(Verhältnismäßige Teilung der Kosten bei Teilabhilfe - geringes Unterliegen i.S. von § 136 Abs. 1 Satz 3 FGO)
KI-Zusammenfassung
Der Kläger begehrte Kindergeld für Aug.–Dez. 2007 (1.540 €); die Familienkasse setzte nach Anrechnung polnischer Leistungen nur 1.377,30 € fest. Die Parteien erklärten die Hauptsache für erledigt; der BFH hat nur noch über die Kosten zu entscheiden (§143 FGO). Das Gericht teilt die Kosten nach §138 FGO: die Familienkasse trägt die von ihr abgeholfene Quote, der Kläger die restlichen Kosten. Eine vollständige Kostenzuweisung nach §136 Abs.1 S.3 FGO kommt nicht in Betracht, weil eine Unterliegenquote von 1/10 nicht als geringfügig gilt.
Ausgang: Kosten anteilig verteilt: Familienkasse trägt Kosten für abgeholfenen Teil, Kläger für übrigen Teil; volle Kostenzuweisung nach §136 Abs.1 S.3 FGO abgelehnt
Abstrakte Rechtssätze
Bei übereinstimmender Erledigungserklärung der Parteien ist die Hauptsache erledigt und der BFH entscheidet nur noch über die Kosten (§ 143 Abs. 1 FGO).
Nach Erledigung der Hauptsache sind die Kosten nach § 138 Abs. 2 Satz 1 und Abs. 1 FGO zu verteilen; bei teilweiser Abhilfe trägt die Behörde die Kosten für den von ihr abgeholfenen Teil, der Kläger die Kosten für den nicht abgeholten Teil, soweit dies dem billigen Ermessen entspricht.
§ 136 Abs. 1 Satz 3 FGO kann auch nach teilweiser Abhilfe Anwendung finden, setzt aber voraus, dass das Unterliegen des einen Beteiligten geringfügig ist.
Für den Wegfall der Rechtshängigkeit durch übereinstimmende Erledigungserklärungen ist es nicht erforderlich, dass ein beigetretener Dritter (z. B. das BMF) ebenfalls eine Erledigungserklärung abgibt.
Vorinstanzen
vorgehend FG Düsseldorf, 22. April 2010, Az: 16 K 3244/08 Kg, Urteil
Gründe
1. Aufgrund der übereinstimmenden Erklärungen des Klägers und Revisionsklägers (Kläger) und der Beklagten und Revisionsbeklagten (Familienkasse) ist der Rechtsstreit in der Hauptsache erledigt. Das Urteil des Finanzgerichts ist damit einschließlich der darin enthaltenen Kostenentscheidung gegenstandslos geworden (Beschlüsse des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 29. Mai 1996 I R 79/95, BFH/NV 1996, 846; vom 25. Januar 1994 V R 128/85, BFH/NV 1995, 918; vom 29. August 2012 X R 5/12, BFH/NV 2013, 53). Gemäß § 143 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) hat der BFH durch Beschluss nur noch über die Kosten zu entscheiden.
Für den durch die Abgabe der übereinstimmenden Erledigungserklärungen bewirkten Wegfall der Rechtshängigkeit der Hauptsache kommt es nicht darauf an, dass auch das dem Verfahren beigetretene Bundesministerium der Finanzen eine Erledigungserklärung abgegeben hat (ständige Rechtsprechung des BFH, vgl. Beschlüsse vom 14. Mai 1975 VII R 107/72, BFHE 115, 425, und in BFH/NV 2013, 53).
2. Die nach Erledigung der Hauptsache zu treffende Kostenentscheidung richtet sich nach § 138 Abs. 2 Satz 1 und Abs. 1 FGO.
a) Die Familienkasse hat dem Antrag des Klägers, Kindergeld für seine beiden Kinder für die Monate August bis Dezember 2007 in Höhe von insgesamt 1.540 € festzusetzen, nur teilweise entsprochen. Es hat nach Anrechnung polnischer Familienleistungen im Abhilfebescheid lediglich Differenzkindergeld in Höhe von 1.377,30 € festgesetzt.
b) Mithin sind die Kosten des Verfahrens verhältnismäßig zu teilen. Soweit die Familienkasse dem Klagebegehren abgeholfen hat, trägt sie die Kosten gemäß § 138 Abs. 2 Satz 1 FGO. In Bezug auf den von der Abhilfe nicht erfassten Teil des Begehrens trifft den Kläger die Kostenpflicht nach § 138 Abs. 1 FGO. Denn es entspricht regelmäßig dem billigen Ermessen, wenn der Kläger in Höhe des von der Abhilfe nicht erfassten Teils des Klageanspruchs die Kosten trägt (BFH-Beschlüsse vom 13. August 1986 V R 112/80, BFH/NV 1987, 54; vom 23. November 1994 II B 157/92, BFH/NV 1995, 332; vom 11. Mai 2009 VIII R 81/05, BFH/NV 2009, 1447).
c) Von der Anwendung des § 136 Abs. 1 Satz 3 FGO, wonach einem Beteiligten die Kosten ganz auferlegt werden können, wenn der andere nur zu einem geringen Teil unterlegen ist, war im Streitfall abzusehen. Zwar ist die genannte Vorschrift grundsätzlich auch bei Hauptsacheerledigung nach erfolgter Teilabhilfe anwendbar (BFH-Beschluss vom 23. August 1990 V R 79/88, BFH/NV 1991, 472), doch fehlt es vorliegend an der Geringfügigkeit des klägerischen Unterliegens. Bei einer Quote von 1/10 kann davon nach der Spruchpraxis des BFH nicht mehr ausgegangen werden (BFH-Beschluss vom 24. Mai 1993 V B 33/93, BFH/NV 1994, 133; BFH-Urteil vom 20. April 2005 X R 53/04, BFHE 210, 100, BStBl II 2005, 698).