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BGH·VII ZR 254/12·06.06.2013

Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren: Prüfung der Zulässigkeit der Berufung und einer stillschweigenden Verlängerung der Berufungsbegründungsfrist

VerfahrensrechtZivilprozessrechtRechtsmittelrechtVerworfen

KI-Zusammenfassung

Der Kläger rügt die Nichtzulassung der Revision gegen die Zurückweisung seiner Berufung. Das Revisionsgericht prüft die Zulässigkeit der Berufung von Amts wegen und stellt fest, dass die Berufungsbegründung nicht innerhalb der bis 8.8.2011 verlängerten Frist einging. Eine stillschweigende Fristverlängerung kann daraus nicht abgeleitet werden, weil kein entsprechender Antrag gestellt wurde. Die Beschwerde wird deshalb zurückgewiesen.

Ausgang: Nichtzulassungsbeschwerde gegen Nichtzulassung der Revision als unbegründet zurückgewiesen; Berufung unzulässig mangels fristgerechter Begründung und ohne beantragte Fristverlängerung.

Abstrakte Rechtssätze

1

Die Zulässigkeit der Berufung ist im Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde und im Revisionsverfahren von Amts wegen zu prüfen.

2

Eine Berufung ist unzulässig, wenn die Berufungsbegründung nicht innerhalb der befristet verlängerten Frist eingeht und keine wirksame Fristverlängerung beantragt wurde.

3

Aus der sachlichen Entscheidung des Berufungsgerichts über eine Berufung lässt sich keine stillschweigende Verlängerung der Berufungsbegründungsfrist ableiten; eine Fristverlängerung setzt einen entsprechenden Antrag voraus.

4

Selbst wenn Zulassungsgründe für die Revision vorlägen, führt die von vornherein unzulässige Berufung dazu, dass nach Zulassung die Berufung von Amts wegen als unzulässig verworfen würde.

Relevante Normen
§ 230 ZPO§ 233 ZPO§ 520 Abs 2 ZPO§ 97 Abs. 1 ZPO§ 522 Abs. 2 ZPO

Vorinstanzen

vorgehend OLG Rostock, 16. Juli 2012, Az: 4 U 53/11

vorgehend LG Rostock, 20. Mai 2011, Az: 3 O 537/10

Tenor

Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Beschluss des 4. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Rostock vom 16. Juli 2012 wird zurückgewiesen.

Der Kläger hat die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen (§ 97 Abs. 1 ZPO).

Gegenstandswert: 68.568,56 €

Gründe

1

1. Der Kläger hat gegen das seine Klage abweisende Urteil des Landgerichts durch seine damaligen Prozessbevollmächtigten fristgerecht Berufung eingelegt. Auf deren Antrag wurde die Berufungsbegründungsfrist bis 8. August 2011 verlängert. Die Berufungsbegründung ging per Fax am 9. August 2011 bei dem Berufungsgericht ein. Dieses hat mit Beschluss vom 16. Juli 2012 gemäß § 522 Abs. 2 ZPO die Berufung zurückgewiesen. Gegen diesen Beschluss richtet sich die Nichtzulassungsbeschwerde des Klägers, mit der er nach Zulassung der Revision seine Klageforderung weiterverfolgen will.

2

2. Die Beschwerde des Klägers war zurückzuweisen. Im Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde ist wie im Revisionsverfahren die Zulässigkeit der Berufung von Amts wegen zu prüfen (BGH, Urteil vom 14. November 2007 - VIII ZR 340/06, NJW 2008, 218 m.w.N.). Diese Prüfung hat ergeben, dass die Berufung des Klägers unzulässig war, weil der Kläger sein Rechtsmittel nicht innerhalb der bis zum 8. August 2011 verlängerten Berufungsbegründungsfrist begründet hat. Entgegen der Auffassung der Beschwerde kann aus dem Umstand, dass das Berufungsgericht dennoch über die Berufung sachlich entschieden hat, eine stillschweigende Verlängerung der Berufungsbegründungsfrist nicht abgeleitet werden. Eine Fristverlängerung setzt einen entsprechenden Antrag voraus. Einen solchen Antrag hat der Kläger nicht gestellt. War damit die Berufung als unzulässig zu verwerfen, kann die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision gegen den die Berufung des Klägers zurückweisenden Beschluss keinen Erfolg haben. Die von der Nichtzulassungsbeschwerde geltend gemachten Zulassungsgründe sind jedenfalls nicht entscheidungserheblich. Denn selbst wenn sie vorliegen sollten, müsste nach Zulassung der Revision von Amts wegen die Berufung ohne weiteres als unzulässig verworfen werden.

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