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BVerfG·1 BvR 2124/20·19.10.2020

Nichtannahmebeschluss: Rechtsschutzgarantie zwingt nicht zur erneuten gerichtlichen Verbescheidung bereits entschiedener Fragen - gerichtliches Informationsschreiben kein mit der Verfassungsbeschwerde angreifbarer Hoheitsakt

Öffentliches RechtVerfassungsrechtVerfahrensrechtVerworfen

KI-Zusammenfassung

Der Beschwerdeführer wendet sich gegen ein gerichtliches Informationsschreiben und mehrere Entscheidungen im Vollstreckungsstreit. Das BVerfG nimmt die Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung an. Es stellt fest, dass Informationsschreiben keine angreifbaren Hoheitsakte sind und der Beschwerdeführer nicht substantiiert dargelegt habe, in eigenen Rechten verletzt zu sein. Die Androhung, rein wiederholte Vorbringen künftig nicht zu beantworten, verletzt die Rechtsschutzgarantie nicht.

Ausgang: Verfassungsbeschwerde gegen Informationsschreiben und Beschlüsse als unzulässig verworfen; Informationsschreiben kein Hoheitsakt und keine dargelegte Verletzung eigener Rechte

Abstrakte Rechtssätze

1

Informationsschreiben eines Gerichts sind keine hoheitlichen Akte im Sinne des § 90 Abs. 1 BVerfGG und damit nicht Gegenstand einer Verfassungsbeschwerde.

2

Eine Verfassungsbeschwerde ist unzulässig, wenn nicht hinreichend dargelegt wird, dass der Beschwerdeführer in eigenen Rechten verletzt ist (vgl. §§ 23 Abs.1 S.2, 92 BVerfGG).

3

Die Gewährleistung effektiven Rechtsschutzes (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 20 Abs. 3 GG) verpflichtet Gerichte, Streitgegenstände tatsächlich und rechtlich umfassend zu prüfen und verbindlich zu entscheiden.

4

Gerichte sind nicht verpflichtet, über rein wiederholende Vorbringen zu bereits rechtskräftig entschiedenen Fragen erneut zu bescheiden; Hinweise, künftig derartige Eingaben nicht mehr zu beantworten, verletzen nicht per se den effektiven Rechtsschutz.

Zitiert von (2)

2 zustimmend

Relevante Normen
§ Art 2 Abs 1 GG§ Art 19 Abs 4 GG§ Art 20 Abs 3 GG§ 23 Abs 1 S 2 BVerfGG§ 90 Abs 1 BVerfGG§ 92 BVerfGG

Vorinstanzen

vorgehend LG Köln, 12. August 2020, Az: 34 T 74/20, Beschluss

vorgehend LG Köln, 14. Juli 2020, Az: 34 T 74/20, Beschluss

vorgehend AG Köln, 12. Juni 2020, Az: 287 M 1906/19, Beschluss

vorgehend AG Köln, 4. Mai 2020, Az: 123 AR 16/20, Beschluss

Tenor

Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.

Gründe

1

Der Beschwerdeführer wendet sich gegen ein gerichtliches Informationsschreiben und mehrere gerichtliche Entscheidungen im Streit um einen Vollstreckungsauftrag. Seine Verfassungsbeschwerde ist jedoch unzulässig. Informationsschreiben eines Gerichts sind keine Hoheitsakte, die mit der Verfassungsbeschwerde angegriffen werden könnten (vgl. § 90 Abs. 1 BVerfGG). Hinsichtlich der angegriffenen Entscheidungen lässt die Begründung der Verfassungsbeschwerde (§ 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG) in keiner Weise erkennen, dass der Beschwerdeführer in eigenen Rechten verletzt sein könnte.

2

Der Beschwerdeführer zeigt insbesondere nicht die Möglichkeit auf, in seinem Recht auf effektiven Rechtsschutz (Art. 2 Abs. 1 GG in Verbindung mit Art. 20 Abs. 3 GG) deshalb beschränkt worden zu sein, weil ihn die Kammer des Landgerichts am Ende des angefochtenen Beschlusses vom 12. August 2020 - 34 T 74/20 - über seine Gehörsrüge darauf hingewiesen hat, "dass erneutes Vorbringen ähnlicher Art in Zukunft nicht mehr beantwortet wird". Zwar wäre die Rechtsschutzgarantie offensichtlich verletzt, wenn Anträge von Bürgerinnen und Bürgern von den Gerichten nicht mehr bearbeitet würden. Die Gerichte müssen vielmehr jeden Streitgegenstand grundsätzlich umfassend tatsächlich und rechtlich prüfen und verbindlich in der Sache entscheiden (vgl. BVerfGE 54, 277 <291>; 85, 337 <345>; 107, 395 <401>). Das hat das Landgericht hier auch getan.

3

Die lediglich informatorische Aussage zum zukünftigen Umgang mit Eingaben des Beschwerdeführers beschwert diesen schon nicht. Ungeachtet dessen ist sie verfassungsrechtlich zwingend so zu verstehen, dass sich das Gericht mit weiteren Anträgen des Beschwerdeführers selbstverständlich tatsächlich und rechtlich befassen und über sie entscheiden wird. Demgegenüber gehört es nicht zum effektiven Rechtsschutz, auch rein wiederholendes Vorbringen bei gleichem Sachverhalt, über den bereits rechtskräftig entschieden worden ist, nochmals zu bescheiden (vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 21. November 2018 - 1 BvR 1653/18 u.a. -, Rn. 5 f. m.w.N.; zu wiederholten Anträgen, die eine deutliche Missachtung des Gerichts zum Ausdruck bringen BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 21. August 2001 - 2 BvR 282/00 -, Rn. 11 m.w.N.). Nur darauf kann sich die Aussage des Landgerichts beziehen, denn über rein wiederholende Anträge zu entschiedenen Fragen müssen die Gerichte nicht immer wieder entscheiden.

4

Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

5

Diese Entscheidung ist unanfechtbar.