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BFH·I B 132/09·16.08.2010

Frist für die Einlegung und Begründung einer Nichtzulassungsbeschwerde bei unterlassener Rechtsmittelbelehrung

VerfahrensrechtSteuerprozessrechtRechtsmittelrechtVerworfen

KI-Zusammenfassung

Die Klägerin erhob Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision gegen ein Urteil des Finanzgerichts. Entscheidend war, dass das Urteil keine Rechtsmittelbelehrung enthielt; dadurch tritt an die Stelle der gesetzlichen Frist des § 55 Abs. 2 FGO eine Ausschlussfrist von einem Jahr nach Zustellung. Die Beschwerde ist unzulässig, weil die Klägerin die Beschwerde innerhalb dieser Jahresfrist nicht begründet hat; sowohl Einlegung als auch Begründung müssen innerhalb des Jahres erfolgen.

Ausgang: Nichtzulassungsbeschwerde als unzulässig verworfen, weil Einlegung/Begründung nicht innerhalb der einjährigen Ausschlussfrist seit Zustellung erfolgten

Abstrakte Rechtssätze

1

Erhält ein Urteil keine Rechtsmittelbelehrung, tritt an die Stelle der nach § 55 Abs. 2 FGO vorgesehenen Rechtsmittelfrist eine Ausschlussfrist von einem Jahr ab Zustellung des Urteils.

2

Innerhalb der einjährigen Ausschlussfrist müssen das Rechtsmittel eingelegt und zugleich begründet werden; eine spätere Begründung nach Ablauf des Jahres macht das Rechtsmittel unzulässig.

3

Wird die Begründung einer Nichtzulassungsbeschwerde nicht fristgemäß vorgebracht, ist die Beschwerde unzulässig und daher zu verwerfen.

4

Die Zustellung des angefochtenen Urteils ist maßgeblicher Beginn der einjährigen Ausschlussfrist, wenn die Rechtsmittelbelehrung fehlt.

Zitiert von (3)

3 zustimmend

Relevante Normen
§ 55 Abs 2 FGO§ 55 Abs. 2 FGO§ 120 FGO

Vorinstanzen

vorgehend Sächsisches Finanzgericht, 26. Februar 2009, Az: 8 K 428/06, Urteil

Leitsatz

NV: Ist das Urteil nicht mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen, tritt an die Stelle der gesetzlichen Rechtsmittelfrist gemäß § 55 Abs. 2 FGO eine Ausschlussfrist von einem Jahr seit Zustellung des angefochtenen Urteils, innerhalb derer das Rechtsmittel sowohl eingelegt als auch begründet werden muss .

Gründe

1

Die Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision ist unzulässig, weil die Klägerin und Beschwerdeführerin (Klägerin) sie nicht innerhalb der Frist des § 55 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) begründet hat. Das Urteil ist zwar nicht mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen, so dass an die Stelle der gesetzlichen Rechtsmittelfrist gemäß § 55 Abs. 2 FGO eine Ausschlussfrist von einem Jahr seit Zustellung des angefochtenen Urteils getreten ist, innerhalb derer das Rechtsmittel sowohl eingelegt als auch begründet werden muss (Spindler in Hübschmann/Hepp/Spitaler, § 55 FGO Rz 45; Seer in Tipke/Kruse, AO/FGO, § 120 FGO Rz 72; Bundessozialgericht, Beschluss vom 22. August 1995 5 BJ 50/95, Monatsschrift für Deutsches Recht 1996, 414; Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 8. Februar 1968 III C 20.67, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung 1969, 38). Die Klägerin hat ihre Beschwerde jedoch bis heute nicht begründet, obwohl ihr das Urteil des Finanzgerichts bereits am 24. Juli 2009 zugestellt wurde.