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BGH·5 ARs 47/16·07.02.2017

5. Strafsenat bestätigt: Betäubungsmittel gehören zum Vermögen bei räuberischer Erpressung

StrafrechtAllgemeines StrafrechtRaub und räuberische ErpressungSonstig

KI-Zusammenfassung

Der 2. Strafsenat plante, Nötigung zur Herausgabe von Heroin nicht als Erpressung zu qualifizieren. Der 5. Strafsenat widerspricht und hält an seiner Rechtsprechung fest, wonach Betäubungsmittel zum durch §§ 253 ff. StGB geschützten Vermögen gehören. Zur Begründung verweist er auf die Abgrenzung zu Raub und die herrschende Ansicht in Rechtsprechung und Literatur.

Ausgang: 5. Strafsenat widerspricht der beabsichtigten Entscheidung des 2. Strafsenats und bestätigt seine Rechtsprechung, dass Betäubungsmittel Vermögensgegenstände im Sinne der §§ 253 ff. StGB sein können.

Abstrakte Rechtssätze

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Betäubungsmittel gehören zum Vermögen im Sinne der §§ 253 ff. StGB und sind taugliche Tatobjekte von Eigentumsdelikten, auch wenn ihr Erwerb oder Besitz strafbar ist.

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Die Nötigung zur Herausgabe von Betäubungsmitteln kann den Tatbestand der räuberischen Erpressung erfüllen, sofern sie sich gegen vermögenswerte Rechtspositionen richtet.

3

Bei der Abgrenzung von Raub und räuberischer Erpressung ist das äußere Erscheinungsbild des Tatgeschehens maßgeblich; zufällige Unterschiede der Tatausführung dürfen nicht zu willkürlichen Verschiebungen des Strafrahmens führen.

4

Anfragen nach § 132 Abs. 3 GVG dienen der innergerichtlichen Koordinierung; eine abweichende beabsichtigte Entscheidung steht einer fortgeltenden Rechtsprechung eines anderen Strafsenats entgegen, solange diese nicht durch obergerichtliche Entscheidung aufgehoben ist.

Zitiert von (1)

1 neutral

Relevante Normen
§ 253 StGB§ 263 StGB§ 132 Abs. 3 Satz 1 GVG§ 349 Abs. 2 StPO§ 253 ff. StGB§ 249 ff. StGB

Vorinstanzen

nachgehend BGH, 16. August 2017, Az: 2 StR 335/15, Urteil

Tenor

Die beabsichtigte Entscheidung des 2. Strafsenats widerspricht der Rechtsprechung des 5. Strafsenats, der an dieser festhält.

Gründe

1

1. Der 2. Strafsenat hat über Revisionen von Angeklagten zu entscheiden, die unter anderem wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung bzw. wegen Beteiligung hieran verurteilt worden sind, weil sie die Herausgabe von Heroin erzwungen hatten. Er hält die mit der Sachrüge geführten Revisionen insoweit für begründet und beabsichtigt zu entscheiden:

„Die Nötigung zur Herausgabe von Betäubungsmitteln richtet sich nicht gegen das Vermögen des Genötigten und erfüllt daher nicht den Tatbestand der Erpressung.“

2

Der 2. Strafsenat hat daher gemäß § 132 Abs. 3 Satz 1 GVG bei den anderen Strafsenaten angefragt, ob sie dem zustimmen oder an etwa entgegenstehender Rechtsprechung festhalten.

3

2. Der beabsichtigten Entscheidung des 2. Strafsenats steht Rechtsprechung des 5. Strafsenats etwa in jüngeren Beschlüssen entgegen, in denen die Revisionen nach § 349 Abs. 2 StPO verworfen worden sind (z. B. BGH, Beschlüsse vom 25. Januar 2017 - 5 StR 577/16; vom 12. Januar 2017 - 5 StR 504/16; vom 17. Juni 2014 - 5 StR 225/14). Hier hat der Senat vorausgesetzt, dass Betäubungsmittel zu dem nach §§ 253 ff. StGB geschützten Vermögen gehören, und zwar auch dann, wenn sie - wie in der Regel - in strafbarer Weise besessen werden.

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Der Senat hält an dieser Rechtsprechung fest. Bei seiner Entscheidung hat er auch die Rechtsauffassung der nicht an der Entscheidung beteiligten Richter des Senats bedacht. In der Begründung tritt er den Ausführungen des 4. Strafsenats in dessen Beschluss vom 10. November 2016 (4 ARs 17/16) bei und bemerkt ergänzend:

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Die beabsichtigte Entscheidung führt - wie der anfragende Senat nicht verkannt hat (BGH, Beschluss vom 1. Juni 2016 - 2 StR 335/15, NStZ 2016, 596, 599 mit Anmerkung G. Schäfer, JR 2017, 81) - zu Wertungswidersprüchen. Bei der in diesen Fällen vorzunehmenden Abgrenzung von Raub und räuberischer Erpressung, für die das äußere Erscheinungsbild des Tatgeschehens von ausschlaggebender Bedeutung ist (vgl. BGH, Urteil vom 17. März 1955 - 4 StR 8/55, BGHSt 7, 252; Beschluss vom 3. Juli 2013 - 4 StR 186/13; MüKo-StGB/Sander, 2. Aufl., § 249 Rn. 7, § 253 Rn. 21), würde es vielfach von Zufälligkeiten der Tatausführung abhängen, ob für Verhaltensweisen, die sich im Unrechtsgehalt nicht unterscheiden, die Strafrahmen der §§ 249 ff. StGB zur Anwendung kommen oder die Strafe den weitaus milderen Strafrahmen etwa des § 240 Abs. 1 StGB oder des § 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Variante 10 BtMG zu entnehmen ist. Denn auch Betäubungsmittel, deren Erwerb oder Besitz verboten ist, sind nach ganz herrschender Meinung in Rechtsprechung und Schrifttum taugliche Tatobjekte von Eigentumsdelikten (st. Rspr., vgl. BGH, Beschlüsse vom 21. April 2015 - 4 StR 92/15, NStZ 2015, 571; vom 20. September 2005 - 3 StR 295/05, NJW 2006, 72, jeweils mwN; vgl. auch LK-StGB/Vogel, 12. Aufl., § 242 Rn. 31 mwN). Den strafrechtlichen Eigentumsschutz in Fällen unbestreitbar bestehender Eigentumsposition und ungeachtet gegebenen Strafbedürfnisses (vgl. BGH, Beschluss vom 20. September 2005 - 3 StR 295/05 aaO S. 73) unter Hinweis auf den Gedanken einer „ultima ratio“ versagen zu wollen, vermag schwerlich zu überzeugen.

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3. Der Senat lässt dahinstehen, ob die mit Beschluss des 2. Strafsenats vom 1. Juni 2016 (2 StR 335/15, NStZ 2016, 596) formulierte Anfrage dadurch Erledigung gefunden hat, dass der anfragende Senat mit Urteilen vom 22. September 2016 (2 StR 27/16, zur Veröffentlichung in BGHSt bestimmt) und vom 7. Dezember 2016 (2 StR 522/15) zu seiner früheren Rechtsauffassung zurückgekehrt ist (vgl. Mosbacher, JuS 2017, 127, 129 ff.).

SanderKönigMosbacher
DölpBerger