Konkludenter Antrag auf mündliche Verhandlung bei geringem Streitwert - Zurückverweisung der Sache wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör
KI-Zusammenfassung
Die Kläger beantragten in einer auf Geldleistung gerichteten Klage mit geringem Streitwert die Vernehmung eines Zeugen. Das Finanzgericht entschied nach § 94a FGO ohne mündliche Verhandlung. Der BFH stellte fest, dass der Beweisantrag zugleich einen konkludenten Antrag auf mündliche Verhandlung darstellt und das Unterlassen der Verhandlung das rechtliche Gehör verletzt. Das Urteil wurde aufgehoben und die Sache an das FG zurückverwiesen.
Ausgang: Urteil des FG aufgehoben und die Sache an das Finanzgericht zurückverwiesen wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs durch Unterlassen der mündlichen Verhandlung trotz konkludentem Antrag.
Abstrakte Rechtssätze
Nach § 94a Satz 2 FGO ist in Klagen auf Geldleistung mit einem Streitwert von höchstens 500 € auf Antrag eines Beteiligten mündlich zu verhandeln; der Antrag kann ausdrücklich oder konkludent gestellt werden.
Die Stellung eines Antrags auf Erhebung von Zeugenbeweis gilt stets als konkludenter Antrag auf Durchführung der mündlichen Verhandlung.
Entscheidet das Gericht ohne mündliche Verhandlung trotz (konkludentem) Antrag, verletzt dies den Anspruch auf rechtliches Gehör.
Die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt zur Aufhebung der Entscheidung und, soweit einschlägig, zur Zurückverweisung an das vorinstanzliche Gericht gemäß den Vorschriften der FGO.
Zitiert von (1)
1 zustimmend
Vorinstanzen
vorgehend Niedersächsisches Finanzgericht, 11. Dezember 2009, Az: 2 K 257/09, Urteil
Leitsatz
NV: Beantragt der Beteiligte in einem Verfahren mit geringem Streitwert die Erhebung eines Zeugenbeweises, liegt darin immer auch der konkludente Antrag auf mündliche Verhandlung .
Gründe
Die Beschwerde ist nach § 115 Abs. 2 Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) begründet. Sie führt nach § 116 Abs. 6 FGO zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zurückverweisung der Sache an das Finanzgericht (FG).
Die angegriffene Entscheidung verletzt den Anspruch der Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) auf rechtliches Gehör. Das FG hätte nicht nach § 94a FGO ohne mündliche Verhandlung entscheiden dürfen. Nach Satz 2 dieser Vorschrift muss auch in den Fällen, in denen der Streitwert bei einer auf Geldleistung gerichteten Klage 500 € nicht übersteigt, auf Antrag eines Beteiligten mündlich verhandelt werden. Der Antrag kann sowohl ausdrücklich als auch konkludent gestellt werden (Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 22. September 1999 XI R 24/99, BFHE 190, 17, BStBl II 2000, 32, m.w.N.). Hat ein Beteiligter die Erhebung eines Zeugenbeweises beantragt, so ist der Beweisantrag zugleich ein konkludenter Antrag auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung (BFH-Urteil in BFHE 190, 17, BStBl II 2000, 32; BFH-Beschluss vom 12. September 2002 VI B 111/00, BFH/NV 2003, 72; Gräber/Koch, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., § 94a Rz 6, m.w.N.).
Im Streitfall haben die Kläger die Vernehmung eines Zeugen zu mehreren Tatfragen beantragt und damit hinreichend klar zum Ausdruck gebracht, dass eine mündliche Verhandlung stattfinden soll. Ob das FG dem Beweisantrag entsprechen muss, ist insoweit ohne Bedeutung; denn selbst dann, wenn das Beweismittel für die zu treffende Entscheidung unerheblich sein sollte, wird der mit dem Beweisantrag verbundene Antrag auf Durchführung der mündlichen Verhandlung hiervon nicht berührt (BFH-Urteil in BFHE 190, 17, BStBl II 2000, 32; BFH-Beschluss in BFH/NV 2003, 72).