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Amtsgericht Mönchengladbach·15VI914-16·11.01.2017

Erbscheinsantrag wegen wirksamem notariellen Erbverzicht abgewiesen

ZivilrechtErbrechtErbscheinverfahrenAbgewiesen

KI-Zusammenfassung

Der Antrag auf Erteilung eines Erbscheins wurde zurückgewiesen. Grundlage ist ein notarieller, formgültig erklärter uneingeschränkter Erbverzicht gemäß § 2346 BGB, durch den das gesetzliche Erbrecht des Verzichtenden für den vorliegenden Erbfall entfällt. Eine nachträgliche Rüge fehlender Geschäftsgrundlage ist gegen einen wirksamen Erbverzicht ausgeschlossen. Daher fehlt dem Antragsteller das erforderliche gesetzliche Erbrecht.

Ausgang: Erbscheinsantrag mangels gesetzlichem Erbrecht infolge wirksamen notariellen Erbverzichts abgewiesen

Abstrakte Rechtssätze

1

Ein formgültig erklärter, uneingeschränkter notarieller Erbverzicht ist als abstraktes erbrechtliches Verfügungsgeschäft zu qualifizieren und führt zum Verlust des gesetzlichen Erbrechts des Verzichtenden (§ 2346 BGB).

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Ein wirksamer Erbverzicht kann im Erbfall nicht dadurch angegriffen werden, dass nachträglich geltend gemacht wird, die Geschäftsgrundlage habe gefehlt oder sei weggefallen (BGH-Rechtsprechung).

3

Zur Erteilung eines Erbscheins ist das bestehende gesetzliche Erbrecht zu prüfen; fehlt dieses infolge wirksamen Erbverzichts, ist der Erbscheinsantrag zurückzuweisen.

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Ein notarieller Erbverzicht bedarf der Formgültigkeit; diese Formgültigkeit begründet die Bindungswirkung des Verzichts gegenüber späteren Erbfallangriffen.

Relevante Normen
§ 2346 BGB

Vorinstanzen

Oberlandesgericht Düsseldorf, I-3Wx16-17 [NACHINSTANZ]

Tenor

Der Erbscheinsantrag vom 26.10.2016 wird zurückgewiesen.

Gründe

2

Dem Erbscheinsantrag kann in der gestellten Form nicht stattgegeben werden.

3

Durch notariellen Erbverzichtsvertrag vom 14.01.1999 haben der Erblasser und seine Ehefrau erklärt, dass sie auf das gesetzliche Erbrecht am dereinstigen Nachlass des Erstversterbenden verzichten. Dieser formgültig erklärte uneingeschränkte Erbverzicht gemäß § 2346 BGB als abstraktes erbrechtliches Verfügungsgeschäft bewirkt bezüglich des vorliegenden Erbfalls den Verlust des gesetzlichen Erbrechts des Verzichtenden (vgl. Palandt-Weidlich, 76.A., § 2346 Rn. 12). Gegenüber einem Erbverzicht kann nach dem Erbfall nicht mehr geltend gemacht werden, die Geschäftsgrundlage fehle oder sei weggefallen (BGH NJW 99, 789). Ein gesetzliches Erbrecht der Ehefrau ist daher zu verneinen.

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Mönchengladbach, 05.01.2017

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Amtsgericht

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M-C

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Richterin am Amtsgericht