Auskunftsanspruch eines Insolvenzverwalters: Rechtsweg bei Ansprüchen nach dem Informationsfreiheitsrecht
KI-Zusammenfassung
Der Insolvenzverwalter begehrt Auskunft nach Informationsfreiheitsgesetzen und richtet eine Nichtzulassungsbeschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision. Streitpunkt ist, ob dieser Auskunftsanspruch öffentlich‑rechtlich ist und vor den Zivilgerichten geltend gemacht werden kann. Der BGH weist die Beschwerde zurück und folgt der BVerwG‑Rechtsprechung, wonach Informationsansprüche öffentlich‑rechtlich sind und in die Zuständigkeit der Verwaltungsgerichte fallen. Der öffentlich‑rechtliche Anspruch beeinflusst nicht den zivilrechtlichen Anspruch aus § 242 BGB.
Ausgang: Nichtzulassungsbeschwerde des Insolvenzverwalters gegen die Nichtzulassung der Revision zurückgewiesen
Abstrakte Rechtssätze
Ansprüche aus Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes oder der Länder sind öffentlich‑rechtliche Ansprüche und fallen grundsätzlich in die Zuständigkeit der Verwaltungsgerichte.
Ein öffentlich‑rechtlicher Auskunftsanspruch nach Informationsgesetzen kann nicht vor den Zivilgerichten geltend gemacht werden.
Der öffentlich‑rechtliche Auskunftsanspruch berührt nicht Inhalt und Umfang eines zivilrechtlichen Auskunftsanspruchs, der sich aus § 242 BGB ableiten lässt.
Die Nichtzulassung der Revision ist nur dann aufzuheben, wenn die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat, die Fortbildung des Rechts erfordert oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung dies verlangt.
Vorinstanzen
vorgehend Hanseatisches Oberlandesgericht Hamburg, 19. Februar 2014, Az: 1 U 197/12
vorgehend LG Hamburg, 23. Oktober 2012, Az: 303 O 469/11
Tenor
Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 1. Zivilsenats des Hanseatischen Oberlandesgerichts Hamburg vom 19. Februar 2014 wird auf Kosten des Klägers zurückgewiesen.
Der Wert des Beschwerdeverfahrens wird auf 1.123.671,22 € festgesetzt.
Gründe
Die Nichtzulassungsbeschwerde ist statthaft (§ 544 Abs. 1 Satz 1 ZPO) und zulässig (§ 544 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 ZPO). Sie hat jedoch keinen Erfolg. Die Rechtssache hat weder grundsätzliche Bedeutung, noch erfordert die Fort-bildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts (§ 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO). Insbesondere bedarf die Frage, ob der Insolvenzverwalter einen Auskunftsanspruch nach den Informationsgesetzen des Bundes und der Länder, etwa nach dem Hamburgischen Informationsfreiheitsgesetz oder dem Hamburgischen Transparenzgesetz, im Insolvenzanfechtungsprozess vor den Zivilgerichten geltend machen kann, keiner Klärung mehr. Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass es sich bei diesem Anspruch um einen öffentlich-rechtlichen Anspruch handelt, der in die Zuständigkeit der Verwaltungsgerichte fällt (BVerwG, ZIP 2012, 2417 und ZIP 2013, 1252; vgl. auch BFH, ZIP 2011, 883 und ZIP 2013, 1252). Er kann nicht vor den Zivilgerichten geltend gemacht werden. Auf Inhalt und Umfang des zivilrechtlichen, aus § 242 BGB abgeleiteten Auskunftsanspruchs (vgl. dazu BGH, Urteil vom 13. August 2009 - IX ZR 58/06, WM 2009, 1942 Rn. 6 f mwN) hat dieser öffentlich-rechtliche Anspruch keinen Einfluss.
Die geltend gemachten Verletzungen von Verfahrensgrundrechten hat der Senat geprüft, aber für nicht durchgreifend erachtet.
Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 Halbs. 2 ZPO abgesehen, weil sie nicht geeignet wäre, zur Klärung der Voraussetzungen beizutragen, unter denen eine Revision zuzulassen ist.
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