Wohnraummiete: Anforderungen an ein Mieterhöhungsverlangen unter Bezugnahme auf einen Mietspiegel
KI-Zusammenfassung
Der Vermieter forderte eine Mieterhöhung unter Bezugnahme auf den Mietspiegel; der Mieter beanstandete, der Mietspiegel sei nicht beigefügt. Der BGH hält ein Verlangen nach § 558a BGB für genügend, wenn der Mietspiegel allgemein zugänglich ist. Auch Abgabe durch private Vereinigungen gegen geringe Schutzgebühr genügt. Ein Hinweis, wo der Spiegel erhältlich ist, ist grundsätzlich nicht erforderlich; Ausnahmen sind einzelfallabhängig.
Ausgang: Revision des Beklagten wegen fehlender Erfolgsaussicht gemäß § 552a ZPO zurückzuweisen
Abstrakte Rechtssätze
Ein Mieterhöhungsverlangen nach § 558a BGB erfüllt die gesetzlichen Anforderungen auch dann, wenn der Mietspiegel nicht beigefügt ist, sofern der Mietspiegel allgemein zugänglich ist.
Ein Mietspiegel gilt als allgemein zugänglich, wenn er etwa von privaten Vereinigungen gegen eine geringe Schutzgebühr an jedermann abgegeben wird.
Ein Hinweis im Mieterhöhungsverlangen auf die Stellen, bei denen der Mietspiegel erhältlich ist, ist grundsätzlich nicht erforderlich; die Ermittlung von Adresse und Öffnungszeiten ist dem Mieter regelmäßig zumutbar.
Ob aus persönlichen Gründen (z. B. Alter, Krankheit) die Unzumutbarkeit der Informationsbeschaffung vorliegt, ist eine vom Tatrichter im Einzelfall zu treffende Feststellung.
Zitiert von (3)
1 zustimmend · 1 ablehnend · 1 neutral
Vorinstanzen
vorgehend LG Wiesbaden, 23. Juli 2009, Az: 2 S 36/09
vorgehend AG Wiesbaden, 16. März 2009, Az: 92 C 9061/08-82
Tenor
Der Senat beabsichtigt, die Revision des Beklagten gemäß § 552a ZPO zurückzuweisen.
Gründe
Ein Grund für die Zulassung der Revision liegt nicht vor (§ 552a Satz 1, § 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1, Nr. 2 ZPO). Die Rechtssache hat weder grundsätzliche Bedeutung noch ist eine Entscheidung des Revisionsgerichts zur Fortbildung des Rechts oder zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erforderlich. Die Revision hat auch keine Aussicht auf Erfolg.
1. Der Senat hat bereits entschieden, dass ein Mieterhöhungsverlangen regelmäßig auch dann den Anforderungen des § 558a BGB genügt, wenn der Mietspiegel, auf den in dem Erhöhungsverlangen Bezug genommen wird, nicht beigefügt ist, sofern der Mietspiegel allgemein zugänglich ist (Senatsurteil vom 12. Dezember 2007 - VIII ZR 11/07, NJW 2008, 573 Rn. 15). Allgemein zugänglich ist der Mietspiegel auch dann, wenn er gegen eine geringe Schutzgebühr von privaten Vereinigungen an jedermann abgegeben wird (Senatsbeschluss vom 28. April 2009 - VIII ZB 7/08, NJW-RR 2009, 1021 Rn. 6; Senatsurteil vom 30. September 2009 - VIII ZR 276/06, NZM 2010, 40 Rn. 10 f.).
So ist es hier. Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts wird der Mietspiegel der Stadt Wiesbaden von dem Mieterschutzverein e.V. und der Vereinigung der Haus-, Wohnungs- und Grundstückseigentümer gegen eine Schutzgebühr von 3 € an jedermann abgegeben.
Entgegen der Auffassung der Revision bedarf es grundsätzlich keines Hinweises in dem Mieterhöhungsverlangen auf die Stellen, bei denen der Mietspiegel erhältlich ist. Denn die Existenz von Mietervereinigungen und Grundstückseigentümerverbänden ist allgemein bekannt. Die Adresse und die Öffnungszeiten der Geschäftsstellen der genannten Vereinigungen zu ermitteln, ist dem Mieter regelmäßig zumutbar. Ob dies - wie die Revision meint - anders zu sehen wäre, wenn es in der Person des Mieters liegende Gründe (Alter/Krankheit) verhinderten, dass dieser sich die erforderlichen Informationen zum Erhalt des Mietspiegels verschafft, ist eine der Bewertung des Tatrichters obliegende Frage des Einzelfalls, die sich einer generellen Betrachtung entzieht. Im Streitfall sind derartige in der Person des Beklagten liegende Hinderungsgründe weder vom Berufungsgericht festgestellt noch vorgetragen worden.
2. Es besteht Gelegenheit zur Stellungnahme innerhalb von drei Wochen nach Zustellung dieses Beschlusses.
Ball Dr. Frellesen Dr. Hessel
Dr. Achilles Dr. Schneider
Hinweis:
Das Revisionsverfahren ist durch Revisionsrücknahme erledigt worden.
| Ball | Dr. Hessel | Dr. Schneider | |||
| Dr. Frellesen | Dr. Achilles | Hinweis: |