(Nachträgliche Gesamtstrafenbildung und Entscheidung über eine Einziehung)
KI-Zusammenfassung
Der Angeklagte reichte Revision gegen das Urteil des Landgerichts Stuttgart ein, das ihn zu einer sechsjährigen Gesamtfreiheitsstrafe verurteilte und die Einziehung von Taterträgen aufrechterhielt. Zentral war, ob eine frühere Einziehungsanordnung im nachträglichen Urteil fortzubehalten ist. Der BGH verwirft die Revision als unbegründet, lässt aber den Ausspruch über die Aufrechterhaltung der Einziehung entfallen, weil die Einziehung mit Rechtskraft bereits wirksam geworden und damit gegenstandslos war.
Ausgang: Revision des Angeklagten als unbegründet verworfen; Ausspruch über Aufrechterhaltung der Einziehungsanordnung entfällt
Abstrakte Rechtssätze
Bei nachträglicher Gesamtstrafenbildung nach § 55 StGB sind Nebenstrafen, Nebenfolgen und Maßnahmen durch das spätere Urteil einheitlich anzuordnen; das entscheidende Gericht ist an die Rechtskraft früherer Entscheidungen gebunden.
Eine rechtskräftig angeordnete Einziehung ist im späteren Urteil aufrechtzuerhalten, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Voraussetzungen für ihre weitere Vollstreckung fortbestehen.
Wird die in einem früheren Urteil angeordnete Einziehung durch Eintritt der Rechtskraft faktisch gegenstandslos, ist eine Aufrechterhaltung entbehrlich und der Ausspruch über die Einziehung im neuen Urteil zu unterlassen.
Mit Rechtskraft der Einziehungsanordnung geht das Eigentum an dem eingezogenen Gegenstand gemäß § 75 Abs. 1 Satz 1 StGB auf den Staat über; danach entfällt die Notwendigkeit, die Einziehung im nachfolgenden Urteil erneut zu bestätigen.
Vorinstanzen
vorgehend LG Stuttgart, 2. Juni 2023, Az: 5 KLs 221 Js 51838/22
Tenor
Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Stuttgart vom 2. Juni 2023 wird mit der Maßgabe als unbegründet verworfen, dass der Ausspruch über die Aufrechterhaltung der durch Urteil des Amtsgerichts Esslingen vom 22. Oktober 2021 ( ) angeordneten Einziehung entfällt. Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.
Gründe
Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in drei Fällen unter Einbeziehung der Strafe aus dem Urteil des Amtsgerichts Esslingen vom 22. Oktober 2021 ( ) zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt sowie die Einziehung des Wertes von Taterträgen in Höhe von 146.400 Euro angeordnet. Die Einziehungsanordnung des Amtsgerichts hat es aufrechterhalten. Die mit Sach- und Verfahrensrügen geführte Revision des Angeklagten führt zum Wegfall des Ausspruchs über die Aufrechterhaltung der Einziehungsanordnung.
Die durch das Urteil des Amtsgerichts Esslingen vom 22. Oktober 2021 angeordnete Einziehung des „Asservates iPhone XR“ war nicht aufrechtzuerhalten.
Liegen die Voraussetzungen des § 55 StGB vor, sind Nebenstrafen, Nebenfolgen und Maßnahmen gleicher Art grundsätzlich durch das spätere Urteil einheitlich anzuordnen, sodass über sie durch das Gericht zu entscheiden ist, das auch über die nachträgliche Gesamtstrafe befindet. Dieses ist dabei an die Rechtskraft der ursprünglichen Entscheidung gebunden. Sofern die tatsächlichen und rechtlichen Voraussetzungen für die (weitere) Vollstreckung vorliegen, ist die frühere Einziehungsentscheidung im neuen Urteil aufrechtzuerhalten. Wird die in dem früheren Urteil angeordnete Einziehung gegenstandslos, bedarf es hingegen keiner Aufrechterhaltung; die Anordnung muss dann entfallen (vgl. BGH, Beschluss vom 5. Dezember 2023 – 5 StR 434/23 Rn. 3 mwN). Dies ist vorliegend der Fall.
Die Einziehungsanordnung hatte sich mit Rechtskraft des Urteils des Amtsgerichts Esslingen am 22. Oktober 2021 und damit vor Verkündung des mit der Revision angegriffenen Urteils erledigt; denn mit Rechtskraft der Einziehungsanordnung ist das Eigentum am iPhone gemäß § 75 Abs. 1 Satz 1 StGB auf den Staat übergegangen.
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