Erweiterte Einziehung von Taterträgen: Herkunft des Einziehungsgegenstandes aus rechtswidriger Tat
KI-Zusammenfassung
Die Angeklagten rügten das Urteil des LG Mainz und die angeordnete erweiterte Einziehung von 7.000 €; Streitpunkt war die Anwendbarkeit des § 73a StGB bei Unklarheit der Zuordnung zu konkreten Taten. Der BGH verwirft die Revisionen und bestätigt die Anwendung des § 73a, weil die Herkunft des Geldes aus rechtswidrigen Taten feststand, eine sichere Zuordnung zu den abgeurteilten Taten aber trotz Ausschöpfung der Beweismittel ausgeschlossen war. Eine rückwirkende Begründung mit § 73 StGB allein wegen Zuordnungsunsicherheit hält der Senat für rechtlich bedenklich.
Ausgang: Revisionen der Angeklagten als unbegründet verworfen; erweiterte Einziehung von 7.000 € nach § 73a StGB bestätigt
Abstrakte Rechtssätze
Die Anwendung des § 73a Abs. 1 StGB setzt voraus, dass die Herkunft des Einziehungsgegenstandes aus rechtswidrigen Taten feststeht.
§ 73a Abs. 1 StGB kommt auch dann in Betracht, wenn eine sichere Zuordnung des Einziehungsgegenstandes zu den konkreten, abgeurteilten Taten nach Ausschöpfung aller Beweismittel nicht möglich ist.
Die erweiterte Einziehung kann sich aus den Gesamtumständen (z. B. offensichtliche wirtschaftliche Notlage) stützen, wenn die Beweisaufnahme ergibt, dass der Gegenstand aus rechtswidrigen Taten herrührt.
Allein die Unklarheit einer Zuordnung rechtfertigt nicht die Umkehrung des Subsidiaritätsverhältnisses zwischen § 73 und § 73a StGB; § 73 darf daher nicht pauschal als Ersatz herangezogen werden.
Zitiert von (1)
1 zustimmend
Vorinstanzen
vorgehend LG Mainz, 28. Oktober 2020, Az: 3 KLs 3300 Js 19935/19
Tenor
Die Revisionen der Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Mainz vom 28. Oktober 2020 werden als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigungen keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).
Jeder Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.
Ergänzend bemerkt der Senat:
Zu Recht hat das Landgericht die erweiterte Einziehung des bei dem Angeklagten N. beschlagnahmten Bargelds von 7.000,00 € angeordnet und diese Entscheidung ausweislich des Tenors des angefochtenen Urteils auf § 73a Abs. 1 StGB gestützt. Die Anwendung des § 73a Abs. 1 StGB setzt voraus, dass die Herkunft des Einziehungsgegenstandes aus rechtswidrigen Taten feststeht und eine sichere Zuordnung, insbesondere zu den abgeurteilten Taten, ausweislich des Gesamtzusammenhangs nach Ausschöpfung aller Beweismittel ausgeschlossen ist (vgl. BGH, Beschluss vom 19. August 2020 - 3 StR 219/20, NStZ-RR 2021, 104 mwN). So liegt der Fall hier: Angesichts der desolaten finanziellen Situation des Angeklagten hat es die Strafkammer ohne Rechtsfehler für erwiesen erachtet, dass der eingezogene Geldbetrag aus Straftaten herrührte; nach Beweisaufnahme offengeblieben ist lediglich, ob der Angeklagte ihn aus den urteilsgegenständlichen oder aus anderen rechtswidrigen Taten erlangte.
Soweit die Strafkammer dagegen in den Urteilsgründen von dieser rechtlichen Würdigung abgerückt ist und angenommen hat, die Einziehung des Bargelds sei auf § 73 Abs.1 StGB zu stützen, weil die Unklarheit dessen konkreter Herkunft die Unanwendbarkeit des § 73a Abs. 1 StGB zur Folge habe, begegnet diese, das Subsidiaritätsverhältnis zwischen § 73 StGB und § 73a StGB (vgl. BGH, Beschlüsse vom 26. Mai 2021 - 3 StR 58/21, juris Rn. 6; vom 30. Juni 2021 - 3 StR 153/21, juris Rn. 9, jew. mwN) umkehrende Begründung aus den oben genannten Erwägungen rechtlichen Bedenken. Denn die Herkunft des Geldes aus urteilsgegenständlichen Taten war gerade nicht feststellbar. Darüber hinaus war dies nicht einmal naheliegend, weil die festgestellte gemeinschaftliche Betreuung dreier Marihuanaplantagen bislang ersichtlich nicht zur Vornahme von Umsatzgeschäften geführt hatte, was die individualisierten Anbauvorgänge und -mengen betrifft, derentwegen der Angeklagte N. verurteilt worden ist.
Berg Riʽin BGH Wimmer befindet sichim Urlaub und ist deshalbgehindert zu unterschreiben. Paul Berg Erbguth Voigt