Partnervermittlungsvertrag: Vergütungsanspruch wegen §656 BGB nicht einklagbar
KI-Zusammenfassung
Die Klägerin, Rechtsnachfolgerin der X GmbH, verlangte Zahlung der ursprünglich vereinbarten Vergütung sowie eines auf 25 % reduzierten Vergleichsbetrags aus einem Partnervermittlungsauftrag. Das AG Düsseldorf wies die Klage ab, weil der Vermittlungsauftrag in entsprechender Anwendung des § 656 BGB eine Naturalobligation begründet, die zwar erfüllt, aber nicht eingeklagt werden kann. Auch der Vergleich begründet keine einklagbare Forderung, da er lediglich die Höhe der aus dem Vermittlungsvertrag stammenden Schuld festlegt.
Ausgang: Klage auf Zahlung der Vermittlungsvergütung abgewiesen; Anspruch wegen § 656 BGB (Naturalobligation) nicht einklagbar
Abstrakte Rechtssätze
Ein Partnervermittlungsauftrag unterfällt in entsprechender Anwendung § 656 BGB und begründet nur eine Naturalobligation, die nicht gerichtlich einklagbar ist.
Eine Naturalobligation bleibt auch dann nicht einklagbar, wenn der Gläubiger die Leistung bereits erhält; Erfüllung führt nicht zur rechtsdurchsetzbaren Forderung.
Eine zwischen den Parteien geschlossene Vergleichsvereinbarung, die lediglich die Höhe einer aus einem vermittlungsvertraglichen Naturalobligationen stammenden Vergütung festlegt, begründet keine einklagbare Verbindlichkeit (§ 656 Abs. 2 BGB entsprechend anwendbar).
Ein Vergleich kann hingegen eine einklagbare Verbindlichkeit begründen, wenn er die ernsthafte Ungewissheit darüber beseitigt, ob ein Anspruch nach § 656 BGB oder eine anderweitige vollgültige Anspruchsgrundlage besteht.
Tenor
für R e c h t erkannt:
Die Klage wird abgewiesen.
Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Klägerin.
Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.
Von der Darstellung des Tatbestandes wird gem. § 313 a Abs. 1
S. 1 ZPO abgesehen, da ein Rechtsmittel gegen das Urteil un-
zweifelhaft nicht eingelegt werden kann.
Entscheidungsgründe
Die Klage ist nicht begründet.
Die Klägerin als Rechtsnachfolgerin der X GmbH kann von
dem Beklagten nicht aufgrund des zwischen den Parteien auf
entsprechenden Vorschlag der Rechtsvorgängerin der Klägerin
geschlossenen Vergleichs Zahlung verlangen. Auch die durch
den Vergleich begründete Verbindlichkeit des Beklagten kann
von der Klägerin nicht klageweise geltend gemacht werden, da
ihr in entsprechender Anwendung des § 656 Abs. 2 BGB entge-
gensteht, daß es sich um eine Naturalobligation handelt, die
zwar erfüllt, aber nicht eingeklagt werden kann. Der ur-
sprünglich unter dem 06.12.1996 zwischen der Rechtsvorgänge-
rin der Klägerin und dem Beklagten geschlossene diskrete
Partnervermittlungsauftrag unterfällt der Regelung des § 656
Abs. 1 BGB in entsprechender Anwendung (vgl. BGH NJW 1990,
2550). Die ursprünglich zwischen den Parteien getroffene Ver-
einbarung begründet daher keine Verbindlichkeit, so daß die ur-
sprünglich zwischen den Parteien vereibarte Vergütung in Hö-
he von 11.385,00 DM von der Klägerin nicht eingeklagt werden kann.
Gleiches gilt für den auf Vorschlag der Rechtsvorgängerin der
Klägerin geschlossenen Vergleich, nach dem sich der Beklagte
verpflichtet hat, an die Rechtsvorgängerin der Klägerin 25 %
des ursprünglichen Vertragswertes, mithin 2.846,25 DM zu zah-
len. Dieser Vergleich unterfällt der Vorschrift des § 656
Abs. 2 BGB in entsprechender Anwendung. Danach wird eine Verbind-
lichkeit auch durch eine Vereinbarung nicht begründet, die
der andere Teil zum Zwecke der Erfüllung des Versprechens dem
Mäkler gegenüber eingeht. Zwar ist es grundsätzlich richtig,
daß ein zwischen den Parteien geschlossener Vergleich für die
in diesem eingegangenen Leistungspflichten eine selbständige
Rechtsgrundlage schafft (vgl. BGH WM 79, 205), jedoch hindert
dies nicht die entsprechende Anwendung des § 656 Abs. 2 BGB
auch auf diese neue "Verbindlichkeit". Selbst für den Fall,
daß es sich dabei um ein selbständiges Schuldversprechen han-
delt, mithin um ein abstraktes Schuldanerkenntnis, bestimmt §
656 Abs. 2, daß es gleichwohl dabei verbleibt, daß die so ge-
schaffene Verbindlichkeit vom Gläubiger nicht eingeklagt wer-
den kann. Damit soll nämlich gerade verhindert werden, daß
die fehlende Einklagbarkeit durch weitere Vereinbarungen um-
gangen wird.
Dies gilt auch für den hier zwischen den Parteien geschlosse-
nen Vergleich. Nur wenn ein Vergleich die ernsthafte Ungewiß-
heit beseitigen soll, ob eine Schuld nach § 656 oder eine an-
dere vollgültige vorliegt, kann der Vergleichsschluß dazu
führen, daß eine selbständige Verbindlichkeit begründet wird,
die auch einklagbar ist. Unverbindlich ist der Vergleich je-
doch dann, wenn er die Schuld aus dem Partnervermittlungsver-
trag der Höhe nach festlegen will (vgl. Palandt/Sprau, BGB,
58. Aufl., § 762 Rdnr. 7). So liegt der Fall hier, denn die
Parteien streiten nicht darüber, ob denn der ursprüngliche
Partnervermittlungsauftrag aus einem anderen Rechtsgrund ei-
nen Anspruch gibt, der vergleichsweise geregelt werden soll-
te, sondern auf Vorschlag der Rechtsvorgängerin der Klägerin
wurde lediglich der ursprünglich vereinbarte Vergütungsbetrag
auf 25 % reduziert. In diesem Fall verbleibt es nach § 656
Abs. 2 BGB analog bei der Nichteinklagbarkeit auch der aus
dem Vergleich begründeten Verbindlichkeit.
Die Klage war daher abzuweisen.
Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 ZPO, die Entscheidung
über die vorläufige Vollstreckbarkeit aus den §§ 708 Nr. 11,
711, 713 ZPO.