Revision im Strafverfahren: Anforderungen an das Rügevorbringen hinsichtlich der Verwertbarkeit von Angaben eines verdeckten Ermittlers
KI-Zusammenfassung
Der BGH begrenzt die Einziehung auf sichergestellte Betäubungsmittel und weist die sonstigen Revisionen als unbegründet zurück. Er prüft insbesondere Rügen zur Öffentlichkeit (§338 Nr.6 StPO) und zur Verwertbarkeit von Angaben verdeckter Ermittler. Zur Unzulässigkeit einer Verwertungsrüge nach §344 Abs.2 S.2 StPO führt der Senat detaillierte Vortragspflichten des Revisionsführers aus. Insgesamt erachtet das Gericht die richterliche Zustimmung nach §110b Abs.2 S.1 StPO als nicht beanstandet.
Ausgang: Revision des Angeklagten teilweise stattgegeben (Einziehung beschränkt), sonstige Revisionen/weiterer Teil der Revision verworfen
Abstrakte Rechtssätze
Eine Rüge wegen Verletzung der Öffentlichkeit des Verfahrens (§ 338 Nr. 6 StPO) ist unbegründet, wenn die behaupteten Umstände keine entscheidungserhebliche Beteiligung oder Vernehmung externer Personen zur Sache erkennen lassen.
Eine Verwertungsrüge, die auf dem Fehlen richterlicher Zustimmung nach § 110b Abs. 2 S. 1 StPO gestützt wird, ist nach § 344 Abs. 2 S. 2 StPO unzulässig, wenn der Revisionsführer nicht darlegt, welche Bemühungen er bis zum Ablauf der Revisionsbegründungsfrist unternommen hat, um versiegelte oder nicht beigelegte Unterlagen zu erlangen.
Der Revisionsvortrag muss, soweit behauptete richterliche Anordnungen auf nicht in den Akten befindlichen beziehungsweise gesperrten Unterlagen beruhen, konkret angeben, welche Aktenbestandteile maßgeblich sind; sonst fehlt die erforderliche Substantiierung der Rüge.
Selbst bei inhaltlich vorgetragenen Einwendungen kann die rechtliche Überprüfung ergeben, dass die richterliche Zustimmung nach § 110b Abs. 2 S. 1 StPO auf der Grundlage des vorgetragenen Materials rechtlich nicht zu beanstanden ist.
Vorinstanzen
vorgehend LG Leipzig, 6. Juni 2024, Az: 6 KLs 102 Js 48503/23
Tenor
1. Auf die Revision des Angeklagten H. gegen das Urteil des Landgerichts Leipzig vom 6. Juni 2024 wird die Einziehungsanordnung mit Zustimmung des Generalbundesanwalts auf die sichergestellten Betäubungsmittel beschränkt; im Übrigen entfällt der Ausspruch über die Einziehung.
Die weitergehende Revision wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigungen keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat.
2. Die Revisionen der Angeklagten A. A. , Al. und Als. werden als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigungen keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Angeklagten ergeben hat.
3. Jeder Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.
Ergänzend zur Antragsschrift des Generalbundesanwalts bemerkt der Senat zu den Verfahrensrügen des Angeklagten H. :
Die Rüge der Verletzung der Vorschriften über die Öffentlichkeit des Verfahrens (§ 338 Nr. 6 StPO) ist jedenfalls unbegründet, zumal der Führungsbeamte der als Zeugen vernommenen Verdeckten Ermittler nicht zur Sache gehört worden ist.
Soweit der Beschwerdeführer ein Verwertungsverbot hinsichtlich der Angaben der als Zeugen vernommenen Verdeckten Ermittler geltend macht, weil deren Einsatz entgegen § 110b Abs. 2 Satz 1 StPO nicht von einer richterlichen Zustimmung gedeckt gewesen sei, ist die Rüge unzulässig (§ 344 Abs. 2 Satz 2 StPO). Der Beschwerdeführer hat die zur Begründung der richterlichen Zustimmung beigefügten Anlagen nicht mitgeteilt, weil sie nicht zu den Akten gelangt seien und einer Sperrerklärung unterlegen hätten. Dies genügt den Anforderungen des § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO nicht. Vielmehr hätte er vortragen müssen, ob und gegebenenfalls welche Bemühungen er bis zum Ablauf der Revisionsbegründungsfrist unternommen hat, die Unterlagen zu erlangen (vgl. BGH, Beschluss vom 28. September 2022 – 5 StR 191/22, NStZ 2023, 116). Zudem hat er es versäumt die Aktenbestandteile vorzutragen, auf deren Grundlage die zuvor ergangenen richterlichen Anordnungen nach §§ 100a, 100g, 100i und 163f StPO beruhten.
Die Rüge wäre aber auch unbegründet, weil schon auf der Grundlage des Revisionsvortrags die richterliche Zustimmung nach § 110b Abs. 2 Satz 1 StPO rechtlich nicht zu beanstanden ist.
Cirener Gericke Köhler
von Häfen Werner