Verfahrenskostenhilfe: Versagung wegen Mutwilligkeit der beabsichtigten Rechtsverfolgung
KI-Zusammenfassung
Der Antragsgegner suchte Verfahrenskostenhilfe für eine Rechtsbeschwerde gegen die Zurückweisung seiner Anträge im Scheidungsverfahren. Das BGH lehnte den PKH-Antrag ab, weil die beabsichtigte Rechtsverfolgung mutwillig im Sinne von §113 FamFG i.V.m. §114 ZPO erscheint. Zwar bestehe eine hinreichende Erfolgsaussicht, doch fehlen Anhaltspunkte für Nichtigkeits- oder Restitutionsgründe; ein verständiger, vermögender Beteiligter würde von der Verfolgung absehen.
Ausgang: Antrag auf Verfahrenskostenhilfe für die Rechtsbeschwerde wegen Mutwilligkeit der Rechtsverfolgung abgelehnt
Abstrakte Rechtssätze
Die Bewilligung von Verfahrenskostenhilfe setzt voraus, dass die beabsichtigte Rechtsverfolgung nicht mutwillig erscheint (§113 FamFG i.V.m. §114 ZPO).
Rechtsverfolgung ist mutwillig, wenn bei verständiger Würdigung aller Umstände ein Beteiligter, der keine Prozesskostenhilfe beansprucht, von der Verfolgung absehen würde, obwohl eine hinreichende Aussicht auf Erfolg besteht (§114 Abs. 2 ZPO).
Selbst bei vorhandener hinreichender Erfolgsaussicht kann Verfahrenskostenhilfe versagt werden, wenn konkrete Umstände fehlen, die das Rechtsmittel auf substanzielle Nichtigkeits- oder Restitutionsgründe stützen würden.
Ein Gericht darf eine privatschriftlich eingelegte Beschwerde wegen Verstoßes gegen den Anwaltszwang nicht verwerfen, ohne zuvor über einen gestellten Antrag auf Verfahrenskostenhilfe entschieden zu haben.
Vorinstanzen
vorgehend OLG Frankfurt, 7. September 2016, Az: 3 UF 134/16
vorgehend AG Frankfurt, 27. April 2016, Az: 409 F 9126/10
Leitsatz
Zur Annahme von Mutwilligkeit einer beabsichtigten Rechtsverfolgung.
Tenor
Der Antrag des Antragsgegners auf Gewährung von Verfahrenskostenhilfe für das Rechtsbeschwerdeverfahren wird abgelehnt.
Gründe
I.
Mit seit 9. August 2014 rechtskräftigem Beschluss des Amtsgerichts Frankfurt am Main wurde die Ehe des Antragsgegners mit der Antragstellerin geschieden und der Versorgungsausgleich durchgeführt. Am 12. März 2016 hat der Antragsgegner beim Amtsgericht Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt. Diesen Antrag hat das Amtsgericht zurückgewiesen. Hiergegen hat der Antragsgegner beim Amtsgericht privatschriftlich Beschwerde eingelegt und „PKH; Beiordnung eines Rechtsanwalts aus der Staatskasse“ beantragt. Das Oberlandesgericht hat die Beschwerde verworfen, weil sie nicht von einem Rechtsanwalt eingelegt worden sei, und Verfahrenskostenhilfe versagt, weil es der unzulässigen Beschwerde an der Erfolgsaussicht fehle. Dagegen möchte der Antragsgegner Rechtsbeschwerde führen, wofür er um Gewährung von Verfahrenskostenhilfe nachsucht.
II.
Dem Betroffenen ist die Gewährung von Verfahrenskostenhilfe für das Rechtsbeschwerdeverfahren zu versagen, weil seine beabsichtigte Rechtsverfolgung mutwillig im Sinne von §§ 113 Abs. 1 FamFG, 114 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 ZPO ist.
1. Der beabsichtigten Rechtsbeschwerde fehlt es allerdings nicht an der hinreichenden Erfolgsaussicht im Sinne des § 114 Abs. 1 Satz 1 ZPO. Denn die Beschwerdeentscheidung ist rechtlich unzutreffend, weil das Oberlandesgericht die Beschwerde nicht wegen Verstoßes gegen den Anwaltszwang verwerfen durfte, ohne zuvor über den Verfahrenskostenhilfeantrag des Antragsgegners zu entscheiden (vgl. Senatsbeschluss vom 4. November 2015 - XII ZB 289/15 - FamRZ 2016, 209 Rn. 5 f.).
2. Gleichwohl kommt die Gewährung von Verfahrenskostenhilfe hier nicht in Betracht.
Gemäß § 113 Abs. 1 FamFG in Verbindung mit § 114 Abs. 1 Satz 1 ZPO setzt die Bewilligung von Verfahrenskostenhilfe auch voraus, dass die Rechtsverfolgung nicht mutwillig erscheint. Nach der Legaldefinition des § 114 Abs. 2 ZPO ist die Rechtsverfolgung mutwillig, wenn eine Partei, die keine Prozesskostenhilfe beansprucht, bei verständiger Würdigung aller Umstände von der Rechtsverfolgung absehen würde, obwohl eine hinreichende Aussicht auf Erfolg besteht.
So liegt der Fall hier. Der Antragsgegner hat keinerlei Umstände genannt, die einen Nichtigkeitsantrag gemäß §§ 118 FamFG, 579 ZPO oder einen Restitutionsantrag nach §§ 118 FamFG, 580 ZPO auch nur ansatzweise begründen könnten. Gleiches gilt, worauf das Amtsgericht bereits zutreffend hingewiesen hat, für die vom Antragsgegner in seinem Antragsschreiben ebenfalls angesprochene Abänderung der Entscheidung über den Versorgungsausgleich. Von einer im Ergebnis solcherart aussichtslosen Rechtsverfolgung würde ein vermögender Beteiligter bei verständiger Würdigung absehen und nicht Kosten für ein Rechtsbeschwerdeverfahren verursachen, die er mangels materieller Erfolgschancen letztlich jedenfalls selbst zu tragen hätte.
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