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BFH·I B 91/14·14.04.2015

Begrenzte revisionsrechtliche Prüfung von Schätzungsbescheiden

SteuerrechtAbgabenordnungSteuerfestsetzungsverfahrenVerworfen

KI-Zusammenfassung

Die Klägerin (GmbH) rügte die Nichtzulassung der Revision gegen Schätzungsbescheide des Finanzamts für die Jahre 2005–2007. Das BFH verwarf die Beschwerde als unzulässig, weil die Voraussetzungen des §115 Abs.2 FGO nicht substantiiert dargetan wurden. Schätzungen der Finanzgerichte gelten als bindende tatsächliche Feststellungen; Einwände gegen deren Richtigkeit rechtfertigen regelmäßig keine Revisionszulassung. Die Klägerin trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens.

Ausgang: Nichtzulassungsbeschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision bei Schätzungsbescheiden als unzulässig verworfen; Kosten trägt die Klägerin.

Abstrakte Rechtssätze

1

Schätzungen von Besteuerungsgrundlagen durch die Finanzgerichte gehören zu den in einem Revisionsverfahren grundsätzlich bindenden tatsächlichen Feststellungen (§118 Abs.2 FGO).

2

Einwände gegen die Richtigkeit von Steuerschätzungen (§162 AO) führen grundsätzlich nicht zur Zulassung der Revision; für eine Zulassung müssen konkrete Anhaltspunkte für eine völlige Unvertretbarkeit der Schätzung vorgetragen werden.

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Die Revisionszulassung nach §115 Abs.2 FGO setzt eine substantielle, konkrete Darlegung der Zulassungsgründe voraus; pauschale oder unsubstantiiert vorgetragene Einwendungen genügen nicht.

4

Eine Rüge mangelhafter Sachaufklärung (§76 FGO) ist nur wirksam, wenn sie schlüssig und mit hinreichenden Umständen dargelegt wird; bloße Behauptungen erfüllen die Darlegungspflicht nicht.

Relevante Normen
§ 96 Abs 1 S 1 FGO§ 115 Abs 2 Nr 3 FGO§ 118 Abs 2 FGO§ 162 AO§ 116 Abs. 3 Satz 3 FGO§ 118 Abs. 2 FGO

Vorinstanzen

vorgehend FG München, 28. Juli 2014, Az: 7 K 1127/13, Urteil

Leitsatz

NV: Da die Schätzungen von Besteuerungsgrundlagen durch die Finanzgerichte zu den in einem Revisionsverfahren grundsätzlich bindenden tatsächlichen Feststellungen gehören, führen Einwände gegen die Richtigkeit von Steuerschätzungen regelmäßig nicht zur Revisionszulassung.

Tenor

Die Beschwerde der Klägerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts München vom 28. Juli 2014 7 K 1127/13 wird als unzulässig verworfen.

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Klägerin zu tragen.

Tatbestand

1

I. Die Klägerin und Beschwerdeführerin (Klägerin), eine GmbH, betrieb in den Streitjahren (2005 bis 2007) ein …unternehmen. Aufgrund nicht erklärter Betriebseinnahmen erließ der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt --FA--) für die Streitjahre Schätzungsbescheide. Die Klage blieb erfolglos; die Revision wurde von der Vorinstanz nicht zugelassen (Finanzgericht München, Urteil vom 28. Juli 2014 7 K 1127/13).

Entscheidungsgründe

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II. Die hiergegen erhobene Beschwerde ist zu verwerfen, da sie nicht den Anforderungen an die Darlegung der in § 115 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) genannten Gründe für eine Revisionszulassung genügt (§ 116 Abs. 3 Satz 3 FGO).

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1. Abgesehen davon, dass der Vortrag der Klägerin nicht durchgängig die Entscheidungserheblichkeit des Vorbringens erkennen lässt, hat die Klägerin nicht beachtet, dass die Schätzungen der Finanzgerichte zu den in einem Revisionsverfahren grundsätzlich bindenden tatsächlichen Feststellungen (§ 118 Abs. 2 FGO) gehören und deshalb Einwände gegen die Richtigkeit von Steuerschätzungen (§ 162 der Abgabenordnung --AO--) regelmäßig nicht zur Revisionszulassung führen können (Beschluss des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 19. Januar 2011 X B 68/10, BFH/NV 2011, 818).

4

a) Soweit die Klägerin geltend macht, die Revision sei i.S. von § 115 Abs. 2 Nr. 2 Halbsatz 2 FGO zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung zuzulassen, weil das von der Vorinstanz vertretene Schätzungsergebnis wirklichkeitsfremd und damit schlechthin unvertretbar sei (vgl. dazu z.B. BFH-Beschlüsse vom 13. Oktober 2003 IV B 85/02, BFHE 203, 404, BStBl II 2004, 25; vom 13. Dezember 2013 X B 46/13, BFH/NV 2014, 488), kann der Senat dem Beschwerdevortrag keine konkreten Anhaltspunkte (Umstände) für diese Einschätzung entnehmen. Vielmehr hat das FG seine eigene Schätzung (§ 96 Abs. 1 Satz 1 FGO i.V.m. § 162 AO) auf das Gutachten des gerichtlichen Buchsachverständigen gestützt und zudem im Einzelnen dargelegt, aus welchen Gründen es den Einwänden der Klägerin nicht folgt.

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b) Unsubstantiiert ist des Weiteren die Rüge, die Vorinstanz habe die Grundlagen seiner Schätzung nicht hinreichend ermittelt (§ 76 FGO). Die Beschwerde hat insoweit erkennbar die Anforderungen an eine schlüssige Sachaufklärungsrüge (vgl. dazu Gräber/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., § 120 Rz 69 f.) nicht beachtet.

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2. Im Übrigen sieht der Senat von einer Begründung dieses Beschlusses ab (§ 116 Abs. 5 Satz 2 FGO).

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3. Die Kostenentscheidung beruht auf § 135 Abs. 2 FGO.