagungsverfügung des Beklagten zum Gegenstand hat, Bezug genommen. Mit Blick auf die Rechtswidrigkeit der Untersagungsverfügung fehlt für die angeordnete sofortige Vollziehbarkeit und die Androhung eines Zwangsgeldes die rechtliche Grundlage.

10

Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 1 und 3 sowie § 159 Satz 1 VwGO i.V.m. § 100 Abs. 1 ZPO.